Von der Donau hat Marpesia andeutungweise gehört. Adonis, der ans Ruder kommt, ergänzt: Das Schiff dort drüben werden wir noch eine Weile sehen. Es will in die Maiotis an den Tanais.

Der Don ist Marpesia besser bekannt. Auch an seinen Ufern hat sie Verwandschaft. Mit Familiengefühlen blickt sie dem sich langsam entfernenden Schiff hinterher: Es war bis jetzt ein Anhaltspunkt. Jetzt bleibt nur noch die Sonne.
Adonis ahnt die ungestellte Frage: Morgen kennst du die Nautilia Idios der Phoinikoi.
Die besondere Kunst der Phönizier in der Seefahrt war Marpesia vom Hören-Sagen bekannt: Darauf habe ich die ganze Zeit gewartet, mit euch durch die Nacht zu segeln.

Ein Mitglieder der Mannschaft unterbricht das Gespräch der Beiden: Das Deipnon wartet.
Marpesia ist von der Einladung zum ersten Abendessen an Bord begeistert: Er hat die Glotta ellenikos benutzt. Deine Mannschaft hat mich akzeptiert. Bei euch geht es sehr vertraut zu. 
Adonis wußte gar nicht, daß der Seemann Griechisch konnte: Ich staune auch. Auf See muß man sich eben auf einander verlassen können. Meine Leute haben keinen Kapitän nötig. Hanno könnte mich jeder Zeit ersetzen.

Das gemeinsame Mahl auf dem Schiff unterscheidet sich merklich von den vergangenen in Gasthäusern. Es spiegelt Zusammengehörigkeit. Nach der Mahlzeit suchen Marpesia und Adonis noch einmal ihren Lieblingsplatz an der Reling auf. Die Heimkehrerin läßt die Unendlichkeit wirken: Bei so einer Nacht scheint es einfach, den Weg zu finden. Wie wir, werdet ihr euch nach den Sternen richten. Doch ich würde Hindernisse fürchten.
Adonis stützt sich auf die Reling und blickt in Fahrtrichtung: Was soll passieren? Auf unserer Route gibt es keine Inseln. Wir halten einfach unseren Kurs.

Marpesia tut es ihm gleich: Vor meinem Ritt nach Ephesos wurde von einem Periplous für den Pontos Euxenios gesprochen.
Adonis staunt, daß Marpesia sogar die neuen Reisebücher kennt: Der Periplous reicht für die küstenfahrenden Ellenes. Im offenen Meer sind unsere alten Beschreibungen sicherer.
Still stehen sie neben einander. Adonis empfindet wieder die unglaubliche Vertrautheit mit seinem Gast: Es ist zu dunkel, ich brauche nicht zu zwinkern. Mich überkommt gerade das Gefühl, wir würden uns ein Leben lang kennen.
Auch Marpesia beschäftigen Adonis’ Gründe für Zeichen geheimem Einverständnisses. Durch ihre Gedanken dringt: Ich muß dich jetzt verlassen. Ich habe die erste Wache am Steuer. 

Adonis geleitet sie noch zu ihrem Schlafplatz. Als Marpesia ihr Reisepack geholt hat, macht es sich Hanno bereits neben ihr bequem. Beim Blick in die Sterne hört sie: Wenn du hier draußen schläfst, müssen wir für deine Sicherheit sorgen. Auch Phoinikes sind nur Männer!
In Gedanken zu Hause murmelt Marpesia: Das hat dein Bruder auch schon gesagt. Schlaf gut.
Schon aus sehr weiter Ferne kommt zurück: Ich muß schnell schlafen, in vier Ores fängt meine Wache an. 
Die vierstündigen Wachen kennt Marpesia von ihren Reisen an Land. Nur wiegt dort kein sanftes Schaukeln alle schnell in Schlaf.

