Marpesia gibt zu: Ich verstehe es auch noch nicht. Aber vielleicht kommen wir gemeinsam darauf! Versuchen wir’s. Wie kommt Luft in die Lunge und Essen und Trinken in den Magen?
Wieder meldet sich der Spezialist für dieses Fachgebiet: Vom Mund durch die Speiseröhre.
Belustigt ergänzt Peri: Und damit deine Lieblingsbeschäftigung das Luftholen nicht stört wird, holt sich die Lunge die Luft durch die Luftröhre.
Gelächter über die Unterstellung ertönt. Marpesia bremst die lachenden Kinder: Ihr lacht. Aber Verdauung ist eins unserer Thema von heute. Wo läßt du dein Essen?
Der Kleine streckt stolz seinen Bauch vor: Sieht man das nicht?
Als wieder Ruhe einkehrt, fragt Marpesia: Wenn du das Essen so magst, behältst du es in deinem Magen? Oder rutscht es in deine Beine?
Nun lacht der Kleine laut los: Du willst mich aufziehen! Mama fragt mich immer, ob ich nicht merke, daß mein Magen voll ist. Ich müßte ihn doch bei seiner Arbeit fühlen.
Einer seiner Nachbarn frozzelt: Ich habe ihn gerade sogar klagen gehört.
Marpesia lenkt ab: Die Luft atmet ihr ein und aus, und das Essen?
Der Kleine brüllt vor Ekel: Manchmal muß ich mich zwar erbrechen, aber eigentlich kommt es als Kaka wieder.
Die Antwort hatte Marpesia nicht erwartet: Essen wandert also durch deinen Körper. Dein Magen hat sich gerade über die viele Arbeit beschwert.
Die Aufwallung entlockt seinem Po ein Geräusch: Entschuldige, mein Darm trompetet. Mein Vater sagt immer, er stöhnt über die Last, die ich ihm zu mute. Ich soll mehr auf beide hören.
Peri lacht über die Aufforderung: Wie die Pfiffe der Patrouillen warnen deine Organes!
Zwischen das Gelächter über ihren pupenden Kameraden fragt Marpesia: Wenn sich das Essen in euch verändert hat, müssen euer Magen und euer Darm etwas damit gemacht haben.
Der Kleine versucht seine Ungehörigkeit mit einer pfiffigen Vermutung wieder gut zu machen: Holen sie die Kraft aus dem Essen, die meine Muskeln brauchen?
Mit den Organen, den Werkzeugen ihres Körpers haben sich noch nicht viele Kinder befaßt: Aber, wie kommt die Kraft aus dem Essen vom Magen zu den Muskeln?
Der Kleine antwortet voller Überzeugung: Marpesia hat so viel von Blut geredet. Blut fließt durch unsern Körper. Wir müssen sicher dafür trinken, daß es fließen kann.
Marpesia betrachtet den Kleinen angetan: Du hast gut geraten. Wenn dein Magen das Essen und Trinken verarbeitet hat, was passiert dann?
Nun sind sich alle sicher: Das Trinken kommt als Pippi wieder und das Essen als Kaka.
Der Kleine ergänzt ganz überzeugt: Jetzt wissen wir, was wir mit deinen Röhren und Adern tun.
Marpesia lächelt über so viel Zuversicht: Ja, wir glauben, das Blut bringt den Muskeln die nötige Nahrung für die Kraft, die sie aufwenden müssen.
Der kleine Knubbel meldet sich wieder: Mein Vater sagt immer, Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Jetzt weiß ich, auch die Luft gehört dazu. Und alles kommt woanders wieder heraus!
Peri mischt sich ein: Ich glaube, das ist so, weil Essen, Trinken und Atem eine unterschiedliche Physis haben. Luft ist leicht und steigt auf.
Mit der “Beschaffenheit” von Luft kennen sich alle aus: Das stimmt, im Winter kann man sehen, wie der Atem als Wolke aufsteigt.
Marpesia freut sich über die Beobachtung: Und Essen und Trinken sind schwerer. Sie sinken durch unsern Körper, damit die jeweils dazu geeigneten Organes herausholen können, was wir zum Leben brauchen. Die Organes sind im Körper verschieden verteilt!
Der Kleinen zeigt seine Liebe zum Detail bei diesem Thema: Müssen sie ja, Pippi kommt vorne, Kaka hinten.
Die Fähigkeiten ihrer “Werkzeug” beflügeln die Zuhörer: Was wir brauchen, muß das Beste sein. Denn, was unten wieder herauskommt, riecht nicht mehr gut!
Einem der Kinder fällt etwas bisher nicht Bemerktes zu den inneren Werkzeugen auf: Warum verändern unsere Organes Essen und Trinken, aber nicht die Luft.
Es läßt Peri eine Erkenntnis gewinnen: Das denken wir, weil man die Luft nicht sehen kann.
Marpesia stimmt begeistert zu: Wir wissen von all’ dem noch viel zu wenig. Wir wissen nur, was passiert, wenn man kein Essen und Trinken hat und keine Luft bekommt.
Dem gesamten Chor gefällt die Frage nicht: Man wird erst krank und am Ende stirbt man.
Marpesia beruhigt: Das wollen wir ja nicht! Achtet ab jetzt darauf, und wenn ihr merkt, daß meine Gedanken nicht richtig sind, sagt es mir sofort. Ich muß noch so viel lernen!
Die mit dieser Antwort entlassenen Kinder bleiben in Gruppen stehen und spekulieren über das Gehörte. Während Marpesia sich mit Adonis auf den Weg zurück macht und Peri in den Han geht, um sich ihrem „Spiel“ zu widmen, tönt es aus den Grüppchen: Das glauben wir nicht!
Adonis ist ganz nachdenklich: Ich habe unsere Heiler noch nie von Organes und von Synthesis unter ihnen sprechen hören. Und bei euch diskutieren schon die Kinder über so etwas.
Melanippe hört „Werkzeuge“ und „Verbindung“, als sie auf die Beiden zukommt: Sprecht ihr über Organes? Marpesia nennt einzelne Bestandteile des Körpers so.
Adonis ist überrascht: Ich habe ich dich gar nicht kommen gesehen. Wie so vieles, was ich hier höre, ist es für mich ungewohnt, leuchtet jedoch ein. Ich habe sehr viel zu verdauen!
Marpesia lacht über das Wortspiel, als sie Melanippe antwortet: Du hast deine Ohren aber auch überall. Doch Organon hast du mir von deiner großen Liebe aus Kyrene mitgebracht.
Melanippe übergeht das “Werkzeug” weil sie plötzlich etwas anderes bewegt: Damals war er es noch nicht. Taharqa hatte mich eingeladen, ihm bei einer neuen Aufgabe behilflich zu sein.
Marpesia scheint diese Antwort erklärungsbedürftig: Iatrikes aus Kyrene haben einen Ruf, den man sogar in Aigyptos kennt. Kurz vor Melanippes Besuch luden die Aigypties einen Iatrikos aus Kyrene ein.
