Im Hafen von Ephesos liegt ein einziger phönizischer Segler. Die Ladearbeiten sind gerade beendet. Alles ist verstaut und die Mannschaft bereitet das Ablegen vor. Adonis, der Kapitän, sieht eine Gruppe auf das Schiff zukommen. An ihren typischen erdfarbenen Kutten sind sie als Heilpriesterinnen zu erkennen. Wenn eine von ihnen der angekündigte Mitreisende war, kam er, …, nein sie, genau zum verabredeten Zeitpunkt. 

Adonis hatte seinen Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da stellt sich eine der Chlainaträgerinnen tatsächlich als sein Fahrgast heraus. Ihre Begleiterinnen verabschieden sich mit großer Herzlichkeit. Dem aufmerksamen Phoinikos entgeht dabei nicht, daß die sich nun dem Schiff Nähernde sehr ehrfürchtig behandelt wird. Aus seiner Beobachtung schließt der Kapitän, daß gerade eine hohe Priesterin des Ordens der Heilpriesterinnen an Bord kommt.

Sie entert sein Schiff erstaunlich gewandt und wendet sich sofort an den sie scheinbar Erwartenden: Bist du Kapitän Adonis? Mein Name ist Marpesia. Man hat mir gesagt, dein Schiff reist nach Kolchis.
Nach dem gebührenden Gegengruß, entschuldigt Adonis sich freundlich: Ich grüße dich Marpesia. Ich bin Adonis und habe die Absicht nach Kolchis zu segeln. Doch ich denke, wir sollten unsere Begrüßung nachher fortsetzen. Ich sollte mich jetzt erst um das Ablegen kümmern. So, wie du an Bord gekommen bist, kennst du dich mit dem Reisen aus. Du weißt also, hier wird gleich sehr viel geschehen. Dort vorn ist ein sicherer Platz, an dem du keine Gefahr läufst, umgerannt zu werden.
Marpesia: Ich danke dir für deinen freundlichen Empfang. Ich bin ganz deiner Meinung. Wir haben ab jetzt viel Zeit, uns richtig zu begrüßen.

Während der Kapitän sich umwendet und einige Kommandos gibt, sucht die Priesterin die ihr empfohlene Stelle auf. Von hier kann sie bequem den Zurückbleibenden vom ablegenden Schiff zuwinken. Mit einem der folgenden Manöver verliert sie die von der Mole Zurückwinkenden aus den Augen. Nun fällt ihr auf, mit welcher Umsicht die Mannschaft das Schiff ins Fahrwasser des Hafens bringt. Elegant findet es einen Weg durch die anderen abfahrenden und ankommenden Schiffe. Es scheint eine sehr angenehme Reise zu werden. Marpesia ist von der Kunst des Kapitän und seiner Seeleute beeindruckt. Besonders, weil er für seine Aufgaben sehr jung scheint.  Das geschäftige Hin und Her der Seeleute spult sich ab, als gäbe es die Gestalt in der erdfarbenen Kutte dort vorn an dem Bug gar nicht. Der Eindruck, wie richtig ihre Wahl gewesen war, verfestigt sich. Phönizier waren einfach die vertrauenswürdigsten Seeleute. Hellenische Kauffahrer lehnten Frauen als Fahrgäste manchmal sogar generell ab. 

Der Blick der Priesterin gleitet über das Schiff und verharrt schließlich in der Weite des Meeres. In seinem unendlichen Spiegel reflektiert sich gleichmütig die Ewigkeit. Die Welt scheint stillzustehen. Jede Veränderung, auch eine Reise, erscheint in diesem Augenblick utopisch. Im gleichen Moment erfaßt der Zauber, unerreichbar für diese Welt zu sein, auch das Schiff. Auf einen Schlag erstirbt die lärmende Geschäftigkeit an Bord und läßt die irritierte Beobachterin sich abrupt wieder dem Deck zuwenden. Der Wind erschreckte die Reisende immer wieder. Seine Böen peitschen das bisher flatternde Segel zu lautem Knallen. Nun bläht sich ihr eine pralle Leinwand entgegen. Der Wind singt wie eine Äolsharfe leise auf den Fäden des Segeltuchs. Das Schiff scheint seine Reisegeschwindigkeit erreicht zu haben, denn der letzte Seemann zieht sich in den Schatten zurück.

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