Ihre Tochter kenntdie Namen der Bauleute für die einzelne Hölzer: Der Stamm, der unten liegt, wird Eromene genannt, und der, der auf ihm zu liegen kommt, Eromenos.
Adonis lacht: Da wird es für mich erst Liebe, wenn “Liebhaber” gleichzeitig “Geliebte” sind.
Der Vater kommt wieder zu Atem: Für uns geht es um jede neue Begegnung. Ein Balkenpaar zeigt erst mit seiner innigen Berührung, ob unsere Mühe aus ihnen ein Liebespaar gemacht hat.
Seine schwer atmende Frau stachelt die Neugier der Kinder an: Ich bitte Ma, unser neues Paar sich so eng zu verbinden, daß sie fast eins werden und sich nichts zwischen sie drängen kann.
Erst durch die Ankündigung wird Adonis auf einen Bock aufmerksam. Er erinnert ihn an den Hebebaum seines Schiffes. Die Kinder bejubeln ein Pferd, das vor ein Seil gespannt wird, das über den Bock führt. Der Jubel wird lauter, als sich das Pferd in Bewegung setzt. Es hebt das von den Baukönigen geglättete Holz. Die Bauarbeiter schwenken es mit dem Bock über seinen künftigen Partner. Die Mutter der kleine Baumeisterin bittet Ma, das Werk zu segnen. Als der Pferdeführer sein Tier rückwärtsführt, findet unter tosendem Beifall die “Hochzeit” statt. Die Priesterin prüft die “Fügung” und dankt Ma: Ob eine Vereinigung gelingt, entscheiden nicht wir!
Marpesia fragt erstaunt: Geht es dir genauso? Mir flüstert sie oft zu oder richtet sogar Fehler.
Die Mutter der kleinen Baumeisterin: Ich hätte nie geglaubt, daß es dir wie mir ergehen könnte.
Ihre Tochter führt alle zum Haus gegenüber. Es ist ein fast fertiges: Hier wird das Dach gedeckt.
Marpesia erklärt den Kindern: Früher leiteten große Blätter den Regen ab. Wir ersetzten sie durch Schindalmes. Kommt, wir sehen uns an, was sie mit Schisma oder schiso zu tun haben.
Um “Spaltung” und “spalten” zu sehen, gehen sie um das Haus: Wir haben bei den Kolches gelernt, wie man aus dem vom Dendron abgeschlagenen Holz breite Späne spalten kann.
Einige ältere Männer sitzen vor einem Haufen vom letzten “Baum” abgeschlagener Hölzer. Der Vater erklärt: Sie sind sehr geduldig und äußerst geschickt. Sie können aus dem Holz Brettchen spalten, ohne eine Faser zu verletzen. Nur heile Fasern leiten den Regen nämlich schnell ab.
Seine Tochter setzt fort: Auch außenliegende Fasern der Dendres rühren wir möglichst nicht an. Werden Fenster und Türen hinein geschnitten, schützen Schindalmes die offenen Flächen.
Marpesia ergänzt: Daß es euch später nicht überrascht, unsere Verwandten in Esperos bauen mit Lehm, unsere Nachbarn schlagen für Mauern Steine aus Felsen oder brennen sie aus Ton.
Adonis kommt sein Haus vor Augen: Bei Ellenes und bei uns erinnert noch vieles an Holzbau.
Selbst die Ziegel auf den Dächern unserer Häuser ähneln den Schindalmes, die ihr gerade legt.
Der plötzlich merkliche Hunger hilft Marpesia, die Neugierigen zum Mittagessen zu bewegen. Sie entläßt die Trupp mit den Worten: Jetzt haben wir gesehen, wie Häuser gebaut werden. Heute nachmittag befassen wir uns mit dem Zweck der Bauten. Der bestimmt ja ihre Form.
Als sich wieder alle versammeln, sagt Marpesia: Adonis hat nach der Arbeitsteilung gefragt.
Peri und die kleine Baumeisterin: Sie hat den gleichen Grund wie Vieles, was bei uns geschieht.
Marpesia geht näher darauf ein: Die Frauen versorgten nicht nur ihre Familien. Wenn ihre Männer auf See waren, mußten sie auch noch deren Aufgaben übernehmen. Oft nicht nur dann!
Peri fällt ihre Mutter ein: Schon während der ersten Reise wählten die Frauen eine Königin.
Die kleine Baumeisterin: Die Männer folgten auf ihren Reisen einem Seekönig. Der mußte sich Zuhause auch der Königin beugen. Bald begannen die Männer, um uns Frauen zu werben.
Marpesia fügt hinzu: Wenn die Männer auf See waren und die Frauen auf die Felder mußten, konnten im Langhaus einige Wenige die Kinder im Auge behalten und die Alten versorgen.
Peri baut sich keck vor Adonis auf: Ein Problem blieb, Frauen brauchen für Kinder einen Mann.
Marpesia lacht: Der Überfall hatte uns die Männern genommen. Die Gefangennahme und das Verhalten der Männer auf den Bergen des Himmels ließ den Schrecken lange anhalten. Sowie es möglich war, versammelte Lysippe ihr Volk und sagte: Ich weiß, wie sehr euch Partner fehlen. Unsere Männer haben inzwischen das Unwiederbringliche bemerkt und sind abgereist. Wer weiß, was Ihnen von uns bleibt. Doch sie sind frei und leben auf ihren Schiffen. Sie werden sicher neue Partnern finden. – Sie machte eine Pause, um die rechten Worte zu finden – In Land der Berge des Himmels erhalten die Frauen das Leben und ihre Männer lassen sich bedienen. Merkt ihr, wie anders wir sind und was mit uns verloren ginge. Oder möchtet ihr mit ihnen tauschen? Als sie uns besiegten, waren wir für sie Ware. Doch wir sind noch zusammen.
Die Art des Volkes der Berge des Himmels hielt die Mädchen von dessen Männern zurück. Als wir gehen durften, schlossen sich uns trotzdem einige Jungen an. Das änderte sich in Ferghana.
Peri erinnert sich: Dort sagte Lysippe: Wenn Ma in euch ihr Liebesglöckchen läuten läßt, tut, zu was es euch treibt. Nur laßt keine andere Frau erdulden, die ihr bis jetzt erleiden mußtet. Wollt ihr nach der Befriedigung eures Verlangens nicht voneinander lassen, gebt dafür nicht die Freiheit unseres Volkes auf. Will ein Mann euch halten, kann er sich ja anschließen. Doch auf Dauer kann Ferghana nicht unser Ziel sein. Den Zuwachs durch uns verkraftet das Tal nicht.
Adonis Sprachlehrer melden sich: Wie ihr an uns seht, wir trennten uns in aller Freundschaft. Aber Ferghana können wir uns aufheben, denn davon erzählt Marpesia heute Abend.
Adonis fühlt sich bestätigt: Das ist das Gegenteil von dem, was Ellenes von euch behaupten.
Marpesia lacht: Die Ellenes sehen immer nur den Ethos. Da ist es egal, was junge Frauen hoffen.
Die “Moral” gibt der kleinen Baumeisterin ein: Unsere Situation verlangt, was bei allen Anderen verpönt ist. Die Frau wählt sich einen Mann. Auch diese Geschichte erzählt das Langhaus.
Marpesia setzt sich in Bewegung: Dann laßt uns das ansehen! Gehen wir zum Kinderhaus.