Am Morgen ist die Heilerin wieder früh auf den Beinen. Vom Morgenlicht gerötet steht Hanno noch am Steuer: Na, wie war es, sich wie Phoinikes im Schlaf fortzubewegen. Ich hole meinen Schlaf gleich nach.
Marpesia stellt sich neben ihn: Das kannte ich schon vorher, ich bin als Kind im Schlaf gewandelt. Ich bin ganz begeistert über eure Art der Fortbewegung aufgewacht. Es ist ein Traum von mir, überhaupt keine Spuren zu hinterlassen. 
Hanno wird vor Lachen hellwach: Bei uns liegt es nicht am Mond, obwohl der auch auf das Wasser Einfluß hat.

Marpesia erkennt, daß seine Müdigkeit gleich wieder die Oberhand gewinnen muß: Ich bin eine Frau. Ich erinnere mich an die Einflüsse der Mondes. Doch wenn ich gehe, reite oder mit dem Wagen fahre, immer hinterlasse ich eine Spur toter Lebewesen. Oft findet man ihre Reste an den Hufen.
Hanno kämpft sichtlich gegen den Schlaf. Nur die Pflicht läßt ihn noch fast automatisch den Horizont absuchen: Das kann man sich gut vorstellen. Uns können alle Lebewesen im Wasser ausweichen.

Marpesia betrachtet ihn mitfühlend. Sein Blick in die Ferne läßt sie rätseln, wonach er sich richtet:  Wenn etwas aufeinander prallt, dann sind es also nur Schiffe. Wie könnt ihr ohne sichtbare Anhaltspunkte auf dem hohen Meer auf euer Ziel zuhalten?
Hanno gähnt leise vor sich hin: Wir lesen am Himmel und in den Wellen.
Seine Müdigkeit berührt die Heilerin: Du mußt sehr müde sein! Deinem Nachfolger am Steuer hilft der Stand der Sonne. Aber manchmal gibt es auch Wolken.

Hanno betrachtet die Nachdenkliche: Sie verraten uns die Windrichtung. Am Himmel bewegen sich aber auch die Bewohner der Lüfte. Dem geübten Beobachter verraten sie, was sie in ihrer herausgehobenen Position sehen. 
Marpesia erinnert sich an ähnliche Erfahrungen: An Land kreisen manche Ornes über einer Stelle am Boden und machen uns auf etwas für uns Unsichtbares aufmerksam.
Der Hinweis auf die Vögel läßt Hanno das Interesse seines Bruder verstehen: Auch uns verraten kreisende Seevögel ein bisher nicht bekanntes Ereignis. Aber auch jede vergängliche Kyma und jeder Ichtys kommentiert unsere Fahrt.
Marpesia grübelt über die Zeichen von Wellen und Fischen nach: Aber hier höre ich nur selten eine Laros.

Beim Hinweis auf das Möwengeschrei weist Hanno auf den Himmel: dafür hört man den Aetos. Außer ihm hört man nur Ornes über der Thalatta.
Bei den Worten Adler und Zugvögel über dem Meer macht sich Adonis bemerkbar. Er kommt seinen Bruder ablösen: Der Aetos sucht noch, also kommt er vom Epeiros. Er läßt uns ahnen, wo die Aigialos ist, obwohl wir es nicht sehen.
Marpesia bemerkt, wie der vom Festland kommende und damit die Küste verratende Adler plötzlich zum Sturzflug ansetzt: Seht mal,er hat etwas gefunden! Ich verstehe, Ornes bedeuten erhöhte Wachsamkeit auf Aigialos und Paraloi.

Hanno ist bereits auf dem Weg zu seinem Schlafsack als er Küstenbewohner und Strand aufschnappt. Er wendet sich noch einmal um: Vergiß Rachas oder Syrtes nicht, die unter dem Wasser verborgen sind und eine Nautilia abrupt beenden können. Mehr als an Riffe und Sandbänke erinnert Marpesia das Wort Sandbank an eine Landschaft in der Cyreneika. Von der erzählte die Verwandschaft vom Garten der Hesperiden immer: Für mich verbindet sich mit Syrtis eine Oase. Ihr müßt dabei mehr darauf achten, was euch unter euere Phragmae kommt.

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