Marpesia wartet am Morgen schon auf Adonis und entschuldigt sich, als sie sich begrüßen: Gestern haben wir dich sehr strapaziert. Du warst unter ganz kleinen Kindern.
Adonis blickt erstaunt auf: Ich habe gestern viel gelernt. Unter anderem, je früher Kinder Gefahren begegnen, umso selbstverständlicher lernen sie, auf Ungewohntes zu reagieren.
Marpesia sieht erleichtert aus: Vielen Dank für dein Verständnis. Leider wirst du heute Morgen weniger mitmachen können. Manches kann man nur ganz jung erlernen.
Während Melanippe sich umwendet und winkt, fügt sie hinzu: Man braucht schon fast ein ganzes Leben, um die Übungen von heute zu beherrschen. Doch du bist ja für Experimente. Hier kommt der Lehrer für heute Morgen!
Ein Junge tritt er zu ihnen: Ich grüße dich Adonis, ich zeige heute, wie man Angreifer verwirrt.
Marpesia ergänzt vorsichtshalber: Er tut es so, daß du verstehst, weshalb wir üben, uns fallen zulassen. Das ist ja eine deiner Lieblingsübungen.
Adonis kombiniert seine bisherigen Erfahrungen: Du hast Recht. Mir fällt das Fallen noch immer schwer. Aber ich wollte ja unbedingt sehen, wie man Tücher, wie deines, machen kann.
Melanippe lacht über seinen Gedanken: Für deine Reise gehst du mindestens so viel Risiko ein, wie ich in Aigyptos. Was ihr gleich übt, stammt aus fast der gleichen Gegend wie das Tuch.
Schon im Umwenden fügt der junge Mann hinzu: Man hat mir erzählt, du wärest sehr gelenkig.
Adonis erhebt sich sehr neugierig: Das ist sehr übertrieben. Schließlich macht ihr aus allem, was bei uns eine negative Bedeutung hat, eine positive. Warten wir ab, wie weit alte Leute kommen. Melanippe lacht vor Vergnügen: Du hast heute ein gutes Vorbild.
Marpesia ahnt, was Adonis berührt: Ihr versucht, nicht zu fallen. Und wir lehren, zu fallen.
Adonis nickt: Niemand kann verhindern, zu fallen, doch man kann auch wie eine Katze landen.
Melanippe klingt zuversichtlich: Deshalb solltest du die Kunst, die dir gleich gezeigt wird, kennenlernen. Wir holen dich später ab.
Adonis fragt neugierig: Soll ich hören, welche Überlegungen euer Aigyptos-Abenteuer auslöste?
Über das angedeutete Lob bekommt der Trainer einen roten Kopf. Schnell ruft er eine Schar zusammen: Wir wärmen uns beim Lauf zum Gymnasion auf. Das ist heute besonders wichtig!
Wie von Adonis ebenfalls erwartet, folgen auf den Spielfeld die obligatorischen Atemübungen, bei denen der Junge allen zuruft: Ihr werdet schon früh genug atemlos! Wir wollen alles daransetzen, einen Gegner zu verwirren. Möglichst unerwartete Aktionen sollen sie verblüffen.
Eins der bereits zappeligen Kinder: Ein Feind, dem wir zu nahe kommen, erwartet, daß wir die Waffe erheben. Und dann ihm fliegt überraschend von der Seite her ein Fuß entgegen!
Der Übungsleiter ist zufrieden: Der heranfliegende Schatten verwirrt die meisten Angreifer. Instinktiv weichen sie zurück und geben uns Gelegenheit, sie los zu werden.
Einige beginnen paarweise mit einer für Adonis atemberaubenden Fuß- und Beinakrobatik. Vor Staunen entfährt ihm: So blitzschnell und so hoch werde ich meine Beine nie bewegen können.
Adonis versteht jetzt Marpesias Andeutungen. Es kommt ihm vor, als schlüge jeweils einer aus einem Paar ein Rad. Im Handstand schnellt ein Fuß in der Luft auf den stehenden Partner zu. Aber auch aus dem Stand, wie ein Hieb beim Boxen. Der Phönizier versteht, daß solch eine Empfindung jeden sich vorsichtshalber in Sicherheit bringt läßt. Aber er wäre nicht Adonis, wenn er nicht doch immer wieder versuchte, die kleinen Meister um sich herum nachzumachen. Einer der unglaublich Gewandten sieht sich herausgefordert, dem Älteren zumindest ansatzweise den Bewegungsablauf nahe zubringen.
Er ermuntert Adonis jedes Mal erneut auf, wenn er wieder zu Atem gekommen ist. Sein Schüler hat es bald heraus, dem Schlag auszuweichen, ohne seine Deckung allzusehr zu öffnen. Beim Radschlagen begreift er schnell, weshalb auch die Übungen der entgegenfliegenden Füße mit Atemübungen beginnen. Als er gerade wieder einmal nach Atem ringt, legt der Trainer einen kleinen Sandsack auf einem Pfosten. Er will demonstrieren, welche Energie hinter jedem der geübten Tritte steckt. Als der Fuß den Beutel trifft, fliegt er in weitem Bogen über das Spielfeld. Lauter Jubel braust auf.
Weil der Trainer bemerkt, daß Adonis glaubt, kaum noch Atem und Kraft übrig zu haben, kommt er zu ihm und sagt: Bisher bist du davon ausgegangen, dein Gegner weicht zurück.
Adonis’ eifriger junger Partner fügt hinzu: Doch wenn jetzt ein Berserker käme, wärst du verloren. Einen Stärkeren kannst du nur über sein eigenes Vorwärtsstürmen fallen lassen.
Noch einmal lernt Adonis eine völlig neue Varianten, die Füße als Waffen zu benutzen.
Sein unermüdlicher Freund: So wie du lernst, mit dem Fuß zuzustoßen und einem Angriff auszuweichen, mußt du in Pygme geübt sein.
Adonis gesteht gerade, daß ihm der “Faustkampf” nicht fremd aber unsympathisch ist, als Marpesia und Melanippe kommen. Sie gehen mit dem schwer Atmenden am Rand auf und ab, so kann Adonis den Übungen weiter folgen und seinen beiden Freundinnen vom Ägypten-Abenteuer sprechen hören. Melanippe setzt ein, als hätte kein ganzer Tag zwischen den Erzählungen gelegen. Plötzlich steht sein junger Übungspartner wieder vor Adonis: Machst du die letzte Übung der fliegenden Füße für heute noch Mal mit mir zusammen.
Königin und Königinmutter freuen sich über die Akzeptanz ihres Schützlings. Noch einmal schnellen Beine und zucken Füße, bis der Übungsleiter das Ende der Übungen verkündet.
