Beim Frühstück sagt Adonis: Es ist wirklich viel lebendiger über die Geschichte eines Volkes zu hören, als davon zu lesen.
Marpesia ahnt eine neue Entwicklung: Das ist einer unserer Grundsätze. Doch darüber müssen wir ein andermal sprechen. Sieh mal, da kommen besondere Freunde von dir.
Die jungen Kriegerinnen, die Adonis eingeladen hatten, mit ihnen Schießen und Fallen zu üben, treten zu ihnen. An diesem Morgen bringen sie noch eine dritte junge Frau mit. Melanippe reagiert spontan: Wir grüßen euch. Wie ich sehe, unsere Meisterin der Doppelaxt ist heute dabei. Beginnen die Stockübungen?
Die Angesprochene grüßt respektvoll und wendet sich an Adonis: Nach meiner Kenntnis kämpft ihr mit den gleichen Waffen, wie die Ellenes. Deshalb möchte auch ich dich gern einladen.
Adonis grüßt respektvoll zurück: Ich komme gerne. Ich bin gespannt, was mich erwartet.
Die junge Frau nickt erfreut: Die großen Eroes, von denen man in der Ilias liest, hatten nur eins im Kopf, Wunden schlagen, möglichst töten. Sie forderten uns oft heraus, nicht wahr Marpesia?
Marpesia nickt der Meistein der Doppelaxt zu: Ihre Angriffe zwangen uns, uns mit unseren gewohnten Waffen auf sie einzustellen. Durch geänderte Taktik bewährte sich die Doppelaxt.
Melanippe empfiehlt Adonis: Niemand kann dir besser zeigen, wie man mit einer Axt umgeht. Laßt euch nicht länger aufhalten.
Marpesia und Melanippe hören Adonis noch sagen: Äxte als Waffen kenne ich von den Peirates. Sie benutzen sie um die Takelage zu kappen. Doch was ist Stockkampf?
“Piraten” kennt die Axtmeisterin nur aus den Geschichten Marpesias: Sie richten sie sicher auch gegen Menschen. Der Stockkampf ist in der heutigen Welt in Vergessenheit geraten.
Adonis winkt Marpesia und Melanippe noch einmal zu und fragt die Meisterin der Doppelaxt: Ist es nicht ein großer Unterschied, mit einem Stock oder einer Axt zuzuschlagen?
Die Axtmeisterin ist in ihrem Element: Das hast du genau erkannt. Das Gewicht der metallenen Schneide verleiht der Axt eine Wucht, die ein Stock natürlich nur als Keule hat.
Adonis kennt die Keule nur aus Sagen: Die Keule war doch die Lieblingswaffe des Erakles.
Das reizt die Fallmeisterin zur Erklärung: Ich glaube, ein Knüppel war die erste Waffe, zu der ein Mensch in Gefahr griff. Erakles fühlte sich so stark, daß ihm diese veraltete Waffe genügte.
“Herakles” Umgang mit der Keule scheint der Axtmeisterin gewöhnlich: Jedes Volk hat wohl schon früh erkannt, was man mit Knüppeln ausrichten kann, die an einem Ende dicker sind.
Die Fallmeisterin ist von der Kunst ihrer Freundin begeistert: Du mußt mal sehen, was sie mit einem schlichten Stock anrichten kann. Man ahnt, was ihr mit der Doppelaxt möglich ist.
Die Axtmeisterin bescheiden: Die Kleinen lernen bei uns mit Stöcken den Umgang mit Schwert und Doppelaxt. Für Beide braucht man Kraft, über die die Kleinen noch nicht verfügen.
Adonis denkt sich hinein: Ich kann mir vorstellen, daß die Bewegungen sich sehr ähnlich sind.
Die Axtmeisterin nickt begeistert: Ein Schlag mit dem Stock ähnelt der Bewegung mit dem Schwert, eine Keule dem mit einer Doppelaxt. Die Doppelaxt wird von Reitern oft gebraucht.
Die Bogenmeisterin mischt sich ein: Du gehst mit dem Schwert sicher um wie mit den Bogen. Auf deinem Ritt könnte es sehr hilfreich sein, den Umgang mit der Doppelaxt gelernt zu haben.
