Melanippe blickt lachend der Reitertruppe hinterher: Wir suchen auch eine Zukunft. Mit der Vorstellung der im Soma fließenden Energeia scheinen sich neue Wege zu öffnen.
Die “Energie” läßt Marpesia ergänzen: Die Adern zwischen Herz und Magen können nur dazu dienen, den Magen zu versorgen oder von ihm etwas Kraftbringendes für den Soma zu holen.
Der “Körper” läßt Melanippe nicken: Wir versuchen Magen und Darm wie ein Handwerker zu betrachten. Welches Organon würde er benutzen, um aus Speisen Energeia zu gewinnen.
Die “Wirkung” gibt Adonis ein: Organes helfen Handwerkern auf jeweils eigene Art, etwas zu bewerkstelligen, was ohne sie nicht möglich wäre. So bearbeiten unsere Organes was wir essen?
Marpesia kann sein Staunen verstehen: Aber welch einmaligen Zweck erfüllt welches Organon?

 Die Frage hilft Adonis weiter: Ich erinnere mich wie der Darm zum Weiterverarbeiten gereinigt wird. Ist er so lang, weil er eine ausdauernde Aufgabe erfüllen muß?
Dieser Schluß läßt Melanippe ihn erstaunt anblicken: Für uns könnte er das Organon sein, mit dem wir Energeia gewinnen. Wir hoffen etwas daraus zu lernen, wie sich sein Inhalt verändert.
Marpesia nimmt den Faden auf: Um Dick- und Dünndarm zu nutzen, werden sie vor dem Reinigen getrennt. Wenn man sie vorsichtig leert, läßt sich ihr Inhalt eindeutig zuordnen.
Melanippe wird konkret: Wir haben ihren verwandelten Inhalt angesehen. Wir müssen die Verbindungen unter den Organes verstehen, um zu erkennen, wie sie was machen.

 Beim Versuch ihnen zu folgen, erinnert Adonis sich: Das müßte sich doch in Aussehen und Konsistenz unserer Organes widerspiegeln. Jedes Organon eines Handwerker sieht anders aus.
Marpesia fühlt sich an Gespräche mit einem gewissen Kapitän erinnert: Ja, wie die Zeichen zum Navigieren sehen auch unsere Organes unterschiedlich aus und fühlen sich auch so an.
Melanippe staunt, wie sehr Adonis sich in ihr Geschäft einfühlen kann: Schon beim ersten Schwein war uns aufgefallen, daß Herz und Magen sich anfühlen wie angespannte Muskeln.
Unbewußt ballt Adonis eine Faust: Dann bewegen sie ihren Inhalt? Wenn ich daran denke, wie sehr sich die Speise beim Ausscheiden verändert hat, ahne ich, warum der Darm so lang ist.
Marpesia lacht: Über das Verdauen hat der Kleine gestern auch gestaunt – zum Freude aller.

 Auch Adonis lacht: Du siehst, ich bin in allem ein Spätzünder. Ich versuche es noch einmal. In meiner Erinnerung, fühlen sich Leber und Niere fest aber doch weicher als Herz und Magen an.
Während Melanippe ihre Mutter auf das Ende der Übung aufmerksam macht, sagt die: Und sie sind nicht so kinetos wie Darm und Blase oder die Adern, die zu allen Organes führen.
Wie Marpesia ihre Enkelin auf sich zu reiten sieht, läßt “beweglich” sie unerwartet beitragen: Die feste Luftröhre reitet auf der Lunge. Durch sie holen wir die lebensnotwendige Luft.
Marpesias Bild inspiriert Adonis: Für den Westen liegt das Geheimnis des Lebens in der Leber.
Melanippe greift lachend in den Zügel von Peris Pferd: Die Leber birgt ein großes Geheimnis. Sie verbindet Herz und Galle und darüber den Darm. Ich glaube, über sie führt unser Weg.

 Während sich Peri vom Pferderücken schwingt, bemerkt Marpesia: Ihre Untersuchungen brachten Melanippe und Hadarqa nicht nur an diese Grenze. Für sie töten wir zu selten Tiere.
Peri umarmt ihre Mutter, die zu Adonis hinüberwirft: Und wenn, nur als Opfer für die Göttin des Lebens. Für häufigere Untersuchungen mußte wir einen Kompromis finden.
Marpesia sieht Tochter und Enkelin liebevoll zu: Hadarqa soll weiterhin die Opfer in Kyrene untersuchen, und Melanippe kam zurück. So kann sie zusätzlich Opfer in Themiskyra nutzen.
Während sich Mutter und Tochter lösen, findet Adonis: Es scheint, für euere Untersuchungen habt ihr das Wohlwollen eurer Ma. Ich bin gespannt, was ihr dem Leben noch abringen könnt.
Melanippe befreit sich: Was Ma mir und Marpesia eingibt, erzählen wir dir am Nachmittag.

 Nun beglückwünschen alle Drei Peri für ihre Demonstration. Miteinander plaudernd begleiten Marpesia und Melanippe, Peri und Adonis auf dem Weg zum Perdestall. Sie beeilen sich ihre Pferde trockenzureiben und zu versorgen. Peri ruft ihr “Spiel” bei der Heilkunst und Adonis der Nachrichtenmann auf dem Dach des Han. Er möchte die Mitteilung seines Bruders beantworten.

 Als ihr Magen plötzlich nach Arbeit ruft, fällt ihnen auf, wie schnell die Zeit verfliegt. Sie treffen sich vor dem Han. Auf dem Weg zum Essen spricht Peri Adonis auf seine Fortschritte beim Entspannen an. Er will ihr nach der Siesta seine neuen Fähigkeiten beweisen. Die Übung richtig zu fallen ist auch für ihn inzwischen Wiederholung. Sie dient jetzt dazu, sich fast traumwandlerisch fallen lassen zu können. Allerdings hinkt er dabei hinter den Kindern her. Doch die körperliche Erschöpfung nach den Übungen tut seiner seelischen Verfassung wohl. Als Marpesia und Melanippe ihn nach der Übung treffen, ist er mit Peri und seinen beiden Sprachlehrer-Freunden in einem intensiven Gespräch in der Sprache der Ferghaniais. Mutter und Tochter freuen sich, wie weit die Kinder ihren erwachsenen Schüler inzwischen gebracht haben.

 Marpesia begrüßt die Vier: Bei solch einer Hilfe brauchen wir uns keine Sorgen mehr zu machen, daß du dich auf deiner Reise nicht verständigen kannst.
Melanippe ist ebenfalls begeistert: Jetzt brauchen wir uns nur noch mit dem größten Problem zu befassen, das Fremde in der Fremde haben und das Fremde der Fremde bereiten.
Das ist Marpesias Thema: Nicht nur auf den Besucher drängt vieles Neue und Unverständliche ein. Erschreckend bricht er mit sich und seinen Voraussetzungen in die Welt der Besuchten ein.
Adonis kann ihnen aus seiner Erfahrung von seinen Reisen nur beipflichten: Neues schürt Furcht. Ungewohntes ängstigt. Nicht immer zu Unrecht. Und alle haben eigene Tabus.
Als die Kinder sich verdrücken wollen, sagt Melanippe: Wir wollen euch nicht vertreiben. Daß der Han Peri ruft, wissen wir. Und ihr habt sicher auch eure Lieblingsspiele.

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