Der Mann aus dem “Westen” dankt und setzt fort: Doch bei der Iatrike kommt ihr mir wie Prometheus vor. Was alle Andern für nicht menschenmöglich halten, macht ihr einfach.
 “Heilkunst” und Prometheus bringen Marpesia auf eine Idee: Du glaubst, wir wirken auf Andere wie Epimetheus mit der Dose der Pandora?
Die “Allbeschenkte” gibt Adonis ein: Ich glaube schon, daß ihr den Eindruck erzeugt. Wer kann ahnen, daß die Dose der Pandora für euch das Leben enthält, daß Soma von Lebewesen ist.
Melanippe fühlt sich mehr als verstanden: Als wir in Aigyptos diese geheimnisvolle Dose öffneten, kamen keine längstbekannten Übel herausgeflogen. Wir mußten alles mühsam holen!
Adonis kann sich in die Beiden einfühlen: Und das fordert euch heraus, das Geheimnis dessen zu lüften, was ihr saht. Mir als Laien scheint, was ihr in den Händen hattet, schenkt erst Leben.

 Marpesia nickt zustimmend: Doch wie unsere Kriegerinnen dich, brauchen wir für die Iatrike auch einen Kritikos.
Der “Urteilsfähige” beflügelt Melanippe: Ippokrates’ Diakrisis liefert uns oft neue Ansätze. Unbewußt entschlüsselt er manches und hilft uns, bis dahin Übersehenes zu korrigieren.
Etwas wie “Hippokrates Kritik” kennt Adonis aus eigener Erfahrung: Ohne Auseinandersetzung laufen die besten Gedanken oft in die Irre. Man wird betriebsblind. Was meint Ippokrates?
Marpesia fast ihren Eindruck in Worte: Er deutet an, wir könnten zu große Hoffnungen wecken. Asklepios konnte zwar Tote auferwecken. Mußte er vielleicht sterben, weil es einmal mißlang?
Die Erinnerung macht Adonis sicher: Als du mit Hanno begannst, schienst du mir sicher.
Melanippe kommt ihrer Mutter zuvor: Wir sind nie sicher. Nur weil wir die Organes studieren, entdecken wir einen Methodos für das, was anderen aus Not manchmal ebenso gelingt.

 Der “Weg” läßt Marpesia ihren Gedanken fortsetzen: In vielen Fällen können auch wir uns immer noch nicht anders verhalten als die Iatres bei Philoktetes in der Ilias, du erinnerst dich?
Adonis versucht sich zu erinnern: Zuerst ließ man den Leidenden einfach zurück.
Marpesia kichert etwas boshaft: Doch als man ihn für den Sieg in Troia brauchte, war plötzlich kein Risiko mehr zu groß. Man schaffte ihn in Apollons Tempel.
Melanippe wird sehr ernst: Nur der Tempelschlaf dort erlaubte Machaon, Philoktetes mit dem Messer von dem eiternden und schmerzhaften Gewebe zu befreien.

 Plötzlich versteht Adonis: Ich hörte von dem Schlaf, in den ein Kranker im Tempel des Apollon fällt. Man sagt, wenn man den Kranken aus dem Tempel bringt, erwacht er ohne Schmerzen.
Marpesia sieht Adonis Probleme: Bei Bewußtsein sind Schnitte in den Soma zu schmerzhaft.
Melanippe hatte nicht nur den Schnitt in Fleisch und Organes geübt: In Äigyptos habe ich von einem Mittel gehört, das man Kranken eingibt, wenn man ihren Schädel aufbohren muß.
Marpesia fügt hinzu: Hadarqa hat es sich besorgt. Nun müssen wir herausfinden, wie es dosiert werden muß. Ein Kranker soll ja wieder erwachen, wenn der größte Schmerz vorüber ist.

 Adonis versucht sich den Vorgang vorzustellen: Viele Leiden, wie Brüche, erkenne sogar ich. Aber wie stellt ihr fest, was einem inneren Organon fehlt und was ihr mit tun müßt?
Melanippe läßt die Gedanken zur Betäubung: Den ersten Schritt einer Diagnosis zwischen kranken und gesunden Organes haben wir in Ägypten gelernt, wir wissen, wo sich was befindet.
Bei “Unterscheidung” stupst Marpesia Adonis kumpanenhaft an: Auf den zweiten Schritt hast du hingewiesen. Jedes Organon hat seine eigene Physis. Eine kranke Epatas verhärtet.
Mit der “Beschaffenheit” der “Leber” gibt sie Melanippe das Stichwort: Und von der Praxis haben wir eine erste Ahnung. Da können wir schon einiges unterscheiden. Die Schmerzen durch Nephritikos lithos kennst du sicher auch.
Die “Verrichtung” der Werkzeuge und der “Nierenstein” erinnern Adonis an eigene Erfahrungen: Ich verstehe. Ein Cheirotechnes nutzt ein Organon für einen bestimmten Zweck. Diese Idea hilft euch, das kranke von den gesunden Organes zu scheiden.

