Marpesia ist auf einiges gefaßt. Doch mit dem Hallo, mit dem Adonis und seine Mannschaft im Gasthaus begrüßt werden, hat sie nicht gerechnet. Hanno hält sie etwas zurück: Das sind die Besatzungen zweier Schiffe aus Phoinikia. Laß uns die Nachhut bilden. Du wirst noch früh genug zur Sensation!
Kurz darauf holt Adonis Marpesia. Er wendet sich an seine Landsleute. Die Priesterin vermutet, er sagt auf phönizisch: Ich möchte euch unsern Fahrgast vorstellen.
Den meisten verschlägt die Frau, die ihre Chlaina als Heilerin ausweist, die Sprache. Einer der anderen Kapitäne findet als erster wieder Worte. Er antwortet auf griechisch: Die Vorsehung brachte euch eine Heilpriesterin an Bord.
Hanno stellt sich neben die Beiden und gibt zurück: Ich antworte dir auch in der Sprache der Ellenes, damit auch unser Gast mich versteht. Du hast es richtig erkannt. Ich stehe hier, weil sie mich wieder atmen lassen hat, nachdem man mich aus dem Meer gefischt hatte!
Obwohl die Phöniziern nicht ganz ungeübt sind, beinahe Ertrunkene zu retten, braust Applaus auf. Während des Essens begegnet Marpesia immer wieder bewundernden Blicken. Damit ist die Frau an Bord akzeptiert. Die beiden anderen Kapitäne wenden sich in Griechisch an sie: Wir hoffen, wir können uns mit dem Geleit bei dir revanchieren.
Marpesia ist sich sicher: Auch diesen Abend werde ich nicht vergessen. Sie wendet sich an Adonis: Ihr wißt genau, wo ihr einkehren müßt. Aber mußtest du von der Geschichte erzählen?
Der bisher so vergnügte Adonis wird ernst: Auch für Phoinikes sind alleinreisende Frauen eine Seltenheit. So bist du über jeden Zweifel erhoben.
Die Sprache der Heimat, läßt alle immer lautstärker mit einander plaudern. Und in dem Getöse regeln die Kapitäne ihr Vorhaben.
Marpesia läßt die für sie unverständliche Begeisterung über sich ergehen. Adonis fällt ihre Rolle unter all den Phöniziern auf: Du mußt dich als Außenseiter fühlen! Nie zuvor habe ich den Unterschied zwischen den Völkern so deutlich wahrgenommen wie gerade. Mehr denn je scheinst du mir das zu sein, was ich schon immer vermutete.
Selten hat sich Marpesia so sehr als Zuschauerin gefühlt: In Ephesus ist mir das Fremdsein nie so bewußt gewesen. Aber da war ich ja auch die Fremde.
Adonis liest ihr eine neue Erfahrung von den Augen ab: Und auf unserm Schiff gehörst du dazu? Und dann hebt dich die Sprache heraus. Ist es anders als das Anderssein der Priesterin?
Marpesia weiß seine Aufmerksamkeit zu schätzen: Ihr müßt sicher noch Details klären. Laß uns das Gespräch an Bord in Ruhe fortsetzen. Doch eines muß ich jetzt schon loswerden: Du gibst dir alle Mühe, mich die erste Frau werden zu lassen, die in unserer Richtung ihr Ziel erreicht.
Adonis erinnert sich an den Hellespont: Helle ertrank auf ihrem Flug nach Kolchis. Das ist wahr. Aber in Gegenrichtung gelangte Medeia auf Jasons Argo nach Ellas.
Marpesia fühlt sich mit Medeia durch ihre vermeintliche Zauberkunst verbunden: Aber eigentlich denkst du an Antiope, die Theseus von Themiskyra nach Athenai begleitete!
Adonis Nicken läßt Marpesia bis zum kurz darauf folgenden Aufbruch schweigen.
Wie zu erwarten, kommt ihr der Rückweg viel kürzer vor als der Hinweg. Die Mannschaft eilt in seine Nachtlager. Als sie mit Adonis allein ist: Über Medeia und Antiope gäbe es noch viel zu sagen. Aber du kannst erst einmal darüber beruhigt sein, wie die Pairates in Schach zu halten sind.
In der Dunkelheit ist Adonis Miene nicht zu erkennen: Heute hast du dich unter Freunden allein gefühlt. Hoffen wir, daß unser Plan gelingt und du bald unter Deinesgleichen bist.
Marpesia möchte ihm zeigen, was sie verstanden hat: Im Gegensatz zu Amazones, zu denen du mich zählst, soll euch Abschreckung helfen!
Adonis hilft seinem Gast galant an Bord: Ja, wir können uns nicht erfolgreich durch die Reihen unserer Feinde schleichen, wie ihr Amazones!
Auf dem Weg zum Ruheplatz kommt Maperisa eine letzte Frage: Kommen die anderen Schiffe mit uns mit nach Pontos?
Adonis ist schon unterwegs, die Schlafpacks zu holen. Mit ihnen im Arm antwortet er: Nein, sowie wir den Bosporos verlassen und den Pontos Euxenios erreicht haben, fahren die Andern in andere Richtungen.
Es wird gerade hell, als sie aufbrechen. Aus eigener Erfahrung weiß Marpesia, daß Landengen zu Überfällen reizen. Alle, deren Hände gerade nicht für das Fortbewegen der Schiffe benötigt sind, werden zum Warnen gebraucht. Die vereinte Macht scheint tatsächlich abzuschrecken. Einige Boote, die beim ersten Schiff vom Ufer ablegen, kehren um, sowie die gesamte Armada sichtbar wird. So müssen die Mannschaften nur gegen die Strömung ankämpften. Am Ende aller Anstrengungen segeln die drei Schiffe unbehelligt in den Pontos Euxenios hinaus. Als sie von der Küste aus nicht mehr zu sehen sind, gehen sie längsseits. Marpesia erlebt eine Verabschiedung wie unter lieben Verwandten: Seid ihr so froh, euch wieder zu trennen zu können?
Hanno lacht über die triefende Ironie: Ja. Alle sind erleichtert, daß wir uns trennen können. Das Schiff, das gerade wendet, fährt an den Istros.
