In der Nacht fährt Marpesia aus dem Schlaf. Hanno liegt so still neben ihr, daß sie sich besorgt zu ihm hinüberbeugt. Er atmet tief und gleichmäßig. Als sie sich beruhigt wieder hinlegt, bemerkt sie, Adonis hatte gerade die gleiche Eingebung: Er lebt?
Sie flüstert ihm zu: Er schläft sich gesund. 
Adonis haucht zurück: Das er lebt, haben wir dir zu verdanken. 

Er sinkt auf sein Lager zurück. An der Stelle, wo gerade noch sein Kopf war, erscheint ein Flimmern. Marpesia kann sich die Erscheinung nicht erklären: Hinter dir leuchtet ein Licht. Sterne und Mond können es nicht sein.
Adonis dreht sich kurz um und antwortet so leise, wie es geht: Dein Licht ist sehr irdisch. Du siehst das Leuchtfeuer des Pharos von Sestos auf der anderen Seite des Wassers.
Vom Leuchtturm von Sestos hat Marpesia noch nichts gehört: Es sieht aus, als wolle es euch behüten.
Ein tiefer Schnarcher hält Adonis zurück: Ich erzähle dir morgen von Sestos.

Heilerin und Kapitän ziehen sich ihre Decken wieder über den Kopf. Sehr früh am Morgen weckt ein erstaunter Schrei alle. Hanno kämpft sich durch sein Bewußtsein. Aus den Bruchstücke seiner Erinnerung gelingt es ihm nicht, ein sinnvolles Bild von dem zusammenzufügen, was am Vorabend geschehen ist: Was mache ich denn hier. Weshalb liege ich zwischen euch?
Während sich alle Andern noch einmal umdrehen, beruhigt Adonis seinen Bruder. Er schildert die Ereignisse. Die Erinnerung an die Nacht reißt ihre Mitreisende hoch. Sie blickt über das Meer und sieht etwas in den Himmel ragen, auf dem die Morgenröte spielt. Es bricht aus ihr heraus: Ist das der Pharos von Sestos?

Für kurze Zeit nimmt Hanno ihr die Sicht. Als er sich zurückdreht, ergreift er die auf der Decke liegende Hand der Heilerin: Ja, das ist der Pharos von Sestos. Aber für gestern hab’ vielen Dank. Mir fehlen die Worte. Vielleicht kommen sie später.
Um seine Antwort zu vervollständigen, aber auch um seine Verlegenheit zu überwinden sprudelt er hinterher: Ein Pharos leuchtet mit seinem Feuer für Ploies. Der von Sestos lenkt Ploies bei Dunkelheit nach Abydos. Sie müssen durch das enge Heptastadion.

Marpesia ist froh, daß der Dank in sachlicher Erklärung untergeht. Zugleich hört sie sehr viel Neues auf einmal. Schiffe kannte sie, Leuchttürme hat sie gerade kennengelernt, bleiben nur die sieben Stadien: Dann ist die Meerenge, durch die wir gestern Abend kamen, sieben Stadien breit?
Ebenso dankbar für die Ablenkung wie erstaunt über die Kombinationsfähigkeit nickt Hanno eifrig: Weil die Ufer so dicht beieinander liegen, ließ Xerxes auf seinem Heerzug nach Ellas hier eine gephyroun Potamon Ploios bauen. 
Marpesia hört diesen Begriff zum ersten Mal. Sie staunt über die lange Bezeichnung und übersetzt sich “überbrücken, Fluß, mit Schiffen”: Wenn die Ellenes eine so komplizierte wörtliche Beschreibung für eine Sache verwenden, dann müssen sie von ihr sehr überrascht worden sein.

Adonis staunt über die Gedanken seiner neuen Freundin. Doch die Zeit drängt: Wir sollten frühstücken und aufbrechen. Ich würde gern mehr über deine Meinung hören, doch laß uns darüber sprechen, wenn wir auf der offenen Propontis sind.
Marpesia nickt. Aus dem offenen Marmarameer schließt sie, daß es bald erreicht wird. Wie alle – räumt sie ihre Decke in ihren Reisesack und verstaut ihn wieder in der Kajüte. Nach der Mahlzeit mahnt Hanno zum Aufbruch: Ich gehe jetzt ans Ruder. Heute, im Hellespontos, werden alle gebraucht, besonders jedes Auge.

Adonis folgt ihm. Allen Ankündigungen zum Trotz kehrt er kurz darauf zu Marpesia zurück: Bevor du fragst, weshalb ich schon wieder hier bin, begleitest du mich zum Ruder? Dann können wir gemeinsam auf Pairates achten und gleichzeitig unser Gespräch fortsetzen.
Da er mit Angriffen von Seeräubern rechnet, folgen zunächst nur knappe Hinweise: Da drüben liegt Aigospotamoi. 
Hanno, der langsam seine alte Unbefangenheit zurückgewinnt, ergänzt: Dort besiegten kürzlich die Spartiates die Athenais.
Ihre Gesprächspartnerin fühlt sich an Auseinandersetzungen in ihrer Heimat erinnert: Bei uns folgen jedem räuberischen Heer räuberische Banden. Mir scheint, nach Seekriegen erwarten Pairates leichte Beute.
Adonis Stimme kling sehr besorgt: Wenn sie nicht überraschen, kann man es ihnen schwer machen. Sie haben ihre Lieblingsplätze. Doch nach Kriegen sind sie überall.

Hanno weist nach vorn: Da kommt Lampsakos. Dahinter wird es noch einmal sehr eng. Stellen, die alle Aufmerksamkeit fürs Segel lenken, lieben unsere Freunde besonders.
Noch einmal überrascht der Mythos des Meerarms Marpesia: Da ist wieder Nephele. Ich habe sie gar nicht kommen sehen. Sie weint sicher darüber, daß wir ihre Tochter Helle auch nicht gefunden haben.
Hanno nutzt die Gelegenheit, einiges gut zu machen: O, nein, sie steht uns bei. Sie läßt es nieseln. Die Küste ist gerade noch zu erkennen. Ihr geht jetzt besser ins Trockene. Ich melde mich, sollte es Problemai geben. Solches Wetter nimmt den Pairates die nötige Fernsicht.
Niemand scheint Probleme zu fürchten. Jeder, auf den verzichtet werden kann, folgt der Aufforderung und drängt sich in “das Schlafzimmer der Iatrike”. Von der Tür ruft Adonis zurück: Ich löse dich dann ab! 

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