Hanno wirkt auf Marpesia ähnlich konzentriert wie bei der Durchfahrt durch die Dardanellen. Aber er muß ja auch seinen Weg durch ein Gewirr von Schiffen finden, das dem im Hafen von Ephesus gleicht. Der Steuermann relativiert ihren Eindruck: Es sieht nur schlimm aus, weil hier alles so schnell geht. In Byzantion ist es einfacher als beim Lithotomiai von Prokonnesos. Vor uns liegt ein Ormos mit Kaimauer, an die man einfach anlegen kann. Das verführt viele zu Leichtsinn.
Und Adonis meint: Auf Prokonnesos war ja nur ein Kome. Hier ist der Betrieb im Ormos und die Polis mit Ephesos zu vergleichen.

Das Dorf auf der Insel hat Marpesia nicht einmal gesehen. Der Hafen von Byzanz wirkt auf sie großzügiger und die Stadt größer als Ephesus: Byzantion macht mit seiner Akropolis schon von weitem auf sich aufmerksam. Und zu breitet steigt die Polis empor.
Zwischen zwei Kommandos zum Umsetzen des Segels erklärt Adonis: Die Akropolis betont die Spitze der Halbinsel. Die zu ihr aufsteigende Stadt wirkt ausgedehnter, als sie ist.
Als sie näher kommen, bemerkt Marpesia, daß Kaimauern und Lagerhäuser die Stadt vom Meer trennen: Ich finde Byzantion wohl so groß, weil der Hafen von Ephesos im Land liegt und die Stadt sich in der Ebene hinter ihm verbirgt. Und Byzantion bietet sich dar.

Das letzte Manöver verlangt von Hanno ein gutes Augenmaß. Adonis beobachtet das Anlegen von der Bordwand: Du kannst nur einen Teil von Byzantion und dem Ormos sehen. Der zweite Teil der Polis liegt oben auf der Hochebene und der Ormos biegt ins Chrysokeras ein.
Vom goldenen Horn hat Marpesia bereits gehört. Sie beobachtet, wie ihr Eindruck sich verändert, während das Schiff anlegt. Als sie ihren alten Platz wieder aufsuchen will, hält Hanno sie zurück: Es ist zwar lieb, daß du Rücksicht nehmen willst, doch das Deck wird jetzt unpassierbar. Heute Abend wirst du das Chrysokeras sicher noch sehen.
So lehnt Marpesia sich an die Bordwand. Dieses Mal werden sie noch nicht auf dem Kai bereits erwartet. Dafür scheinen Adonis und Hanno das Goldene Horn dringen zu erwarten.

Kaum liegt das Schiff fest, werden die bereit stehenden Wagen für die Quader ans Schiff gebracht. Hanno läßt die Rahe niederholen. Sie soll als Kran die Schwergewichte ans Festland hieven. Als Adonis die Wagen in richtige Position dirigiert, tritt ein Mann auf ihn zu. Hanno bemerkt die Begegnung sogleich: Sieh mal, so wie sie verhandeln, ist er einer der Empfänger unserer Fracht. 

Händler von Heilmitteln sind Marpesia vertraut: Er beachtet die Wagen zu wenig. Er muß der Pharmakos sein.
Die Seilführung für den Kran nimmt Hanno gerade in Anspruch, so kommt seine Antwort mit etwas Verzögerung: Ja, er scheint froh, daß wir in den Pontos reisen. Das spart das Umladen der Lieferung.
Während Marpesia einfällt, daß die Medikamente genauso nach Ephesos kommen, reagiert Hanno auch schon auf ein Zeichen von Adonis. Zwischen seinen Befehlen ruft er Marpesia zu: Du hast gut beobachtet. Ich soll als Erstes ein paar Kisten Pharmaka an Land schaffen. Der Pharmakos zahlt gerade die Fracht.

Für Marpesia ist das alles neu, daß der Rest der Heilmittel des Apothekers mit auf die Reise geht, hat sie verstanden: Die Pharmaka begleiten uns also. Müßt ihr auch laden?
Bevor er antworten kann, eilt Hanno zur Luke. Bei seiner Rückkehr entschuldigt er sich: Ich mußte die Leute im Laderaum anweisen, welche Kisten entladen werden sollen. Wir nehmen noch Gerät für Goldminen in Kolchos mit.
Als der zweite Quader auf den Kai geschwenkt wird, fühlt Marpesia sich eher störend in dem Getriebe. Ihr Blick schweift über den Bosporus nach Kalchedon hinüber. Die Seestraße, hinter der Ellas beginnt, wirkt wirklich sehr schmal. Sie ist zum ersten Mal in Europa, dem Teil der Erde, aus dem die Ellenes kommen. Ihr drängt sich die Frage auf, worin sich Europa und Asien unterscheiden.

Irgendwann kehrt plötzlich Ruhe ein. Die Arbeit ist getan. Kapitän und Mannschaft können wieder ein Gasthaus nahe des Hafens aufsuchen. Auf dem Weg fragt Marpesia Adonis: Ist alles zu deiner Zufriedenheit verlaufen?
Seine Miene und sein ausholender Schritt verkünden Wohlbefinden: Der Besteller der Lithes kam noch. Jeden Stein hat er sich genau angesehen.
Marpesia muß sich Adonis Schritt anpassen, den es irgendwie magnetisch zum Essen zieht: Aber war das nicht zu erwarten? Er scheint keine Mängel gefunden zu haben, so wie du zum Gasthaus eilst.

Auch ohne diesen Hinweis wäre Adonis hier stehen geblieben: Dort hinten biegt das Chrysokeras um die Stadt herum. Du kannst gerade sein Wasser sehen. Beschäftigt dich etwas?
Marpesia ahnt, daß das goldene Horn etwas mit der Eile ihres Gastgebers zu tun hat: Ich will dich nicht bremsen. Mir ist nur deutlich geworden, wir sind auf der Seite der Welt, aus der die Ellenes kommen. Ich spreche die Sprache der Amazones, du die der Phoinikes und wir benutzen die Glotta der Ellenes, um uns zu verständigen.
Diese Überlegung hält Adonis zur Verwunderung der übrigen Hungrigen noch länger an seinem Platz: Stimmt, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. 

Marpesia bemerkt die Unruhe: Ich will dich nicht aufhalten. Adonis setzt sich wieder in Gang: Ich denke, ihre Sprache hat sich durch die vielen Kolonien der Ellenes verbreitet.
Es drängt Adonis wieder voran: Die “Weltsprache”, mit der auch wir uns verständigen, hat dazu geführt, daß die Kolonialmacht meint, eine Weltmacht zu sein.
Marpesia spürt seine Eile: Das gefällt unsern Nachbarn, den Perses überhaupt nicht.
Und dich treibt etwas an, was sich im Chrysokeras versteckt!
Adonis schlägt einen gemächlicheren Schritt ein: Du hast Recht, gleich gibt es nicht nur ein gutes Essen. Ich hoffe, dort bestätigt sich, ob wir sicher durch den Bosporos kommen.

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