Am Tor verabschiedet die Wirtin jeden ihrer Gäste. Mit dem Mastixhändler wechselt sie noch einige scherzhafte Bemerkungen, bevor er als Letzter das Lokal verläßt. Er bleibt ein vorbildlicher Gastgeber und begleitet seine Gäste zu ihrem Schiff zurück. Die Ersatzwachen übergeben ein unbehelligt gebliebenes Schiff. Während es sie zum eigenen Bett drängt, macht es sich die satte Mannschaft an Bord bequem. Die Wache aus Chios muß noch warten, daß ihr Auftraggeber seinen überschwänglichen Abschied beendet, ehe sie sich mit ihm auf dem Weg Richtung Stadt machen können.

Nun kann auch der Kapitän seinen Fahrgast zu seinem Ruheraum unter dem Ruder führen. Vor der Luke fragt Marpesia ihn: Und wo schläfst du?
Sie bekommt eine fast erwartete Antwort: Ein Nauarchos phoinikies schläft bei seiner Mannschaft. Wenn wir Fahrgäste haben, ist mein Platz hier vor der Kajüte. Doch jetzt muß ich mich noch für die freundliche Reaktion auf den ungewöhnlichen Mitreisenden bedanken. 

Die Heilpriesterin wendet sich von dem phönizischen Kapitän ab und blickt in den Raum. Sie erkennt, daß ihre Mitfahrt viel mehr Probleme aufwirft, als sie bisher angenommen hatte: Das ist der Raum, in dem ihr normalerweise alle schlaft! Ich habe euch aus euern Kojen vertrieben.
Bei diesen Worten wendet sie sich wieder um und wird vom Mondlicht übergossen. Sie wirkt zauberisch auf ihren Gastgeber. Der wiegelt ab: Auf Deck ist viel mehr Platz als dort drinnen. Nur, wenn das Wetter zu schlecht ist, zwängen wir uns alle in den Raum, um uns zu trocknen und aufzuwärmen. Heute ist es so schön, daß alle gern unter den Sternen schlafen.
Das silberne Kunstwerk spiegelt neben dem Mondlicht nun auch seine Gefühle: Das würde ich auch gern tun. Doch dafür muß mich die Mannschaft erst als einen von ihnen annehmen. Ich muß ja schon froh sein, daß alle die Frau an Bord hinzunehmen scheinen.

Adonis’ Blick ist wie festgenagelt. Er erkennt erstaunt, daß sein Fahrgast auf seine Mannschaft immer so wirken muß, wie er ihm gerade vom Mondlicht präsentiert wird, fast überirdisch: Das war auch mein erster Gedanke heute Morgen. Doch, als ich sie darauf ansprach, sagte einer von ihnen: Heilpriesterinnen sind keine Frauen. Und die Anderen nickten. 
Marpesia kennt den Verlust des Geschlechts bei der Arbeit. Doch die Mannschaft könnte ja auch seine Meinung über Heilpriesterinnen und Amazonen teilen: Sicher verhalf auch die Einladung dazu, daß deine Männer eine Frau als Fahrgast akzeptieren. Gemeinsam essen schweißt zusammen. Ich hatte schon befürchtet, auf dem ersten Zwischenhalt das Schiff verlassen zu müssen.

In dem Moment bricht der optische Zauber zusammen. Die Dauerbeleuchtung macht aus der unwirklichen Silberstatue wieder einen Menschen. Das läßt Adonis wieder in der Wirklichkeit ankommen: Das stimmt! Ehe eine Frau hier draußen unter Männern schlafen kann, muß schon ein Wunder geschehen. Übrigens Träume in der ersten Nacht an Bord sollen in Erfüllung gehen! Gute Nacht. 
Der Wunsch für eine erholsame Nacht, weckt in Marpesia ganz kurz Gedanken über die festgeschriebene Rolle der Amazonen Fremden gegenüber. Mit dem Eindruck, daß sie nicht immer so aufrecht zuerhalten ist, wie sie bisher angenommen hatte, reicht sie ihm die Hände: Danke für die Wünsche. Auch dir eine gute Nacht.

Ohne es bemerkt zu haben, entzieht sie sich dem Rampenlicht und schlüpft durch die Luke.  Der Kapitän nimmt seinen Eindruck vom Mondlicht mit zu seinen Männern. Er ist sich ganz sicher: Irgendwann schafft es diese Priesterin, daß die Mannschaft sie als einer von ihnen wahrnimmt, trotz des Geschlechterproblems.

Es dämmert gerade, als das Leben auf dem Schiff wieder erwacht. Sollte Marpesia einen Traum gehabt haben, so kann sie sich nicht an ihn erinnern. Sie steckt ihre Nase aus der Tür und wird gleich mit Hallo begrüßt. Man lädt sie ein, sich mit allen für den kommenden Tag zu stärken. Danach begibt sie sich wieder an ihren gewohnten Platz. Sie sieht zu, wie das Segel gesetzt wird und das Schiff aus dem Hafen gleitet. Der Gastgeber vom Abend zuvor hat es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, so früh aufzustehen, um seinen Freunden und ihrem Schiff mit seinen Waren nachzuwinken. Bald ist er von seiner Umgebung nicht mehr zu unterscheiden. Der stillen Beobachterin scheint das Schiff mit weniger Wendungen voranzukommen als gestern. Über Nacht müssen die Etesien noch mehr abgenommen haben. 

Sie passieren einige Inselchen, als Adonis dem Steuermann das Ruder wieder überläßt. Er staunt über sich selbst. So viel Aufmerksamkeit hat er noch keinem Fahrgast geschenkt. Fast zwanghaft drängt es ihn zu Marpesia hinüber. Sie steht am Bordrand des Bugs und blickt zurück auf Chios und sein beeindruckendes Gebirge: Ich hoffe, ich störe dich nicht. Nimmst du Abschied vom Pelimaion? 
Marpesia wendet sich um: Ja, der Berg erinnert nicht nur an einen erfreulichen Abend. Ist es nicht schön, wie die Morgenröte seine Kontur umspielt? Ich glaube, er wird phoinikeos um sich von dir zu verabschieden.

Die “purpurrote Farbe” lenkt den Blick des Kapitäns zum altbekannten Kegel hinüber: Ja auch dich hüllt der Morgen in ein Phonikis. Doch die Zukunft taucht auch heute drüben auf der Festlandsseite auf. Dort kommt als nächste Landmarke der Hafen von Phokaia.  Marpesia zieht ihre Kapuze ihres “roten Kleides” ab, um sich einen Eindruck von der Stadt verschaffen zu können, ohne ihren Platz verlassen zu müssen: Die Farbe, in die uns beide die Sonne taucht, macht aus mir aber keine Phoinissa. Mir scheint, der Berg errötet, soviel von sich preisgeben zu müssen. Ihr habt eine Route gewählt, die ihn mir fast von allen Seiten gezeigt hat. Heißt Phokaia nach dem Phokos? 

Adonis freut sich über das Wortspiel mit der Andeutung auf eine Phönizierin und, daß die Priesterin sich auch heute in seiner Gegenwart wieder ihrer Kapuze entledigt. Statt einer Antwort weist er auf den Kopf eines Seehundes, der gerade aus dem Meer auftaucht: Sieh, dort ist einer! Vor Phokaia tummeln sie sich in Scharen.

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