 Die “Handwerkerin” Melanippe: Du bist auf der richtigen Spur. Jedes Organon führt eine vorbestimmte Aufgabe aus. An der Kardiologia erkennt auch der Laie die Lage des Gaster.
Adonis denkt über “Magenbeschwerden” und den “Magen” nach, als Marpesia darauf hinweist: Und die Nephros macht etwas, was auch Nephritikos lithos entstehen läßt. Ich wüßte gern, was.
Adonis irritiert, daß die Ellenes für Herz und Magen das selbe Wort haben. Doch von der Niere und ihre Steine hat er gehört: Wie findet ihr heraus, wenn den Kranken etwa Anderes fehlt?
Da spult Melanippe ab, wie von Marpesia gehört: Eine akute Erkankung findet man manchmal durch Befragung und Augen- und Tastdiagnosis.
Die “Diagnose” irritiert Adonis: Das man die Organes und vielleicht auch ihre Verbindungen ertasten kann, ahne ich noch, aber kein Auge kann in das Innere eines Soma sehen.

 Marpesia lächelt mitfühlend: Die Augen sind das Tor zum Inneren des Menschen.
Melanippe ergänzt: Bei manchen Krankheiten der Organes verfärben oder trüben sich die Augen. Und eine kranke Eparatos färbt die Haut gelb. Kennst du die Ikteros?
Von kranker “Leber” und “Gelbsucht” hat Adonis gehört: Jetzt ahne ich, wie ihr auf kranke Organes schließt. Lage, Physis und Praxis verraten vieles bei der Diagnosis.
Da platzt es aus Marpesia heraus: Aber was passiert, wenn ich jetzt zu dir sage: Schließe einfach mal deine Hand.

 Während sie betrachtet, wie Adonis seine Hand hebt und zur Faust ballt, stellt er fest: Sie tut es, wenn ich es will. Es muß in meinem Körper also so etwas wie euer Nachrichtensystem geben.
Das kam für Marpesia unerwartet: Das ist der letzte Schritt unserer Überlegung. Woher die Hand die Kraft dazu hat, ahnen wir ja nach dem, worüber wir gestern gesprochen haben.
Man merkt richtig, wie es Melanippe drängt: Doch, wie gelangt meine Aufforderung “Schließen” zu deinem Mys, der die Hand bewegt?
Der “Muskel” erinnert Adonis ebenfalls an die Spiegel auf dem Han: Ich höre dich, doch darum geht es nicht. Ihr sucht die Bahnen, auf den das Gehirn mit den Organes sprechen kann.
Marpesia geht auf den Gedanken ein: Einen Hinweis gibt uns vielleicht der Mys selbst. Wie der Bogen für den Pfeil benutzt er Neurones, um ein Glied zu bewegen.

 Muskel” und “Sehne” lassen Adonis erstaunt aufblicken: Das erinnert mich an mein Schiff. Auch da helfen Seile, es zu bewegen. Aber an welchem Neurones zieht das Gehirn um ein Mys zu bewegen?
Melanippe lächelt vergnügt: Irgendwie muß ein Mys doch verstehen, was wir von ihm möchten.
Adonis bickt auf seine Hand, die er öffnet und schließt: Der Logos von einer Leitung ist überzeugend: Deine Worte erreichen mein Ohr und von dem mein Gehirn, doch weiter?
Die “Behauptung” scheint Marpesia noch diskussios bedürftig: Ippokrates fand diese Idea zwar logikos, hatte jedoch Probleme, sich dafür Organes vorzustellen.
Die “logische Idee” lenkt Adonis auf das Nachrichtensystem der Amazonen: Ihr glaubt, wenn alle Erkenntnis im Gehirn entsteht, muß es im Soma etwas wie euer Nachrichtensystem geben. Melanippe freut sich über ihre Idee vorurteilslos sprechen zu können: Ja, wir fragen uns, wie gelangt die Idee, etwas tun, in die Finger oder andere Organes.

 Marpesia setzt hinzu: Wie so vieles andere haben wir diese Nachrichtenwege im Körper noch nicht gefunden. Wir ahnen nur Zusammenhänge. Da wären wir gern Prometheus.
Melanippe bremst den Höhenflug: Ippokrates mahnt uns immer: tut, was ihr wollt, nur laßt eure bisherige Iatrike nicht darunter leiden. Er nagt am Vergleich Cheirotechnes und Cheirourgos.
Adonis lacht. Auch für ihn war es ein Problem im “Wundarzt” den “Handwerker” zu sehen: Er weiß, wie schwer es ist, Lahme gehen, Blinde sehen und Taube hören zu lassen.
Marpesia fällt in sein Lachen ein: Darum reden wir mit Anderen immer erst über unseren neuen Erkenntnisse, wenn wir uns sicher sind. Erfolg überzeugt auch den Unbelehrbarsten.
Melanippe lächelt leise: Wir versuchen Erkrankte möglichst ohne Eingriffe zu heilen. Das kannst du heute nach Mittag lernen.

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