Marpesia, Melanippe, Peri und Adonis kommen von der morgendlichen Pferdepflege. Plötzlich bleibt Adonis abrupt stehen: Nun bin ich schon so lange hier und erst jetzt fällt mir die eigenartige Bauweise eurer Häuser auf.
Sofort hat Peri eine Lösung: Vielleicht habe ich dafür gesorgt, oder der Bogenbauer beim Suchen nach Hölzern. Und nun betrachtest du unsere Häuser genauer.
Adonis tastet sich vor: Das stimmt, seine Materialkenntnis hat mich auf Holz achten lassen.
Dann wirft Melanippe ein: Vielleicht ging es dir, wie mir jetzt beim Treffen mit Hanno. Ich sah Peri wieder zu ihm aufs Schiff laufen. In der Erinnerung blieb mein Blick am Holz hängen.
Marpesia blickt ihre Tochter erstaunt an: Du meinst, die Begegnung mit seinem Bruder hat Adonis an sein altes Zuhause erinnert? Auf dem Schiff umgab ihn nur Holz und Leinwand.
Melanippe nickt und wendet sich Adonis zu: Du mußt einen siebenten Sinn haben. Weißt du, was wir vorhaben? Wir wollen heute über Häuser, ihren Bau und ihre Nutzung sprechen!

 Es wird Zeit zu gehen. Die Kinder warten schon. Sie werden mit dem gerade besprochenen Problem konfrontiert: Adonis wundert sich darüber, daß wir Holzhäuser bauen.
Im Chor kommt die Antwort: Kein Wunder er wohnt ja auch im Han, wie alle Besucher.
Marpesia freut sich über die Beteiligung: Das stimmt. Über den Han sprechen wir später noch.
Peri kann sich kaum bremsen: Als wir mit Lysippe hierher kamen, wollten alle in diesem Tal bleiben. Doch für Lysippe waren unsere Vorfahren natürlich mal wieder viel zu langsam.
Melanippe ergänzt: Für sie war klar, wenn wir bleiben wollen, brauchen wir Unterkünfte.
Peri kann Lysippe verstehen: Damals war ja niemand hier, der uns beherbergen konnte. Also drängte der Bau von Unterkünften. Lysippe mußte ihr Volk bewegen, Ungewohntes zu tun.

 Die Kinderschar tönt: Lysippe erinnerte sich sicher an Häuser, die wir früher selber bauten.
Die zu einem anderen Treffen eilende Melanippe wendet sich um: Ich ärgere mich manchmal, wenn etwas so getan wird, nur weil man es so kennt. Doch meistens ist Nichts-tun schlimmer.
Marpesia freut sich über den Einwurf: Was man einmal konnte, müßte man auch wiederholen können. Wir haben ja eine kleine Fachfrau, weißt du, wie es in unserer alten Heimat aussah?
Ein Mädchen drängt sich zu ihr: Unsere Dörfer lagen an einem großer Fluß. Der machte unsere Felder fruchtbar. Wie der Nailos in Aigyptos überschwemmte er alles regelmäßig.

 Der “Nil” in “Ägypten” läßt Adonis fragen: Gleicht Themiskyra euerer alten Heimat?
Die kleine Baumeisterin lacht hell auf: Nein, es war noch flacher. Bei Flut ragte keine Stelle aus dem Wasser heraus. Einige von uns wohnten sogar in Hütten aus schwimmendem Schilf.
Peri erklärt Adonis: Lysippe dachte an Langhäuser. Die standen wegen der Flut auf Beinen.
Die kleine Baumeisterin: Egal, bei welchem Wasserstand, wir lebten auf trockenen Plattformen.
Marpesia mischt mit: Bald trieb uns der alles durchnässende Regen dazu, über der Plattform ein Dach aus breiten Blättern zu errichten. Nun saßen wir bei Flut und bei jedem Wetter trocken.

 Das kleine Baumeisterin ergänzt: Unter dem Dach konnte man schon bequem leben. Eine Urahne von mir lag gern in der Sonne und überlegte, wie das Haus noch bequemer würde.
Peri folgt ihrem Gedanken: Für ihre Idee konnte man die Pfosten der Plattform nutzen.
Ihre Partnerin lacht verschwörerisch: Man mußte sie nur über die Plattform ragen lassen.
Ein weiteres Kind erweitert das Duett: Und wenn man das Dach darauf legen würde, konnte man darunter sogar stehen. Aber flogen dann nicht Vögel quer durch das Haus?
Die kleine Baumeisterin lacht: Vögel, Insekten und andere Tiere hielten Wände aus Flechtwerk draußen. Die Flechtwände stellte man zwischen die Beine. Sie schützten auch vor Treibregen.

 Nun fühlt sich Marpesia angesprochen: Wegen der Hitze reichten ganz leichte Füllungen aus Rohr oder Blättern. In einen Rahmen waren sie sogar zu bewegen. Und über ihnen strömte kühlende Luft unter dem Dach entlang und trat oben an den Giebeln wieder aus.
Das fordert kleine Baumeisterin heraus: Die Dendres waren hohl und deshalb nicht schwer.
Das gibt Peri das Stichwort: Mit ihnen konnte man hoch bauen. Und sie hatten große grüne Wedel statt Blättern, die man gut zum Dachdecken oder Mattenflechten benutzen konnte.
Die Baumeisterin nickt: Den Dendron, von dem Lysippe immer sprach, gibt es hier nicht.

 Der “Baum” läßt Marpesia nicken: Das ließ unser Volk zögern. Was machte man stattdessen?
Peri hat eine Lösung: Auf unserer Wanderung sahen wir unterschiedlichste Behausungen.
Da tönt es aus den Reihen: Marpesia, das Volk der Berge des Himmels baute doch mit Steinen?
Marpesia streicht dem vordersten Kind über das Haar: Ja, die Häuser waren aus Steinen gebaut, die man fand oder aus den Felsen brach. Sie hielten im Winter die bitterste Kälte draußen.

 Die kleine Baumeisterin sieht ein Hindernis: Wir wußten aber nicht, wie sie gemacht wurden. Dafür sahen wir im Kaukasos Häuser, die Lysippe entfernt an unserer alten Häuser erinnerten.
Peri nickt ihr zu: Wir gingen in den Wald und sahen uns zum ersten Mal bewußt Dendren an.
Ihre Partnerin fährt fort: Die Dendres in Kolchis haben statt Wedeln kleine Blätter oder Nadeln.
Marpesia fragt: Wolltest du nicht wohin? Du hast mir eine Überraschung versprochen.
Sofort setzt die kleine Baumeisterin sich stolz in Bewegung: Wir bauen gerade neue Häuser. Dafür fällen meine Eltern Dendres. Die sollen heute den Thermodon herabkommen.

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