Melanippe lächelt: Es heilte gut. Wenn nun Ähnliches geschieht, benutzen wir auch Nadeln.
Marpesia erklärt: Auf den Kykles fließt Bia katholikos. Für den Iatros aus dem Anatolia der Ferghaniais erhält sie das Leben. An bestimmten Punkten des Soma kann man sie beeinflussen.
Die “Leute aus dem Osten” irritieren die Kinder mehr als die “Kraft” aus dem “Universum” auf “Bahnen des Körpers”: Für uns sind Anatoliai Leute, die von Kolchos aus gegen Eos leben.
Die “Ostländer” und der “Osten” lassen Marpesia lachen: Genauso geht es den Ferghaniais. Für sie sind Sineses ebenfalls Anatoliai, für Adonis extra in ellenikos übersetzt.
“Griechisch” läßt Adonis lachen: Wir sind es gewohnt eine fremde Sprache zu sprechen. Und doch übersehen wir, weshalb das Nachbarland der Kolches Anatolia genannt wird.
Melanippe lacht mit: Manche der Organes müssen dir noch weniger gewohnt erscheinen.

 Peri setzt ganz stolz fort: Melanippe hat in Aigyptos bemerkt, daß die Organes untereinander sogar verbunden sind. Doch mit diesen Kykles haben ihre Leitungen nichts zu tun.
Melanippe geht darauf ein: Mich haben sie aber mit meinen Leitungen sicherer gemacht.
Wieder können alle Kinder beweisen, wie gut sie aufgepaßt haben: Du meinst aber weder die Dynamis katholikos noch die Leitungen für Blut, Luft, Essen, Trinken, Kot oder Pipi.
Die “universelle Kraft” macht Adonis zu schaffen: Was ist Dynamis katholikos?
Verständnisvoll blickt Marpesia ihn an: Man stellt sich eine Kraft vor zwischen Himmel und Erde, Mann und Frau, heiß und kalt, groß und klein, Gut und Böse, Wasser und Feuer.
Melanippe ergänzt die Gegensätze: Für Marpesias Freund aus Sina versorgt sie alle Organes.

 Die “Organe” flüstern Peri ein: Haltet Hadarqa und du nicht die Organes und das Hirn für alle Lebensvorgänge für verantwortlich? Ihr sucht doch die Ursachen dafür im Menschen selbst.
Melanippe wird noch nachdenklicher: Ja, doch das, was man im Menschen findet, gilt auch für alle Tiere. Sie sind nicht geringer, nur weil der Mensch von ihnen lebt oder sie achtlos zertritt.
Peri nickt so heftig wie nie zuvor: Um uns zu ernähren, nehmen wir auch Pflanzen das Leben.
Adonis sieht sie erstaunt an: Meinst du, unsere Ohren sind nur nicht empfindsam genug, ihr Klagen über ihr Ende zu hören? Das leuchtet mir ein, doch wie bist du darauf gekommen?
Jetzt fühlt sich Marpesia angesprochen: Das sagte schon Lysippe. Sie mahnte auch die Iatres, nicht zu stolz zu sein. Was man für das Tun des Iatros hält, ist in Wahrheit ein Werk der Natur.

 Adonis wiegt den Kopf: Bei uns sagt man, Ma sei doppelgesichtig, gleichzeitig Leben und Tod.
Nachdenklich antwortet Marpesia: In Espera stellt man den Tod lieber gegen das Leben.
Der “Westen” läßt Adonis überlegen: Das Leben des Einen ist immer der Tod von Anderen. Jetzt verstehe ich Lysippe! Solange Leben da ist, heilt es. Heilung muß Selbstheilung sein.
Marpesia wird ganz konkret: Das zeigt der Bruch. Wir schienen ihn, doch er heilt von selbst.
Gedankenverloren nickt Melanippe: Ein Heiler muß erkennen, wo und wie ein Heilvorgang ausgelöst werden kann und was ihn unterstützt oder was in hindern könnte.

