Adonis blickt nachdenklich vom Bogen auf seinen Meister: Muß das Holz nicht sehr elastisch sein, um die Wurfarme so vorspannen zu können? 
Der Bogenbauer nickt: Deshalb nehme ich für diese Bögen auch Pournari. 
Die “Eibe” ist Adonis nicht unbekannt: Sein Holz ist sehr biegsam. Für Schiffsmasten ist es nicht geeignet. Wenn eine Böe die Taue spannt, vergleiche ich Masten mit Bögen. 
Bogenbauer lacht: Daran habe ich noch nicht gedacht. Ihr gebt euerm Mast Halt durch gespannte Seile. So kann euch der Wind vorantreiben. Wir biegen den Bogen mit der Sehne. Der treibt einen Pfeil, weit und durchschlagend zu fliegen. 
Adonis fühlt sich verstanden: Aber zu euerm Bogen gehört mehr als elastisches Holz. 
Der Bogenbauer nickt wieder sachverständig: Möchtest du die Theoria wissen? 

Auf diese Frage hin kommt mit Peri einem Stab und biegt ihn: Kannst du an der Innenseite die ganz feinen Falten sehen? Hier wird das Holz zusammengepreßt. 
Dann dreht sie den Stab um und fragt Adonis: Und auf dieser Seite? 
Adonis versteht: Hier reißen die Fasern. Und dagegen muß unser Meister etwas tun. 
Der reicht Adonis einen Amazonenbogen: Der fühlt sich ganz anders an als der eben. 
Peri zeigt auch hier wieder ihre Kenntnis: Das, was du fühlst, sind Tenon und Keras. 
Adonis versucht “Sehne” und “Horn” zu fühlen: Keras kann ich erkennen. Hast du es mit Leim festgeklebt? Die Außenseite sieht aus, als wäre sie ganz aus Leim. 
Bogenmacher freut sich über die Sachkenntnis: Kein Wunder, daß du Tenon nicht kennst. Sie kommt aus den Beinen von Büffeln. Beide sind mit Ichthyokolla geklebt.  

Den “Fischleim” kennt Adonis vom Bau der phönizischen Schiffe: Kann man Leim nicht auch aus Knochen machen? 
Bogenbauer nachdenklich: Geleimtes hat einen Nachteil. Es ist empfindlich gegen Feuchtigkeit. Da klebt Ichthyokolla dauerhafter. Gleich kommt übrigens mein Lieferant. 
Da betritt der Cousin des Fernmelders die Werkstatt. Peri begrüßte ihn: Ach deshalb haben wir dich gestern getroffen. Bringst du dem Toxontechnites Ichthyokolla? 

Danach begrüßen sich die Männer. Der Fischleim erinnert Adonis: Ich habe am Tanais auf der Agora einen Fisch gesehen, der war so groß wie ein Delphinos. 
So viel große Fische gibt es nicht auf dem Markt: Das muß ein Antakaios gewesen sein. 
Den Stör kennt Adonis aus dem Schwarzen Meer: Ich wußte nicht, daß sie so groß sind. 
Der Leimhändler lächelt voller Erinnerung: Sie werden bis 11 bis 12 Orguia lang und 50 Talentes schwer. Sie kommen nur zum Laichen in den Tanais. Ihr Fleisch und ihr Rogen sind sehr geschätzt.  
Die “Klafter” und das “Gewicht” hatte Adonis nicht erwartet: Ich habe sie probiert. Du kennst den Antakaios so gut und ihr redet von Ichthyokolla. Liefert dir der Fisch Leim? 

Auch der Leimhändler staunt über Adonis Geistesgegenwart: Ja, für mich ist seine Schwimmblase wichtig. Ihre innere Haut wasche ich in Kalkmilch, schneide sie auf und breite sie zum Trocknen an der Luft aus. Die getrocknete, silberweiße, innere Haut gibt den Fischleim. Um zu Leimen, macht man ihn heiß. 
Der Leimhändler breitet seine Ware aus. Er hat es eilig: Ich muß heute noch zurück.  
Der erfindungsreiche Skytos von gestern scheint Adonis der Bruder des Bogenmachers: Du arbeitest mit Mas Segen. Leim kommt vom Fisch und Sehnen und Horn vom Büffel. 
Der Bogenbauer nickt erneut: Ma sei Dank. Das Holz trägt beides. Das Horn hält doppelt soviel Druck aus wie Holz und die Sehnen den vierfachen Zug. Das Holz kann sehr viel dünner werden. Dünne Bogenarme sind elastischer und kurze Wurfarme kraftvoller. 

Peri ist völlig überzeugt: Er fand ein pragma idea und die für uns der effektvollste Form. 
Der Meister des “ideale Materials” erklärt: Die Form wird nur durch das Zusammenleimen erst möglich. Damit entsteht für Reiter die hervorragend geeignete leichte und kleine Waffe. Zieht man mit der Kraft, die man braucht, um 2 1/2 Talentes zu heben, fliegen gute Pfeile bis zu 4-5 Stadia weit. Eine ausgezogene Sehne darf man niemals ohne Pfeil loslassen. Wer tut das schon! Der Bogen könnte beim Zurückschnellen zersplittern. 
Peri ist begeistert: Bei einem Linkshandbogen, wie für mich, muß er alles auch noch mal umdenken. Er ist ein begabter Technites, ein Demiourgos. Und du Kennst schon Ma! 

Der “Meister” und “Kenner” Genannte überrascht mit einem weiteren Detail: Man muß auch bedenken, ein Toxotes muß zum Zielen sein stärkeres Auge benutzen können. 
Adonis nimmt den Bogen noch einmal in die Hand, um sich zu überzeugen: Ma kenne ich durch deine Großmutter. Mir fällt noch ein Unterschied auf, die Symmetria.  
Der Bogenbauer freut sich über die genaue Beobachtung: Ein Bogen mit gleich langen Armen funktioniert beim Reiten nicht. Im Sitzen muß der untere Wurfarm kürzer sein. 
Adonis betrachtet den Bogen in seiner Hand: Stimmt, man greift den Bogen nicht in der Mitte, sondern tiefer. Dann muß der untere Arm ja steifer sein sein als der obere. 
Statt einer Antwort mahnt der Gastgeber: Wollen wir nicht aufbrechen. Wir kommen spät zum Essen. Ich verpasse ungern eine Gelegenheit, die Andern regelmäßig zu treffen. 

Adonis kämpft mit der gerade erlebten Flut an Wissen: Da tauscht ihr euch aus? 
Diese Möglichkeit nutzt er beim Essen. Er fragt Marpesia: Was macht ein Bogenbauer beim Tod eines Büffels? 
Marpesia ahnt den Grund der Frage: Er sucht nach Sehnen und Horn. 
Adonis: Eure Büffel tragen imponierende Hörner. Sie haber sicher auch lange Sehnen. 
Melanippe nickt: Dir ist sicher aufgefallen, wir essen selten Fleisch. 
Man spürt an Peri einen Widerwillen: Wenn wir einem Tier das Leben nehmen, bitten wir Ma um Vergebung, weil wir uns an einem ihrer Wesen vergreifen. Wir hoffen den Tieren das Leben so zunehmen, daß sie möglichst wenig leiden müssen. 
Marpesia erklärt geduldig: Und wenn ein Büffel geopfert wird, achtet der Toxopoietikos auf die Sehnen und das Horn. Er weiß am besten, was er braucht und wo man es findet. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert