Marpesia amüsiert das Wortspiel der Bedeutung von Problem, “Vorgebirge oder Klippe und Streitfrage”. Aktueller konnte man es nicht benutzen. Plötzlich horcht sie auf, es ist ganz still. Dann wird ihr klar, das Segel knarrt nicht mehr am Mast. Schon drängen sich alle aus der Tür. Die Propontis weitet sich vor ihnen, der Wind ist aufgefrischt, fegt die Wolken vom Himmel und bläht das Segel. Die Trockenen lösen die Durchnäßten ab. Man spürt, alle sind erleichtert, das Marmormeer ohne Zwischenfall zu erreichen. Als Adonis Hanno am Ruder ablöst, wischt der sich die letzten Tropfen von den Wimpern: Ich habe die Boote der Pairates am Ufer liegen sehen. Hast du schon unsere Iatrike auf unseren nächsten Halt vorbereitet?

Adonis schüttelt den Kopf. Er wendet sich Marpesia zu: Das ist wirklich nötig. Sowie wir festliegen, steht hier alles Kopf. Du lernst noch eine andere Seite der Nautes kennen.
Bereits im Gehen ergänzt Hanno: Die neueste Art, ein Naus zu betreten und zu beladen, hast du in Ephesos und auf Chios kennengelernt. Wir lassen ein Naus nur noch selten einfach nauagein, wie zu Odysseus Zeiten.
Das Wort auf den Strand auflaufen kennt Marpesia: Ich bin gespannt, was ihr vorhabt. Bei uns legt man noch so an.

Adonis nickt in Erinnerung: Wir segeln heute nach Prokonnesos. Dort warten einige Lithes des berühmten Marmaros mit seinen grünen Adern auf uns.
Marmorblöcke kennt Marpesia aus Ephesos: Wie groß sind eure Lithes?
Um ihr eine Vorstellung zu geben, breitet Adonis seine Arme aus: Ungefähr so. Sechs Stück davon fehlen noch an einem Bau in Byzantion. Dort taucht die Insel ja schon auf.

Die beeindruckte Marpesia wirft einen Blick über das Meer, wo sich das Profil eines Berges prächtig vom Meer abhebt: Verrätst du mir, wie sie an Bord kommen?
Adonis geht das Anlegen und Verladen bereits im Geiste durch: Die Küste bei den Lithotomiai von Prokonnesos erlaubt kein Anlegen. Man kann auch nicht nauagein. Doch es gibt ja noch eine andere Methodos.
Das Bild von Steinbrüchen und die angedeutete Größe der Quader machen Marpesia auf die neue Methode gespannt: Ich kann mir vorstellen, die Steinquader machen das Schiff zu schwer, um den auf den Strand aufgelaufene Kiel wieder flott zu bekommen. 

Adonis läßt seine Gedanken in Worte fließen: Genau, um nicht aufzusetzen, muß man Anker werfen. Zum Laden haben die Besitzer der Lithotomiai in der Bucht einen Lithostrotos ins Wasser gebaut.
Steinbrüche kennt Marpesia nicht. Von Steinstraßen in Ephesos schließt sie: Kommen die Lithes auf Wagen aus den Bergen?
Adonis setzt die Regie in Marpesias Kopfkino fort: Du hast eine erstaunliche Phantasia. Hast du schon gesehen, wie Wagen rückwärts ins Wasser an einen Naus fahren? 

In ihrer Vorstellung sieht die Heilerin Wagen an das Schiff fahren: Nein. Aber von dort holt ihr die Lithes an Bord?
Nun fordert der Seemann die Fantasie der “Landratte” heraus: Ja, wir benutzen die Keraia, um die Steine auf den Naus zu hieven.
An die Rahe hat Marpesia keine sehr guten Erinnerungen. Sie versucht sich vorzustellen, wie die Rahe zum Kran für schwere Steine umfunktioniert werden kann: Ich bin gespannt auf die Art der Nautes, schwere Lasten zu bewegen.
Hanno kehrt in trockener Kleidung zurück und mischt sofort wieder mit: Bei starkem Wind hat ihr Gewicht beim Segeln sogar Vorteile. 

Die Reisende erinnert sich an Quader: Ich habe die Tempel in Ephesos bewundert, doch habe ich mich nie gefragt, wie die Lithes dort hingekommen sind. Doch deren Marmaros ist weiß.
Hanno erinnert sich an die Farbe des Marmors in Ephesos: Rein weißer Marmaros kommt von Paros.
Seine Bemerkung zaubert Marpesia aus Marmor gehauene Standbilder vor die Augen: Ich habe gehört, Marmaros von Paros wird meist für Andriaes verwandt.

Auf die Statuen bekommt sie schon keine Antwort mehr. Sie beeilt sich, an ihren alten Beobachtungsplatz zu gelangen. Fast das ganze Deck wird fürs Ankern, fürs Raffen des Segel und Umsetzen der Rahe genötigt. Dann brauchen es die an den Seilen mit aller Kraft ziehenden Männern, um die Schwergewichte zu bewegen. Die belasteten Seile knarren und die Männer ächzen. Zu Marpesias Erstaunen setzen die großen Lasten fast geräuschlos auf. Noch vor Einbruch der Dunkelheit ist das Geschäft erledigt. Alle, bis auf die Wache, begeben sich im Schutz der Bucht zur Ruhe.
Der nächste Morgen beginnt etwas gemächlicher. Byzantion ist nicht weit. Als die Anker an Bord liegen, leistet die Heilerin Kapitän und Steuermann wieder Gesellschaft. Hanno neckt seinen Bruder, obwohl er ahnt, daß dafür bisher keine Zeit war: Hast du unserm Gast schon von der gephyroun Potamon Ploios erzählt?

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