Vorm Eingang postiert sich die kleine Baumeisterin: Unsere alten Langhäuser boten allen wetterfesten und trockenen Platz. An sie erinnern noch jetzt die Plattformen an den Enden.
Peri stellt sich neben sie und zeigt: Der Raum, der früher zwischen den Beinen des Langhauses überflutet wurde, blieb hier trocken. Er konnte dem Haus zugeschlagen werden.
Ihre Partnerin ergänzt: Gegenüber früher brachten wir hier alle in der Hälfte der Häuser unter.
Peri führt das Duett fort: Wegen der heißen Sonne suchten wir in unserer alten Heimat Schatten.
Adonis fällt seine Fahrt mit Marpesia ein: Das ist wie auf dem Schiff, wo ich dich in den Schatten des Segels holte. Auf See glüht die lebenspendende Sonne im Sommer zerstörerisch.

 Das gibt der kleinen Baumeisterin das Stichwort: Hier sollen die Häuser die Sonne einfangen.
Marpesia führt weiter aus: Lysippe behielt eine Angewohnheit von der Flucht bei. Die Gemeinschaft war verantwortlich für die Kinder. Nun sollte das Volk nicht nur für die Sicherheit sondern auch für Ausbildung der Kinder sorgen und damit für deren und die eigene Zukunft.
Alle Kinder fallen ein: Und deshalb gibt es unsere Kinderhäuser. Wir können laufen, deshalb sind wir nicht mehr im Haus der Säuglinge bei unsern Müttern. Und weil wir schon reiten können, sind wir auch nicht mehr im Spielhaus. Jeder möchte gern ins Haus der Reiter.
Marpesia wendet sich an Adonis: Jetzt weißt du, wie die vielen Langhäuser genutzt werden.
Der kleinen Baumeisterin fällt ein: Als die Frauen noch in der Überzahl waren, lebten alle gemeinsam in Langhäusern, wie heute Alte und Amazones, die zu Besuch kommen.

 Marpesia erinnert sich noch gut: Weil es so wenig Männer gab, mußten sie sich bei den Nachbarn nach Partnern umsehen. Ihr “lockerer” Ruf lockte Erakles und Theseus an.
Peri denkt an eine Lieblingsbeschäftigung: Aber die waren auch an unseren Pferden interessiert. Sie waren der Anlaß, daß die Kinderhäuser entstanden und daß wir den Han änderten.
Marpesia führt den Anlaß aus: Beim Angriff von Erakles und Theseus Horden gelang es uns im letzten Augenblick, unsere Kinder und Pferde unbemerkt in Sicherheit zu bringen.
Peri kennt die Geschichte: Sie waren auch der Anlaß, daß aus dem Seekönig eine Kriegskönigin wurde. Nach und nach änderte sich immer mehr, weil die Männer nicht mehr auf See fuhren.

 Marpesia muß an aller Vorbild denken: Wie oft hatte Lysippe sich in der Wüste eine Unterkunft gewünscht, um Kranke oder Verletzte vor der Qual zu bewahren weiter zu müssen.
Die kleine Baumeisterin ergänzt: Deshalb machte sie auch aus einem Langhaus einen Han. Es dauerte nicht lange, da hatte er sich herumgesprochen und auch Nachbarn brachten Kranke.
Bei Nachbarn fällt Marpesia ein: Weil wir parteilos waren, holte man uns als Kuriere.
Die inspirieren die kleine Baumeisterin: Die Herrscher, die unsern Dienst nutzten, halfen uns, Etappenunterkünfte zu errichten. Allein stehende Hane sollten nicht nur gegen Wind und Wetter schützen, sondern sich auch gegen Räuber verteidigen können. Dafür schien uns der uns fremde und ungewohnten Steinbau unserer Nachbarn in Hattusa geeignet.

 Das erinnert Adonis an seine Herberge: Unter den Kamara im Han fühlte ich mich wie Zuhause.
Die kleine Baumeisterin erklärt die “Gewölbe”: Die Kamara haben wir kennengelernt, als eine von uns, Ephesia, durchs Land zog und am Baum der Amazones Ephesos gründete.
Marpesia streicht ihr über das Haar: Ich war dort, als Adonis mich mitnahm. Beim Tempel am Baum der Amazones entstand der erste Han an der Thalatta. Und weil in jedem Han Amazones arbeiten, wuchs mit jedem neuen Han die Chance der Mädchen, einen Partner kennen zu lernen.
Adonis staunt: Jetzt begreife ich, warum ihr keinem und doch allen Völkern gleicht. Vielleicht waren Partner unterschiedlicher Hautfarbe sogar wegen ihres sichtbaren Andersseins begehrt.
Weil er sie ansieht, lacht Peri: Die unterschiedlichsten Kulturen und Erfahrungen begegnen sich.
Adonis lacht zurück: Deshalb wird bei euch gleichzeitig amazonisch, griechisch, persisch und die Sprache von Ferghana gesprochen. Das muß euch als Kurieren sehr nützlich sein.

 Marpesia sieht den Beiden zu: Doch unser Kurierdienst hatte die Folge, daß wir uns auch auf Männer einstellen mußten, die aus Völkern kommen, die miteinander im Krieg liegen.
Da setzt die kleine Baumeisterin ein: Wir entschärften die Konflikte durch kleinere Häuser. Wenn es möglich ist, sich zurückzuziehen, schleifen sich Gegensätze leichter ab.
Adonis lacht wieder: Ich habe schon einen alten Mann aus Ellas mit einem aus Persien gesehen. Sie saßen zusammen und witzelten eher verzweifelt über die Kriege ihrer Heimatländer.

 Marpesia nickt: Vielleicht gibt es deshalb so wenig Männer, die es trotz zweier Königinnen bei uns nicht aushalten. Aber hier müssen sie sich ja auch um kein Erbe sorgen. Viele Paare bleiben ihr Leben lang beieinander, obwohl wir keine Ehe kennen. Sie haben oft Besuch von Jungen, die im Überschwang einer stürmischen Begegnung von der ewigen Liebe träumen.
Peri hat noch einen Haken: Die Ellenes, die hier siedeln, haben Problema mit unseren Partnern aus Ellas, weil sie sich ihrer Polis nicht unterwerfen wollen. Obwohl sie es besser wissen, halten sie an unserm Ruf in Ellas fest. Schon die Argo fuhr nur wegen des Goldes nach Kolchis.
Die “Probleme” bewegen Adonis: Euern Ruf bei den Ellenes verdankt ihr ihrer Angst um ihre vermeintlichen Vorrechte. Dabei ist euer Reichtum das Gebrauchtwerden, kein totes Gold.

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