Marpesia überholt ihre ihren Betten zustrebenden Zuhörer. Sie trifft auf einen geschäftigen Adonis. Er beobachtet angeregt die Grüppchen, die an ihm vorüber ziehen und verhalten miteinander sprechen. Die Kinder hat das Gehörte trotz ihrer Müdigkeit nicht überhörbar aufgedreht. Als er nach dem Anlaß dieser Erregung Ausschau hält, fallen Adonis’ Augen in zwei andere Augen: Dank dir haben alle Stoff zum Nachdenken und Reden.
Marpesia sieht sich um und muß lachen: Oja, sie gleichen Wiederkäuern. Nach langem Grasen holen sie das Gehörte noch einmal zum bedächtigen Durchkauen hervor. 
Adonis läßt sich von ihr anstecken: Beim ersten Hören glaubten sie, deine Geschichten erschlossen zu haben. Nun erstaunt sie, was ihnen noch an Unverdautem wieder aufstößt.
Marpesia fährt fort: Die Jungen staksen noch nicht ganz entwöhnten Kälbchen gleich herum. Die Zitzen sättigen sofort, die neue Nahrung zwingt zu ungewohntem Wiederkäuen.

 Adonis kann nur mitfühlen: Mir kommt, allein wegen der Fülle, das “Gefressene” wieder hoch.
Marpesia streichelt seine Wange: Du Armer. Du wärst jetzt auch gern ein Kind, das jedes Mal, wenn ihm etwas “aufstößt”, seine Erkenntnis lauthals mit Eltern und Kumpanen teilen muß.
Adonis genießt die überraschende Liebkosung: Das stimmt! Wie oft haben wir gemeinsam wiedergekäut, bis ich verstehend aufstoßen konnte! Deine Herde kennt ihre Weide schon länger.
Marpesia lacht leise: Vielen von ihnen ergeht es nicht anders als dir. Zugezogene Partner lernen unsere Weide auch erst kennen. Sie brauchen Hilfe. Dir werde ich nicht länger helfen können.
Adonis gesteht: Entschuldige, die vergaß ich. Anders als sie, bin ich hier, um weiter zu ziehen. Mit dir ist meine Zuversicht für die Reise gewachsen. Nun wünsche ich dich immer bei mir.

 Marpesia bleibt stehen: Wenn man sich trennen muß, zieht noch einmal alles an einen vorüber. Aber es lehrt auch, was du bis jetzt nicht verdaut hast, wird ab nun einen andern Wert erhalten.
Adonis senkt den Kopf: Ich verstehe. Liebgewonnenes mischt sich in Zukunft mit gerade Erlebtem und Gehörtem. Und beim Widerkäuen stößt Vertrautes auf noch nie Gehörtes.
Marpesia lächelt mitfühlend: Tröste dich. Ich kann hier bleiben, doch mir geht es nicht besser. Ich muß mich von dem trennen, was unsere Begegnung säte und was mir lieb geworden war.
Adonis versucht zu folgen: Ihr habt Not immer in Gunst gewendet. Jeder fremde Partner weckt mit seinem Lernen eure Selbsterkenntnis. So erhaltet ihr euer Mitgefühl mit den Schwachen.
Marpesia entfährt: Wie schaffst du es immer wieder, mir im Kern zu begegnen? Schon als ich dich traf, überraschtest du mich mit Solidarität. Gern würde ich weiter mit dir “wiederkäuen”.

 Als sie sich dem Ende der “Geschichtenherde” anschließen, beginnt das Licht merklich zu schwinden. Das treibt alle voran. Peri und ihre Mutter müssen weit voraus sein. Als er an sie denkt, muß Adonis leise kichern: Melanippe wird sich schon den Fortgang anhören müssen. 
Sein Hinweis auf Mutter und Kind gibt Marpesia ein: So wie Ma meine ständige Bitte um Hilfe.
Zur Göttin fällt Adonis ein: Mit Ma, der Natur, sind wir wieder bei der “Herde Wiederkäuer”. 

 Marpesia bemerkt einen Unterton: An den friedlichen Wiederkäuern stoßen dich die Bullen ab. 
Adonis klingt betroffen: Wie gut du mich kennst! In der Herde entsprechen Bock oder Stier dem Mann. Wenn Leithammel um die Herde kämpfen, erinnern sie mich an Männer im Krieg. 
Marpesia versteht: Mich erinnerst du an Omeros und den als Mädchen verkleideten Achilleus. Das von “Homer” gezeichnete Bild kommt Adonis in den Sinn: Odysseus benimmt sich wie ein Demagogos. Mit gewaltigtätigen Worten entführt der einen Friedliebenden in den Krieg.
Bei “Volksaufhetzer” fällt Marpesia ein: Achill wurde so erfolgreich verführt, daß er seine Neigung zu Penthisileia erst bemerkte, als er sie umgebracht hatte.

 Adonis bleibt nachdenklich: Wie bändigt man wildgewordene Leitstiere? 
Marpesia bietet eine Lösung an: Ellenes versuchen es mit Politike. Nomos soll Streit meiden.
“Politik” und “Gesetz” machen Adonis skeptisch: Welchen Heros bremst ein Nomos?
Bei “Held” und “Gesetz” lacht Marpesia gequält: Du hast recht. Krieg beginnt schon mit Worten. Die Ehe von Era und Zeus ist für die Ellenes mehr Krieg als ein Liebesverhältnis.
“Hera” und Zeus erinnern Adonis an ihre erste Begegnung: Wie Achilleus in Troia traf ich meine Amanzon in Ephesos. Sie eröffnete mir einen Reichtum, den Achilleus nie gesucht hätte.

 Marpesia bleibt die Luft weg: Du meinst, ihn ärgerte nur die entgangene Bettgefährtin, als er die Tote ansah? Trotz ihrer Eroes bewunderte ich die Ellenes um ihre Technites und Philosophes.
”Künstler” und “Philosophen” lassen Adonis laut denken: Sie schufen den Ellenes Götter nach ihrem Bild vom Menschen. Solche Götter können nur dem unglücklichen Achilleus ähneln. 
Er gießt Wasser auf Marpesias Mühle: Dann brauchst du Böcke und Stiere nicht zu fürchten. Ein Leitbulle, so zudringlich er auch sein mag, wird niemals wahllos schlachten.
Der “Held” läßt Adonis zugeben: Ich sehe ein, es gibt Schlimmeres als Bock und Leitbulle. Und bedenke ich, was mir hier alles begegnete, was erwartet mich dann noch auf meiner Reise?

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