Über das Laden war Adonis nicht dazu gekommen. Noch jetzt wundert ihn, wie sehr ihre Mitreisende über eine, wie er meint, schlichte Schiffbrücke, staunt: Du hast mich davon abgehalten. Die Andres wollten bisher über nicht anderes, als über dich reden. 

Er wendet sich zu Marpesia: Du kennst Xerxes Schlachten in Attika? Der verlangte für sein Heer zwei Gephyrae. Eine bauten Ägyptiais, die andere Phoinikoi.
Marpesia hält die Aufregung der Mannschaft nach Hannos Bad für nachvollziehbar. Den Hinweis auf die alten Ägypter findet sie kaum zum Staunen. Aber die Schiffsbrücke von Adonis’ Landsleuten beschäftigt sie umso mehr: Über die Leistung kann man stolz sein. 
Hanno platzt etwas gereizt dazwischen: Kann man stolz sein, wenn man gezwungen wird?

Die Reaktion des Steuermanns bremst Marpesias Begeisterung: Du hast Recht. Zwischen all den Kriegen muß man sehen, wie man überlebt. Die Ellenes müssen jedenfalls sehr überrascht worden sein. Wäre ihnen Zeit geblieben, hätten sie eure Begriffe für die Synthesis übernommen. Heute wäre es einfach eines ihrer Worte.
Marpesias Gedanken über das Verhältnis der Griechen zur Konstruktion von Brücken spinnt Adonis weiter: So, wie du es siehst, muß selbst Gephyra ein Fremdwort sein.

Nachdenklich kommt von der Heilerin: Du meinst, bei Gephyra haben die Ellenes an phyro gedacht?
Bei Brücken an Vermischen oder Durchkneten zu denken, scheint ihr interessant. Sie wäre nicht auf die Idee gekommen: Hat jemand, der bei einer neuen Erscheinung erst an deren Wirkung und dann vielleicht an die Entstehung denkt, sie erfunden haben?
Auch Adonis hätte Brücke von verbinden hergeleitet: Xerxes’ Gephyrae waren nicht die ersten. Schon sein Vorgänger Dareios hatte eine gebraucht.
Wieder drängt es Hanno, sich am Gespräch zu beteiligen: Die Gephyra über den Bosporos nahmen die Ellenes deshalb nicht wahr, weil Xerxes gegen die Skytes zog. Wir kommen dort vorüber, wo sie gewesen sein soll. Doch gegen eure These spricht, daß ein Ellenos diese Gephyra gebaut hat.
Marpesia nickt dem wieder Quicklebendigen zu: Nennt Herodotos den Erbauer dieser Gephyra nicht Mandrokles von Samos?
Hanno platzt ganz überrascht heraus: Du kennst Herodotos? Der ist doch ziemlich neu.

Über sein Erstaunen belustigt, erklärt Marpesia: Man muß doch sammeln, was es über seine Nachbarn zu wissen gibt. Herodotos schrieb über unsere unruhigen Nachbarn, die Perses.
Die Perser bringen Hanno in Rage: Nicht nur die Ellenes, auch die Perses meinen uns vorschreiben zu können, was wir zu tun und zu lassen haben.
Adonis versucht etwas zu beschwichtigen: Wenn ich an die Perses denke, finde ich es bei den Ellenes nachvollziehbar, …
Marpesia nimmt den Gedanken des Phönizier sofort auf: … daß sie nach der Schlacht an den Thermophylen beim Bau einer Brücke zuerst an deren Wirkung denken.

Der gemeinsame Satz erinnert Adonis an ein Gespräch in der Nacht: Du erinnerst mich daran, dir noch von Sestos zu erzählen. Bei meinem ersten Aufenthalt in Abydos habe ich die Geschichte eines jungen Mannes gehört. Der …
Nun setzt Hanno fröhlich lachend fort: … hatte sich in die Tochter des Wärters auf dem Leuchtturm von Sestos verliebt!
Voller Gefühle legt Adonis kurz den Arm um die Schulter seines Bruders: Die Tochter war eine Priesterin Aphrodites. Um mit ihr der Göttin zu dienen, schwamm der Junge jede Nacht von Abydos nach Sestos hinüber.
Hanno kannte die Geschichte ebenfalls und platzt heraus: Das hätte ich auch gemacht. 

Marpesia lacht bei dem Gedanken vergnügt: Das glaube ich dir gern. Vor Liebe würdest du schwimmen lernen.
Adonis sieht seinen Bruder wieder vom Mast fallen: Dann wäre die nächste Böe weniger gefährlich für dich. Doch einmal, während der Junge schwamm, blies der Sturm das Feuer auf dem Pharos aus.
Hannos weiß, daß seine Absicht illusorisch wäre: Selbst wenn ich schwimmen könnte, würde ich nicht einmal die Mitte des Hellespontos erreichen.
Das erlösende Lachen der Beiden reißt Marpesia mit: Das Risiko hatte auch euer Junge. Ohne Ziel vor Augen treibt die Strömung ihn ab. So ertrank der Jünger Aphrodites.

Hanno staunt: Du kennst die Geschichte? Gut, daß ich nicht in die Strömung geraten bin, oder?
Marpesia lächelt beide sehr gerührt an: Nein, ich habe mir das Ende der Geschichte nur zusammengereimt. Grenzen beschäftigen ihre Anwohner immer, nicht wahr? 
Hanno hat seinen Optimismus wiedergefunden: Mich reizen Grenzen jedenfalls. Sie sind dazu da, überwunden zu werden! Zumindest möchte ich sehen, wo meine Grenzen sind.
Marpesia betrachtet den quirrligen Jungen mitfühlend: Das haben wir über alle Grenzen hinaus bemerkt. Aber glaube nicht, uns ginge es so viel anders.
Adonis bemerkt einen Stimmungsumschwung in ihrer Stimme: Du klingst traurig. Ich ahne, dich stört, daß die beliebtesten Geschichten immer traurig enden.
Der Kapitän und sein Steuermann gefallen ihrem Fahrgast immer mehr: Die Geschichte von Sestos macht mich traurig. Ich denke auch, Grenzen müssen überwunden werden! Über allem beschäftigt mich: Wie gehen Menschen miteinander um?

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