Noch während des Frühstücks kommt Peri erstaunlich erregt zu Adonis: Du darfst heute an einer Übung zur Verteidigung teilnehmen. Die ist für Fremde eigentlich tabu.  
Adonis Spannung steigt, als Marpesia sich ihnen  anschließt. Sie folgen den Kindern zum Übungsplatz. Dort entschuldigt sich die von allen Verehrte bei den Kindern und der die Übungen leitenden jungen Kriegerin: Entschuldigt, wenn ich gegen die verabredeten Regeln verstoße und mit einem Fremden bei euren Übungen erscheine. 

Der Kriegerin ist anzumerken, wie sie zu dieser Überraschung steht: Gewundert haben wir uns schon, als du Adonis mit nach Themiskyra brachtest. Will er heute mit uns üben, bei einem Angriff das Gleichgewicht zu halten? 
Marpesia lächelt: Über das Gleichgewicht hat Adonis gestern etwas gesagt. Es betraf auch die Seefahrt. Mir schien es interessant für eure Übungen heute. 
Die junge Kriegerin kommt Marpesia entgegen: Das erklärt zwar nicht den Fremden bei Übungen zur Verteidigung. Aber jetzt kommt mir ein ausländischer Mann gelegen.  

Marpesia geht über den leichten Vorwurf hinweg: Adonis, kannst du den Anderen erklären, was du mir über das Gleichgewicht auf See gesagt hast?  
Adonis nachdenklich: Auf dem Ritt hierher und bei den Übungen hier habe ich gelernt, daß Phoinikes und Amazones ein vergleichbares Problem haben, das Gleichgewicht. 
Marpesia voller Empfindungen: Mich erinnerte das an meine Reise. Mit dem ersten Fuß an Deck begann ein Balanceakt, der erst aufhörte, als ich das Schiff wieder verließ. 
Adonis lächelt mitfühlend: Für den Neuling bewegt sich ein Schiff unberechenbar. Zu Beginn fordern die Bewegungen auch noch den Magen heraus. 
Marpesia sagt bewundernd: Der Boden schwankt vom anstürmenden Wind und den Wellen. Und der Seemann balanciert nicht nur sich, sondern auch noch das Boot.  

Adonis spielt das herunter: Ein Nauarchos hat es einfacher als Mitreisende. Er muß sich konzentrieren. Er darf trotz Wind und Wellen das Ziel nicht aus den Augen verlieren. 
Marpesia voll Erinnerung: Der Wind herrscht! Dem bist du egal! Seinen augenblicklichen Launen versuchst du, die von dir beabsichtigte Fahrt abzuringen. 
Adonis, sehr still: Manchmal kann man ihm nichts entgegensetzen, nicht ausweichen. 
Marpesia fühlt mit: Wie seiner Schwester, dem Meer! Doch bisher hast du überlebt! 
Adonis lacht: Wie ihr! Im Alltag Gleichgewicht zu halten, ist mir vertraut. Nur sollte ich nicht versuchen, mich auf einem Pferd wie auf dem Meer zu verhalten. 
Melanippe nickt: Ein Pferd ist kein Wind. Es reagiert auf dich. Man muß es zügeln. 
Die junge Kriegerin geht auf Marpesia ein: Versuchen wir einem Sturm zu entgehen! Wir müssen nirgendwo hin, nur einem Ansturm überstehen, ohne zu stürzen. 

Als Marpesia sich verabschiedet, schließt Adonis sich an: Ich will euch auch nicht länger aufhalten. Oder darf ich zusehen? 
Die junge Kriegerin schüttelt energisch den Kopf: Du wirst nicht zusehen können. Wo du schon einmal hier bist, kann ich mit dir realistisch zeigen, wie man einem Angriff entgeht. 
Adonis sehr bescheiden: Versprich dir nicht zuviel von mir. Mit der Auffassungsgabe der Kinder kann ich schon nicht mithalten. Wie soll ich einer Amazon standhalten können? 
Die Kriegerin lächelt ihn nachsichtig an: Du mußt auslöffeln, was du dir eingebrockt hast. Ich habe nur einen Vorsprung. Ich bin geübt, auf Unbewußtes beim Gegner zu achten. 
Marpesia ruft über die Schulter: Absichten sind nicht so unsichtbar, wie viele glauben! 

