Beim Frühstück sagt Adonis zu Marpesia: Gestern habe ich zwei entgegengesetzte Höhepunkte erlebt.
Marpesia strahlt ihn an: Einen kann ich mir vorstellen. Das war das Treffen mit Hanno.
Melanippe blickt betroffen auf: Mit was haben wir dich verstört?
Adonis beeilt sich, den Eindruck richtig zu stellen: Ganz im Gegenteil! Wie fast immer, habt ihr mich bereichert. Nur das Bild von den Berserker werde ich – trotz vieler Mühen – nicht los.
Auf dem Weg zu den Pferden meint Marpesia: Wenn unsere Pferde versorgt sind, werden wir mit den Kindern über das Heilen und seine Umkehr sprechen. Vielleicht erleichtert dich das.
Adonis nickt: Solange kann ich warten. Ich bin gespannt was sich hinter der Umkehr verbirgt.
Von den Pferden gehen die Vier in den Hof des Han. Bei seinem Besuch bei den Spiegeln auf dem Dach hatte Adonis im Innenhof Bilder bemerkt. Vor ihnen bleiben sie stehen, so daß er den Zierrat bewußt betrachten kann. Er erkennt in der Darstellung Menschen, deren Körper Linien überziehen. Auf den Linien sind Punkte aufgereiht. In der Zwischenzeit haben sich alle versammelt, sodaß Melanippe beginnen kann: Woher stammt unser Wissen über Heilkunst?
Gleich sprudelt es aus vielen Kindermündern: Von Lysippe und von euren Untersuchungen.
Über den Eindruck lächelt Marpesia: Ja, mit Lysippe fing vieles an. Seit sie uns die Künste unserer Vorfahren weitergab, ist sehr viel Zeit vergangen. Was wissen wir noch genau?
Kinder sind schlagfertig: Warum fragst du? Du sorgst doch dafür, daß wir nichts vergessen.
Melanippe nickt und sieht ihre Mutter an: Sie erinnert euch nicht nur. Sie bringt Hadarqa und mich auch immer wieder auf neue Ideen. Und das versucht sie gerade mit euch!
Peri sieht stolz auf ihre Großmutter: Als wir fliehen mußten, ging sicher auch Wissen verloren.
Die Kinder jubeln los: Siehst du, dank Marpesia werden wir nichts mehr vergessen.
Sie reizen Marpesia kurz zum lachen. Sie antworter wieder ernst: Meine letzte Reise nach Ferghana war für mich, wie eine meiner Geschichten für euch. Sie hat mich sehr aufgerüttelt.
Melanippe legt eine Hand auf Marpesias Unterarm: Dir begegneten in Ferghana Xenes.
Peri streichelt ihre Großmutter liebevoll: Die Xenes erinnerten dich an alte Beschreibungen.
Die “Fremden” bringen die Kindern in Schwung: Peri hat vorhin erzählt, du hättest zuerst geglaubt, die Banden, die uns in unserer alten Heimat überfallen haben, stehen vor dir.
Marpesia versucht ihre Zuhörer zu beruhigen: Das stimmt. Es hieß, die Xenes seien ein Reitervolk aus Sina. Beim Überfall wären Pferde aufgefallen. Dies mußte ein anderes Volk sein.
Bei “China” kann Peri sich nicht bremsen: Die Pferdekenntnis der Sineses hielt Marpesia in Atem. Kein Wunder! Hier im Westen wissen Fremde über Pferde meist nicht sehr viel.
Das Wort “Chinesen” bedrückt Marpesia etwas: Wir gehen mit unseren Pferden rücksichtsvoller um. Wie die Xenes die Tiere behandelten, erinnerte mich unwillkürlich an Erakles’ Verhalten.
Adonis hofft, eines seiner Probleme zu lösen: Woher weißt du, was sie sprachen?
Marpesia kann ihn nur enttäuschen: Es war das erste Mal, daß mir Leute aus Sina begegneten. Ihre Sprache hatte ich noch nie gehört. Ihr Heiler beherrschte allerdings die Sprache Ferghanas.
