Marpesia klingt plötzlich schicksalsergeben: Das mag ich mir nicht vorstellen. Ich hoffe Ma läßt dir und mir ein Kraut wachsen, das mir bisher nur Göttern vorbehalten schien.
Adonis macht einen Schritt auf Marpesia zu: Eine Iatrix sucht eine Medizin für sich selbst!
Marpesia lehnt sich an ihn: Mir geht nicht aus dem Kopf, daß unsere gemeinsame Zeit endet.
Adonis nimmt sie fest in die Arme: Wie alle Andern sah ich in dir immer die Unerschütterliche. Wer hält sich nicht an dir? Und nun steht ein kleines verzagtes Mädchen vor mir?
Marpesia lacht: Ma hat ein Wunder bewirkt und mich für dich fast um ein Leben verjüngt.
Adonis fällt in ihr Lachen ein und heitert sie auf: Deine Ma will mich nicht täuschen. Sie zeigt dich als reife Peri. Nur sehr viel schüchterner, obwohl sie deine Augen locken läßt.
Marpesia verhält im Schritt: Mir wird gerade bewußt, daß ich deine Mutter sein könnte.
Sein um sie gelegter Arm lenkt Adonis um: Lysippe und ich mögen im gleichen Alter sein, die Übereinstimmung, die ich immer suchte, spricht aus deinen Augen, sehe ich ganz tief hinein.
Marpesia leise: Seit wir uns das erste Mal anblickten, wünsche ich mir, deine Augen zu sehen. Und jetzt erbitte ich von Ma, auch über Distanz das Band zwischen uns nicht reißen zu lassen.
Adonis ergreift Marpesias Hände: Auch ich würde gern immer Zwiesprache mit dir halten.
Marpesia erwidert seinen Griff: Das macht mir Mut. So selbstverständlich wie unsere Augen sich trafen, wird es einen Weg geben, unsere Verbindung auch über weite Entfernung zu halten.
Adonis nickt begeistert: Ich wollte immer einen Menschen finden, der auf mich zugehen mag.
Marpesia bleibt vor einem Haus stehen. An ihrem Tonfall bemerkt Adonis, daß ihr eine Last genommen sein muß: Wenn du jetzt ganz genau hingehörst, fällt dir vielleicht etwas auf.
Adonis blickt sich verwundert um: Ja, es klingt, als würde in der Ferne ein Psaltrion gespielt.
Die “Harfe” hatte Marpesia nicht erwartet: Du hast ein feines Gehör, doch du hast dich zu sehr konzentriert. Du hörst Aiolos. Er kann sehr feinfühlig sein. Doch er spielt mit noch mehr.
Der “Windgott” läßt Adonis staunen: Daß ich das überhört habe! Da bimmeln noch Glöckchen.
Marpesia geht weiter: Das tun sie. Und heute bringt Aiolos sogar die Sehne zum Klingen, an der sie hängen. Erinnerst du dich an den Wind, der früher unter unseren Dächern entlang strich?
Adonis überlegt: Gab es für ihn zwischen Wand und Dach nicht einen Schlitz, der ihn einließ?
Marpesia wendet sich um: Wenn die Sonne am höchsten stand, sog er die meiste Luft an.
Adonis erinnert sich an Zuhause: Der Wind machte das Leben in den Häusern sicher sehr angenehm. Wir kühlen unsere Häuser auf ähnliche Weise, sogar in der Sonnenglut der Wüste.
Marpesia folgt seiner Idee: In die Schlitzen hängten wir Glöckchen. Ihr Bimmeln kündigte die lebenspendende Ma an. Nach dem Luftzug, hatte sie es in der größten Hitze besonders eilig.
Adonis fühlt sich ein: Ma muß eure Häuser mit himmlischen Tönen angefüllt haben.
Marpesia tastet durch die Finsternis: Jetzt spiele ich erst einmal Prometheus. Wenn wir sehen können, rufe ich Ma mit einem Glöckchen zu uns herein. Vielleicht erscheint sie uns.
Adonis folgt der Lichtbringerin: Wenn es nach dem Glöckchen in mir geht, wird sie das tun!
Lachend macht Marpesia Licht: Um dein Glöckchen zu hören, muß du sehen können. Bei mir bimmelt jedenfalls immer ein Glöckchen, wenn ich das mir fehlende Gegenstück sehe.
Öllämpchen nach Öllämpchen schenken Adonis mehr von der versprochenen Sicht: Denkst du an Platon im Symposion? Bei ihm ist erst ein vereinigtes Paar ein vollständiger Mensch.
Marpesia wendet sich Adonis zu, um ihm in die Augen zu sehen: Dann warst du Platons Mensch für mich auf dem Schiff. Wenn ich dich sah, vernahm ich das Glöckchen in mir. Es fragte mich, ob deine Augen noch mehr sagen können.
Adonis erinnert sich an die Bordwand: Deine Augen saugen mich in sich hinein. Gerade strahlen sie eine Kraft aus, die mich schweben macht.
Marpesia zieht ihn an sich, als wollte sie ihn am Entschwinden hindern: Für mich hat Ma mit dir dies Haus betreten. Du müßtest sie sich in meinen Augen spiegeln sehen!
Adonis blickt sie genau an: Bei uns sagt man, die Augen sind das Tor zur Seele.
Der Gedanke amüsiert Marpesia: Dann habe ich mich oft auf deine Seele gebettet. Und damit du deinen Weg zu meiner Seele findest, habe ich alle Lichter angezündet.
Adonis fällt in ihr Lachen ein: Das ist dir gelungen. Dein Blick brennt sich in mich ein, als fiele sein helles Licht durch ein Brennglas auf eurem Han in meine Augen.
Marpesia ist begeistert: Ein schöner Vergleich! Deine Augen reiben in meinen ein Elektron.
Der “Bernstein” läßt Adonis sie genau betrachten: Sie werden jetzt ganz dunkel vor Spannung!
Als hätten sie sich verabredet, lassen sie sich los, heben die Hände und sehen ihren Fingern zu, die sich gegenseitig anziehen. Adonis entfährt: Jetzt kann ich die Bia katholikos verstehen! Die Weltkraft läßt Marpesia zurück kehren: Außer dem Gedanken der Bia katholikos hat mein Freund aus Sina mir ein Tuch geschenkt, das das Elektron in deinen Augen rieb.
Adonis wartet auf Marpesias Augen: Aber jetzt zieht mich das Tuch noch nicht in die Ferne.
Mit Marpesias Blick beginnt die “Kraft” zwischen Adonis und ihr wieder zu pulsieren.
