Die beiden Brüder können Marpesias Einstellung voll verstehen: Ja! Es gibt zu Viele, die um ihrer Macht willen immer neue Grenzen aufrichten. Liefern sich nicht Spartes und Athenais nur der Macht wegen immer wieder Schlachten?
Die Bemerkung seines Bruder über Spartaner und Griechen läßt Hanno an ihre Reise denken: Seit der Schlacht von Kyzikos treiben sich in der Propontis vermehrt Freibeuter herum. Doch das schlimmste Stück liegt noch vor uns, der Bosporos.
Die Priesterin freut sich, wie das Gespräch allen Dreien hilft, über ganz normale Dinge das Unglück zu verarbeiten: Da bin ich ja vom Regen in die Traufe gekommen. Ich habe meinen Mitschwestern nachgegeben. 

Adonis sieht Marpesia ahnungsvoll an, doch das Tuch der Kapuze hindert ihn: Wegen der Zänkereien der Söhne des Dareios war ihnen der Landweg nicht sicher genug! Sie wollten, daß du den Seeweg wählst!
Hanno beobachtet die Szene genau. Ihm kommt eine Idee, sich bei beiden bedanken zu können: Ist es nicht egal, wer siegt, Kyros oder sein Bruder Artaxerxes? Ihr solltet die Gelegenheit nutzen, daß wir die offene Propontis erreicht haben. Was haltet ihr davon, wenn ihr euch an euern Lieblingsplatz zurückzieht.

Beide blicken den Steuermann dankbar an. Kaum haben sie sich von den Anderen zurückgezogen, schlägt Marpesia ihre Kapuze zurück. Sie möchte nachholen, woran das Tuch sie bisher hinderte. Sie blickt Adonis tief in die Augen: Dein Bruder ist, der Göttin sei Dank, unverändert.
Adonis nutzt die Gelegenheit, nicht nur in ihrer Miene sondern ebenfalls in ihren Augen zu forschen: Er hat das große Glück, eine Iatrike in der Nähe zu haben. Ich hätte sicher weniger Erfolg gehabt.
Die Sympathie der Heilerin für den Kapitän zaubert ein Lächeln in ihr Gesicht: Kapitäne scheinen ebenfalls zu wissen, wie man Ertrunkene ins Leben zurückholt.

Zu ihrer Freude entdeckt sie, daß Adonis ihr zuzwinkert. Sie kann eine spontane Äußerung nicht unterdrücken: Das hast du lange nicht gemacht.
Das Lächeln des Kapitäns wird noch breiter: Beim ersten Mal warst du davon gar nicht angetan!
Nun versucht sie seiner Aussage etwas Gewicht zu nehmen: Die Iatrike war es nicht allein. Du weißt, ohne göttlichen Beistand geht es nicht. Vor allem die Zeit spielt eine Rolle.
Adonis lächelt sie voller Vertrauen an: Am meisten erreicht die Technik. Dein Ergebnis wäre bei mir sehr zweifelhaft gewesen. So, wie du reagiert hast, müssen Iereus-Iatrikes Amazones sein.

Marpesia geht auf den Vergleich von Heilerinnen und Amazonen nicht ein: Du hast den Eindruck, ich könnte eine Amazon sein, weil du keine Vorurteile gegen Fremde hast. Heute fürchten die Meisten Fremde. Gleichzeitig bezweifeln sie, daß es Amazones gibt.
Marpesias Augen befeuern gerade Adonis. Sie bestätigen für ihn die Geschichten, die er über Amazonen gehört hat: Du fragen, wen du willst, Amazones sind für ihren Mut und den Umgang mit Pferden berühmt. Mein Vorurteil ist, du bist eine Amazon!
Marpesia beeindruckt der Nachdruck des Phöniziers: Deine Vorurteile sind erstaunlich. Für Andere sind Amazones Schreckgespenster.

Adonis zwinkert seiner Freundin erneut verschwörerisch zu: Muß ich nicht so denken? Sind wir Phoinikes nicht mit euch Amazones zu vergleichen? Als Iatrikes hilft euch die Chlaina, als Amazones verschwindet ihr hinter eurem Pferd, wie man erzählt.
Mit der Erkenntnis, wie sehr sie sich auf der gleichen Ebene bewegen, wendet sich Marpesia ihm wieder zu: Von den Phoinikes als Seefahrern spricht schon Homer. 

Ein Wechselbad der Gefühle ergießt sich über Adonis: Homer spricht von uns Phönikes auch als Betrüger und Erzschinder. Für euch hat er nur höchste Töne.
Marpesia wird sehr nachdenklich: Er lobt Amazones, aber nur, um sie umbringen zu lassen. Was bleibt ihnen übrig, als sich zu verstecken. Mir scheint, nicht nur im Verbergen ähneln sich Amazones und Phoinikes. Ihr verbergt euch in der Weite und Amazones versuchen es in der Menge.
Ihre Bedenken stecken Adonis an: Ich glaube, wärst du mir beim ersten Mal nicht auf meinem Schiff begegnet, sondern zu Pferde, ich hätte sicher nicht den Mut gehabt, dich anzusprechen.
Marpesia ergeht es vergleichbar: Homers Vorurteil über Phoinikes teilen wir nicht. Bei uns gelten Nautes als Risiko, besonders, wenn es Ellenes sind. Die haben uns immer wieder übel mitgespielt. Aber es ist schön, dir begegnet zu sein!

Wieder bekommt durch einen Zwischenruf Hannos das Gespräch eine neue Wendung:
Seht mal, unser neuer Hafen.
Marpesia wendet sich zum Bug: Von hier sieht Byzantion mächtig aus.
Adonis Augen sehen plötzlich als Kapitän: Du siehst ja auch zwei Städte, Byzantion und Kalchedon. Wenn wir entladen haben, werden wir zwischen beiden in den Pontos Euxenios weiterreisen.

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