Melanippe vermutet: Die, die die Pferde auswählten, nicht. Das waren Bauern oder Soldaten.
In Erinnerung lächelt Marpesia: Die interessierten nur Pferde. Das Verhandeln überließen sie dem Heiler. An ihm bemerkte ich, daß mich Vorurteile beschlichen hatten. Wie oft schimpfe ich über ein Volk. Eigentlich meine ich immer nur bestimmte Bösartige. Die kommen überall vor.
Melanippe geht auf Marpesias Selbsterkenntnis ein: Man behauptet leicht etwas voreilig und stützt sich auf Vorurteile. Die sind manchmal so unglaublich wie die, die man über uns hört.
Voller Erinnerungen nickt Marpesia: Du hast Recht. Ferghana war sehr lehrreich. Beim Proberitt warf ein eigensinniges Pferd einen der Pferdekäufer ab. Er brach sich beim Sturz einen Arm.
Sofort rufen die Kinder: Du hast natürlich direkt begonnen, seine Knochen zu richten.
Peri hatte sich eingeprägt: Die Sineses forderten ihren Iatros ärgerlich auf, Marpesia abzulösen. Doch der war empört. Er fand einen Wechsel beim Schienen zu risikoreich und schmerzhaft.
Der “Heiler” läßt Marpesia im Geist alles noch einmal erleben: Der fremde Iatros überraschte auch mich, als ich ihn bat, dem Verletzten einen schmerzlindernden Tee einzuflößen.
Melanippe zeigt auf einige Punkte an sich: Dein neuer Etairos piekte einigen Nadeln in den Patienten. Dann drückte er auf diese Stelle und der Leidende verlor sofort sein Bewußtsein.
Der “Gefährte” läßt Marpesia laut denken: Ich wurde unwillig, kam aber schnell zur Besinnung.
Die Kinder jubeln begeistert los: Weil er nichts mehr spürte, konntet ihr ihn in Ruhe behandeln.
Marpesia fühlt sich zu dem Moment zurückversetzt: Ja, Cheirurgia konnte nun schmerzfrei sein. Den Patient quälte nichts mehr und uns hetzten seine Schmerzen nicht mehr unnötig.
Die “Chirurgie” läßt Peri ergänzen: Nach der Behandlung zog der Xenes die Nadeln wieder.
In Erinnerung lächelt Marpesia: Wir warteten gemeinsam auf das Erwachen des Behandelten.
Melanippe fällt ein: Dein Etairos sah beruhigt, daß euer Patient zu sich kam. Er begann dir zu erzählen, daß er lernte von außen auf Probleme des Soma und seiner Organes einzuwirken.
“Körper” und “Organe” geben Peri ein: Hieltest du das nicht für ein unerreichbares Idea?
Über das “Ideal” freut sich Melanippe: Ja! Doch nun uns hilft seine Technike bei Eingriffen. Peri muß nur “Technik” hören: Marpesias Bericht regte Melanippe zu einer neue Idee an.
Nun wendet Marpesia sich der Tafel zu: Und manche bisher unverständliche Lehre Lysippes bekam einen Sinn. Hatte sie nicht von Punkten gesprochen, die gegen Schmerzen taub machen?
Als Marpesia einem kleinen Jungen einen Stock reicht, wird es sofort ganz still: Ich nenne dir Linien, die mir der Iatros aus Sina nannte. Kannst du sie uns zeigen?
Bei “China” nickt der Kleine und Marpesia beginnt: Die Kykles von Lunge, Herz und Magen.
Der Junge fährt auf jedem “Meridian” entlang und die anderen bezeichnen im Chor, wozu die Linie gehört, die er gerade zeigt: Leber, Niere, Milz, Galle, Blase, Dick- und Dünndarm.
Mancher Name sagt Adonis nichts. Schließlich wandert der Kleine zu den Nachbarbildern. Im Anschluß beweist Peri, wie gut sie gelernt hat: Und jetzt Punkte, die das Bewußtsein nehmen. Sie sorgten dafür, daß der verletzte Sinesos heute sogar wieder wilde Pferde zähmen kann.