 Das ist für Adonis neu: Und ihr meint, Lysippe kannte bereits sogar die Anasthesia?
Zur “Betäubung” nickt Melanippe: Ja, doch hätte Marpesias Tun den Heiler aus dem fernen Osten nicht überzeugt, wir hätten Lysippes Hinweise nie so unumstößlich deuten können.
Das erinnert Marpesia noch einmal an ihre Gespräche: Ich erzählte dem Mann aus Sina, in unseren Sagen würden pflanzliche Mitteln narkoun. Er nannte ein Wort, das Lysippe benutzte.
“Betäuben” rüttelt Adonis auf: Spürst du manchmal, daß dir der Tod über die Schulter schaut?
Melanippe überlegt laut: Ma sieht mir zu. Wenn ich in einen Soma eingreifen muß, spornt mich manchmal ein Blick von ihr an. Dann überwinde ich meine Furcht und sie schenkt Leben.
Adonis versucht sich einzufühlen: Das kann ich alles noch nachvollziehen. Bei einem Unfall kämpft ihr gegen ein Übel, dessen Ursache ihr auf die Spur zu kommen versucht.

 Das alte Einverständnis überkommt Mapesia: Kapitäne sind ja auch so etwas wie Heiler. Um euer Leben zu erhalten, habt ihr gegen Kräfte anzukämpfen, deren Ursache ihr nicht kennt.
Adonis gibt ihre Augen zögernd frei: Was für uns ein Orkan ist, ist für euch die Pest.
Das Stichwort nimmt Melanippe auf: Bis vor Kurzem sprach man von nichts Anderem.
Und Marpesia fügt hinzu: Für den Iatros aus Sina war die Pest ein Beweis für die Dynamis katholikos. Ich hatte den Eindruck, er fühlte sich der Pest so hilflos ausgeliefert wie wir.
Adonis fühlt sich bestätigt: Menschenleere Häfen zeigten, die Pest nötigt Ma viele Leben ab!
Melanippe wiegt den Kopf: Ma läßt sich nichts abnötigen. Wir müssen die Erreger suchen!

 Adonis erzählt ein Reiseerlebnis: Das ist nötig! Die Pest verdammt zur Totenstille. Wir legten in einem Hafen an. Doch man ließ uns nicht an Land. Die Fremden waren Schuld an der Pest.
Melanippe wiegt den Kopf: Man hört oft Schuldzuweisungen. Weil die nicht helfen, schreibt Ippokrates Bücher über die Entstehung einer Epidemeia und was sie verhindern könnte.
“Hippokrates Epidemie” ist auch ein Thema für Marpesia: Ich kam von Ippokrates, als du mich mitnahmst. Er sucht nach Lösungen. Er ergibt sich der Epidemeia nicht einfach. 
Adonis staunt über die Verbreitung der Pest: Alle Völker schienen mir bis vor Kurzem mit nichts anderem als der Pest beschäftigt. Weiß Ippokrates von deiner Erfahrung in Ferghana?
Marpesia nickt: Von der Ausdehnung hatte Melanippe ihm berichtet. Ich sollte nur hören, ob er inzwischen Erkenntnisse gewonnen hatte, die grassierende Epidemeia eindämmen zu können.

 Melanippe ergänzt: Ippokrates stimmte meiner Meinung zu, daß kein Theos die Pest als Strafe gesandt hatte. Im Blick auf die Pest fand er den Gedanken von der Bia katholikos interessant.
Der “Gott” läßt Marpesia wieder laut denken: Wenn eine Krankheit nicht offensichtlich durch einen Unfall oder durch einen Theos ausgelöst wird, dann muß sie etwas anderes erregen.
Adonis erinnert sich gut: Bei uns galt die Regel, solange wir nicht wissen, was die Krankheit auslöst, sollten wir uns von Kranken und ihren Ausscheidungen fernhalten.
Marpesia nickt: Aber wir Iatres kamen notgedrungen mit ihnen in Berührung. Wir schützten uns mit Masken. Sie verschwand, wie sie kam. Und wir müssen weiter suchen, was sie verursachte. 
Melanippe: Hadarqa und ich sind skeptikos. Was überträgt Pest von einem auf einen anderen?
Trotz “skeptischer” Tochter ist Marpesia zufrieden: Gegen das Übertragen räuchern wir Räume aus, bis wir mehr wissen. Meine Frage habt ihr beantwortet. Unsere Heilkunst beruht auf der genauen Untersuchung des Soma, um seine Funktion und ihre Verletzlichkeit kennenzulernen.

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