Die Kriegerin wendet sich an ihre Schüler: Damit unser Gast unseren Übungen folgen kann, werde ich euch heute auf ellenikos anleiten. Beim Balancieren darf man … 
Wie aus einem Mund folgt ebenfalls auf griechisch: … das Atmen nicht vergessen.  
Auf die erwartete Antwort folgt: Sorgt für ein Quentchen mehr Atemluft in euerm Hirn, … 
Die Lehrerin lächelt über die prompte Antwort der Kinder: … als in dem eurer Gegner.  
Adonis kommt aus dem Staunen nicht heraus. Wie rasch Kinder von einer Sprache in die andere wechseln. Aber auch, daß hier Verteidigung mit Atemübungen beginnt. Als hätte sie das geahnt, holt die Lehrerin weit aus: Alles fängt mit dem Atmen an.  
Adonis setzt fort: Der Mensch atmet, ohne daß es ihm bewußt wird. 

Die Kriegerin lacht: Man darf nur nicht darüber sprechen. – Um nicht daran zu denken, …  
Die Kinder fallen wieder ein: … legen wir uns ins Gras und blicken den Wolken hinterher. 
Die Kriegerin fordert: Wir werden ganz still und versuchen die Apatheia zu erreichen. 
Die Bemerkung von der “inneren Ruhe” läßt Adonis so etwas erstmals bewußt spüren. 
Die Kriegerin blickt ihn an: Merkst du, wie sie sich ausdehnt und die Muskel entspannt. 
Die nächste Anweisung hört Adomis kaum: Jetzt versucht, eure Muskel zu lockern, einen nach dem anderen. Beginnt am Kopf und hört an den Zehen auf. Laßt den Körper ganz schlaff werden. – Wie gleicht ihr auf See die Bewegungen unter euern Beinen aus? 
Sie überrascht Adonis mit der Frage: Wir glauben, das geht irgendwann instinktiv. 

Die Kriegerin erstaunt die Antwort nicht: Instinkt bekommt man geschenkt. Wir trainieren die Reflexe. Sie leisten Erstaunliches, wenn man im Ernstfall die Ruhe bewahrt. Um das zu können, muß man das Hirn gut durchlüften. Versucht, über euer Atmen wieder Ruhe zu finden. Holt mit dem Diaphragma Luft. Laßt das Atmen eure Epistrophe lenken.  
Adonis bemerkt, wie der Wellengang seines “Zwerchfells” seine “Aufmerksamkeit” zu dirigieren beginnt. Es lenkt sein Bewußtsein vom Atmen ab. Automatisch konzentriert es sich auf die Stimme. Es war gut, daß sein erster Versuch unterbrochen wurde. Ab jetzt würde er auch das Schwanken des Bodens an Bord bewußt verdrängen können.  

Die Kriegerin prüft die Wirkung. Sogar an ihm geht sie zufrieden vorüber: Jetzt wechseln wir zwischen Energeia und Apatheia und atmen dabei gleichmäßig weiter. 
Beim Übergang vom “Tun” zur “Ruhe”, von der Anspannung zur Entspannung, weiterhin gleichmäßig zu atmen, fordert Adonis heraus. Plötzlich glaubt er hellwach zu werden. Da hört er: Euer Gehirn wird aufmerksamer. Nutzt diesen Vorteil beim Angriff. Gebraucht eure Geistesgegenwart. Beobachtet in Ruhe. Reflexe warten auf Informationen. Damit reagieren sie sogar auf Unerwartetes unglaublich wirkungsvoll. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert