Der Kapitän nimmt das zarte Gewebe ganz vorsichtig auf: Bisher habe ich königliches Byssos aus Aigyptos für das feinste Gewebe der Welt gehalten.
Marpesia hat von der königlichen Baumwolle gehört: Es soll so fein sein, daß der Körper des von ihm Verhüllten durchscheint.
Der Eindruck des Tuchs spiegelt sich in Adonis Blick: Byssos-Fäden scheinen zu träumen, sich immer noch auf langem Stengel im Wind über dem Nil zu wiegen.

Marpesia lächelt über seinen Eindruck: Die Pharaones tragen Byssos?
Adonis spielt mit dem anschmiegsamen Tuch: Ja. Lebende Theous müssen mit der Ahnung spielen. Die der Ellenes sind unsichtbar. Sie sprechen von Gymnotes theios.
Marpesia stutzt über göttliche Nacktheit: Theous sind makellos. Ob sie sich kleiden, habe ich mich nie gefragt.
Ganz versunken hält Adonis sich das Gewebe an die Wange: Ein Theos gymnos muß ohne Aisthesis sein! Die Kälte dieser Welt verlangt nach Kleidung.
Götter ohne Empfindung machen Marpesia ironisch: Das stimmt, nach Homer leben ihre Theous den Ellenes jede menschliche Unart vor.

Seine Empfindungen nehmen Adonis voll in Anspruch: So schmiegt sich sonst kein Tuch an. Ich fühle mich umfangen, umschmeichelt.
Marpesia stimmt ihm zu: Es fühlt sich wirklich völlig anders als Wolle oder Linon an.
Wie aus weiter Ferne kommt von Adonis: Wolle schmeichelt zudringlich. Linon ist steif, es widerstrebt. Es ist, als weigere es sich, Körper zuberühren.
Das “keusche” Leinen erinnert Marpesias an den nassen, fröstelnden Adonis: Die Gunst der Wolle haben uns die Schafe gelehrt.
In diesem Moment kehrt Adonis aus seinen Gedanken zurück: Doch wer verriet die Gaben deines Tuchs?
Marpesia ist überrascht: Als ich er bekam, hieß es: Das ist bisher ein Geheimnis. 

Adonis hält das Tuch gegen die Sonne. Dann dreht er sich, um das Sonnenlicht auf den Farben schimmern zu sehen: Wie dicht muß sein Gewebe sein, wenn es so leuchtend klare Farben erlaubt.
Die Besitzerin hängt der Herstellung nach: Ist es nicht erstaunlich, daß so feine Fäden nicht reißen?
Adonis breitet das Tuch aus, um den Kranich besser studieren zu können: Gewebe und Bild sind göttlich. Ein Grapheus ellenikos wäre verzückt, gelänge ihm ein Eikon alethes, wie dieses. 
Marpesia weiß vom Kampf griechischer Maler um wirklichkeitsgetreue Abbilder: Für mich übertraf nichts die Graphe der Ellenes, bis ich dieses Tuch bekam.
Die griechische Malerei weckt in Adonis andere Bilder: Die Graphe der Aigypties könnte dir auch gefallen. Doch dein Geranos übertrifft alle. Er scheint lebendig zu sein.

Ägyptische Malerei hat Marpesia noch nicht gesehen: Der Geranos wurde in einem Land gemalt, wo er Symbolon für langes Leben, Weisheit und Glück ist.
Diese Symbole des Kranichs vergleicht Adonis mit eigenen Vorstellungen: Der Geranos kann aus seiner Höhe Dinge sehen, die Menschen noch verborgen sind. 
Marpesia sieht einen Kranichzug vor sich: Wenn er am Himmel erscheint, glauben viele, er schreibt Zeichen in das Blau. 
Adonis schüttelt sich: Oionomantis sagen aus dem Flug der Ornes vorher.
Marpesia hat Vogeldeuter nie befragt: Wie kann man im Vogelflug Zukunft sehen? Ist Apollon nicht der Gott der Manteia bei den Ellenes?
Über den Gott des Wahrsagens weiß Adonis noch mehr: Ja, er soll auf dem Ornithos aus Thrake zu den Yperboraies fliegen.

Der Flug Apollons zu den Hyperboräern auf dem thrakischen Vogel erstaunt Marpesia: Demeters Ornithos soll der Geranos auch sein.
Demeters Vogel scheint Adonis klar: Kein Wunder, Geranes reisen vor der Sperma und nach der Therismos. Ihr Flug soll Hermes zu Gramma inspiriert haben.
Saat und Ernte gehören zu Demeter, aber Buchstaben zu Hermes?: Hermes mag als Gott der Lügner und Kaufleute ein idealer Götterbote sein. Zum Lügen gehört ein gutes Gedächtnis.
Adonis schmunzelt: Das stimmt. Deshalb ist Zeus auch kein Grammatikos und braucht Hermes.

Götter und Schriftkundige! Marpesia lacht hell auf: Selbst, wenn man Zeus vorliest, was geht ihn sein Geschwätz von gestern an? Kann ein Gott vergessen?
Adonis stimmt in ihr Lachen ein: Zeus vergißt sicher nichts. Fragst du, weil Zeus nachtragend ist oder weil Menschen gegen das Vergessen schreiben?
Marpesia wird plötzlich ernst: Menschen sind vergeßlich. Doch wenn Hermes zu ihnen käme, nützte das beste Gedächtnis nichts. Wer hat je einen Gott gesehen?

Adonis nickt: Das stimmt! Doch beim Geranos fällt mir ein, bei den Aigyptes ist das Bild des Ibis, seines Bruders, ein Buchstabe.
Marpesia erinnert sich an einen Mensch mit Tierkopf: Ist der ibisköpfige Thot nicht der Theos der Sophia?
Der Gott der Weisheit führt Adonis in eine andere Gegend: Ich habe dir erzählt, Onkel von mir reisen zu den Zinninseln. Dort holt man aus dem Tartaros das Erz, das man für Bronze braucht.
Bei dem Gedanken schüttelt es Marpesia: Dieses Mal bin ich einer Meinung mit den Ellenes. Die Unterwelt besucht man nicht ungestraft.

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