Das Atmen scheint zu wirken. Adonis bemerkt das weitere Personen auftauchen. Auch den Kindern fallen sie auf. Sie versuchen, ihren “Erwachsenen” zu überrumpeln. Die junge Kriegerin bremst sie heute: Könnt ihr etwas warten? Hier ist ein Erwachsener, der ist kräftiger als ihr und ich. Jetzt können wir sehen, ob meine Behauptungen zutreffen. Adonis, bitte greife mich an. Vergiß, daß ich eine Frau bin. Versuche mit mir ringen.
Adonis nähert sich etwas zu unentschieden. Ehe er es versteht, verliert er den Boden unter den Füßen und liegt nach Luft ringend auf dem Rücken. Während er den nächsten Angriffschritt erwartet, kennt die Begeisterung der Kinder keine Grenzen mehr. Doch zu seinem Erstaunen folgt nichts weiter. Die Übung diente nur dazu, einen Angreifer über sein eigenes Vorgehen zu Fall zu bringen. Er rappelt sich zum nächsten Versuch auf. Jede weitere Bauchlandung fordert ihn mehr heraus. Bis ihm auffällt, auch den Kindern, die inzwischen wieder angreifen, ergeht es wie ihm. Nur sie landen wie Katzen, immer auf ihren “Pfoten”. Mit jedem folgenden Versuch beobachtet er seine Gegnerin genauer. Allen Korrekturen zum Trotz hat er das richtige Fallen noch nicht gelernt, als die Übung endet.
Seine “Gegnerin” bedankt sich: Du bist besser, als ich erwartet hatte. Das Aufkommen ist wichtig. Du hast es bald heraus. Es wird dir vielleicht einmal zustatten kommen.
Auf dem Weg vom Übungsplatz fällt Peri ein: Heute drehen wir den Spieß um. Gestern waren wir deinetwegen im Han, heute kannst du mich zum Toxopoietikos begleiten.
Seine Begleiterin bringt ihn auf andere Gedanken. Der “Bogenbauer” macht ihn gespannt: Ihr braucht viele neue Bögen und sicher müssen manche repariert werden.
Peri lacht: Die Bögen werden viel zu schnell zu klein. Gut, daß es gebrauchte gibt. Aus meinem letzten wachse ich gerade heraus. Ich bekomme gerade einen eigenen Bogen!
Adonis staunt: Dann beschäftigt ja allein die Entwicklung der Kinder den Toxopoietikos.
Peri nickt: Das tut sie! Heute Nachmittag zeigt er uns das richtige Holz für Pfeile.
Adonis denkt über die Lebensdauer eines Bogen nach. Da sieht er vor sich ein Mädchen und einen Jungen aus der Gruppe: Wollen die beiden auch zum Toxopoietikos?
Peris wirft einen Blick auf die Eiligen: Ja, sie haben ihren Spielplatz beim Bogenbauer.
Adonis kann die Beiden verstehen: Mir ging es ähnlich. Ich wurde von Kind an Kapitän.
Peri nickt: So, wie ich Heilerin. Die Beiden haben viel zu lernen. Für einen Bogen braucht unser Meister ungefähr zwei Jahre.
Adonis kann es nicht fassen: Und heute ist dein Bogen dran! Hast du denn so viel Zeit?
Peri winkt ab: Ich bin ja nur bei verschiedenen Arbeitsgängen dabei.
Adonis versteht: Damit du lernst, deinen Bogen zu pflegen und notfalls zu reparieren?
Peri nickt eifrig: Das ist wichtig. Gleich wirst du verstehen! Da ist schon sein Haus.
Die drei Kinder werden vom Bogenbauer herzlich begrüßt. Ihr “Hallo” klingt sehr ehrfurchtsvoll. Dann kommt er zu Adonis: Du mußt dich nicht extra vorstellen. Ich habe es einfacher. Für mich gibt es nur einen Neuen. Aber bis auf Peri sind wir dir alle fremd.
Der Bogenmacher stupst Peri an und Adonis freut sich über das Mitgefühl: Du mußt viel zu tun haben. Hier laufen ja schon die kleinsten Kinder mit einem Bogen herum.
Der Bogenbauer wird ernst: Für sie ist der Bogen mehr als ein Paignia.
Nach “Spielzeug” sahen die Bögen der Kinder nicht aus: Das tun sie gewiß nicht, so geübt und ernsthaft wie sie mit ihren Bögen umgehen.
Der Bogenbauer holt zwei Bögen und läßt Adonis einen wählen: Wir haben verschiedene Bögen. Ein Langbogen, nach dem du gerade greifst, ist nichts für Kinder.
Adonis versucht die Sehne auf den Langbogen zu ziehen: Du hast erwartet, daß ich diesen Bogen nehme? Eure Kinder ziehen den anderen Bogen vor!
Der Bogenbauer sieht, wie Adonis den Bogen verständig in der Hand wiegt: Ich habe von den Ellenes auf dich geschlossen. Die bevorzugen Langbögen wegen ihrer Reichweite.
Adonis blickt erstaunt auf: Du kennst die Leute aus dem Westen gut. Dieser Bogen scheint mir aus Melia zu bestehen.
Der Bogenbauer erstaunt, von seinem Besucher “Esche” zu hören: Du kennst dich mit Holz aus! Melia ist schwer zu spannen. Nur im Stehen bringt man die Kraft dafür auf. Wir benutzen Langbögen nur zu Beginn eines Angriffs.
Adonis ist begeistert: Der Bogen liegt wunderbar in der Hand! Ja, wir schießen nur im Stehen oder Knieend. Euch gelingt das Schießen mit dem Bogen ja sogar beim Reiten.
Der Bogenbauer hebt den andern Bogen hoch und blickt seinen Gast gespannt an: Im Ritt kann man nur mit solchen Bögen schießen. Dich irritiert vielleicht seine Form.
Adonis nickt: Ja, die Bögen meiner Eskorte und die der Kinder sehen ganz anders aus.
Der Bogenbauer lacht vergnügt: Die Anakampe irritiert dich. Wenn die Sehne entspannt ist, biegen sich die Wurfarme vom Toxotes weg. Sieh mal!
Der “Schütze” spielende Bogenbauer hängt die Sehne in den Bogen. Adonis staunt, wie die “Gegenbiegung” entsteht: Jetzt hat er seine Form! Ja, das ist euer Reiterbogen!
Der Bogenbauer freut sich über das Ergebnis: Das sagen auch die Kinder. Sie wollen natürlich einen Bogen wie die Erwachsenen.
Adonis versucht sich vorzustellen, wie die “Rückbiegung” wirken könnte: Die zurück gebogenen Wurfarme sind das Hauptmerkmal eurer Reiterbögen. Allein, um sie in diese Form zu bringen, hast du Dynamis aufwenden müssen. Speichert der Bogen sie?
Den Bogenbauer erfreut Adonis “Kraft”-Überlegung: Ja, meine Energeia wartet im Wurfarm. Sie entlädt sich beim Schuß. Damit verstärkt sie das Spannen des Bogens.
Adonis versteht: Und so erreichen euere Kurzbögen die Spannkraft der Langbögen?
Stolz zeigt der Bogenbauer die Wirkung: Dieser Bogen kann weiter ausgezogen werden als ein Langbogen. Und er läßt sich viel weicher ziehen. Das erhöht die Zielsicherheit. Die Sehne liegt am Ende des Wurfarms an. Nur ein sehr kurzes Stück schwingt frei. Sie schwingt also nur ganz kurz nach. Damit bleiben auch Folgeschüsse genauer.