Adonis sinniert: Bei einem direkten Frontalangriff hat ein Schwert eine große Wirkung.
Die Axtmeisterin greift die Überlegung auf: Du hast einen Unterschied angesprochen. Mit der Doppelaxt überrascht man angreifende Gegner besonders gut von der Seite.
Nun stößt auch die Reitmeisterin zu ihnen: Unsere Gegnern mißdeuten die nötigen Wendungen oft als Feigheit. Sind wir aber gut geübt, bedauern sie schnell diese Einschätzung.
Die Bogenmeisterin teilt die Kinder ein und sagt: Zuerst üben wir den Umgang mit dem Stock auf dem Pferd. Das macht euch doch besonders Spaß.
Die Axtmeisterin teilt an alle Keulen aus: Dort hinten auf den Pfosten liegen Sandsäcke. Die müßt ihr im Vorüberreiten treffen, möglichst sogar von ihrem Platz holen.
Nach einigen Durchläufen dürfen die Pferde grasen. Die Fallmeisterin tauscht die Hälfte der Keulen gegen Stöcke aus und erklärt: Jetzt üben wir die Begegnung des Schwerts mit der Doppelaxt. Das Schwert bewegt man selten, wie die Doppelaxt. Ihr sollt beides kennen.
Die Meisterinnen stellen ihre Gruppen auf: Wie ihr wißt, beginnen wir mit Stock und Keule. Damit übt ihr die unterschiedlichen Bewegungen. Und vergeßt nicht, beide sind gefährlich!
Meisterin der Doppelaxt wendet sich erst an Adonis: Weil du von Natur aus stärker bist als die Kinder, wirst du gegen mich antreten müssen.
Dann an die Kinder: Nach der ersten Runde, zeigen euch Adonis und ich ein reales Bild. Los!
Adonis staunt. Die Kleinen wirken mit ihren Stöckern und Keulchen wie große Krieger.
Als er dann von der Meisterin aufgefordert wird, fordert die die Kinder auf: Zum ersten Mal tritt ein fremder Mann gegen mich an, achtet auf uns beide. Er kann seine unbekannte Taktik haben.
Während der Stock Adonis’ Hand an das gewohnte Schwert erinnert, muß sie sich die Keule erst gewöhnen. Doch die Anweisungen lassen ihn bisher ungeahnte Wirkung in ihnen erkennen.
Als die Kinder ihre Pferde wieder in den Ställen haben und Peri in den Han eilt, warten auf Adonis schon Melanippe und Marpesia: Heute habe ich gelernt, daß bei euch sogar Werkzeuge und Waffen den Frauen angemessen sind, um sie der größeren Kraft der Männern anzugleichen.
Marpesia lacht: Du wirst es nicht glauben, in den Bergen des Himmels sah man unsere Messer für gefährlicher an, als die Doppelaxt. Doch du solltest mit ihr üben.
Adonis bekämpft gerade einen Tiefpunkt: Ich nehme an, mir werden Doppeläxte noch oft begegnen. Habe ich mir vielleicht doch zu viel vorgenommen?
Marpesia fragt mitfühlend: So kenne ich dich nicht. Fordert dich der Stockkampf so heraus?
Adonis sucht nach Worten für seine Empfindungen: Es klingt ganz einfach, doch eure Lehrerin zeigte mir, ich muß Kraft durch Taktik und Schnelligkeit ersetzen, um gegen sie zu bestehen.
Melanippe ist ganz zuversichtlich: Anfangs habe ich gezweifelt, jetzt traue ich dir den Erfolg zu.
Adonis gewinnt wieder Zutrauen: Jedes Mal, wenn ich Neues lerne, fühle ich mich beschenkt.
Marpesia möchte seinen Eindruck relativieren: Und du beschenkst uns mit deinem Verhalten und deinen Fragen. Alle schwärmen davon, daß du ihnen hilfst, ihre Yypotheses zu korrigieren.
Über die “Annahmen” lächelt Melanippe vergnügt: Längst hätten wir unsere Übungen auch aus der Sicht von Espera betrachten müssen. Die letzte Begegnung mit einem Feind ist lange her.
