Vielleicht hatte gestern das Warten Adonis stärker auf seine Befindlichkeiten achten lassen. Oder Gesäß und Schenkel sind inzwischen geübter, daß er sie heute weniger spürt. Dafür fehlt es ihm sichtlich an Übung, mit Pferden umzugehen. Perithymone, die ihm beim Füttern und Trockenwischen hilft, bekommt seinen erstaunten Blick mit: Ja, wir sind allein. Alle drängt es zu dem, was sie am liebsten tun. Der Ausflug mit Marpesia zu den Geranes hat den normalen Tagesablauf auf den Kopf gestellt. Zwei Übungen hintereinander sind für Kinder einfach zu viel. Jetzt müssen sie “alles” nachholen. 

 Adonis versucht sich das Leben in Themiskyra vorzustellen: Was spielen die Andern jetzt Fangen und Verstecken?   
Perithymone lacht laut auf: Das haben wir doch gerade hinter uns! Sind Reiten und die Übungen, die uns die Geranes heute morgen vorgemacht haben, etwas anders?   
Verdutzt versucht ein Erwachsener aus einer Gegend mit anderen Gewohnheiten den Tagesablauf seiner jungen “Lehrerin” zu begreifen: Was bei uns Spiel ist, ist bei euch ernst. Spielt ihr auf die gleiche Art auch mit Pfeil und Bogen?   
Perithymone nickt eifrig: Ich habe gehört, im Westen verbietet man Kindern das Hantieren mit scharfen Gegenständen. Bei uns nicht. Melanippe meint, nur wer mit der Gefahr vertraut ist, kennt das Risiko. Deshalb üben wir alle zusammen “gefährliche” Dinge. Danach macht jeder, was ihm am liebsten ist. Einige versuchen sich bei Schreibern, andere in der Küche oder bei Handwerkern, wieder andere in den Gärten oder Ställen.   

 Das erinnert Adonis an die Rückkehr von den Kranichen: Deshalb blieben vorhin einige am Fluß und setzten sich in die Boote der Fischer.   
Perithymone nickt: Das konnte einem Seemann ja nicht entgehen! Sie lernen, wie man mit dem Fang umgeht und Netze und Segel flickt, aber auch wie man Boote baut. Mich begeistern Marpesias Heilkünste. Ich sammele Heilkräuter und pflege Kranke.   
Dem Phönizier fällt es schwer, sich diesen “Wiesel” am Krankenbett vorzustellen. Er ist beschämt: Und ich halte dich nicht nur von deiner Lieblingsbeschäftigung ab!   
Perithymone lacht fröhlich: Im Gegenteil. Ich  werde gerade mehr als entschädigt. Marpesia sagt immer, um richtig zu begreifen, muß man erklären. Und bei Fremden und Großen ist die Chance am größten, dabei Neues kennenzulernen. 

 Adonis war als Kind mit seiner Neugier immer an Grenzen gestoßen: Von Erwachsenen lernen? Aber doch nur, wenn die euch lassen!   
Lachend zieht das Mädchen den Skeptischen hinter sich her: O, die lassen uns schon! Komm, ich zeige es dir! Ich habe ja versprochen, dir den Han zu zeigen. Du wirst staunen.   
Adonis sträubt sich etwas: Ich kann dir doch nicht dauernd zur Last fallen.   
Perithymone winkt ab: Du bist keine Last. Ich bin oft im Han. Aber heute mußte meinen Teil bei den Kranken schon wer Anderes übernehmen. 

 Der neugierige Adonis folgt seiner Führerin gern: Wohin führst du mich jetzt?   
Die Frage läßt seine Führerin stoppen: Heute geht es auf den Turm. Der Han hat einen, weil Themiskyra so tief liegt. Wir müssen jetzt eine lange Treppe hinauf!   
Die vielen Stufen beschäftigen den Phönizier: Hier werden also nicht nur Reisende und Kranke versorgt. Ich nehme an, mich erwartet ein weiter Rundblick. Ist oben eine Wache?   
Die viel Leichtfüßigere vor ihm ruft über die Schulter: Patroullien beobachten die Natur und Fremde und melden jede Veränderung dem Han. Vielleicht hast du ihre Pfiffe gehört. 

 Die Plattform des Turms blendet die Augen. Dann tauchen blinkend merkwürdige Geräte in der Sonne auf: Von hier halten wir Kontakt zu anderen Hans. Das ist ein Kat-optron.   
Perithymone winkt einem an einem “Spiegel” hantierenden Mann zu. Der setzt die Erklärung fort : Dieses Kat-optron ist auf den Turm von Amysos gerichtet, das dort auf den nächsten Han an der Küste nach Trapezous und das den Thermodon hinauf Richtung Komana.   
Als er zu einer anderen Schüssel geht, zieht Perithymone Adonis hinter sich her: Das ist mein Freund, der hat gerade ein bewegliches Kat-optron gerichtet. Dies ist Adonis.   
Der Neuankömmling ist schon bekannt: Hallo Phoinikos. Mit dem Kat-optron fange ich für ein Tele-aggelia nach Amysos Sonnenlicht ein. An diesem schreibe ich. 

 Adonis muß das Wort Fernschreiben erst einmal verdauen. Der Nachrichtspezialist läßt ihn in einen glitzernden, blank polierten Spiegel blicken: Mit Lichtblitzen, wie du sie hier siehst, meldet sich jeder Han bei seinen Nachbarn. Ein langes Leuchten kündigt ihn an.   
Perithymone kann sich nicht bremsen: Für das Schreiben wird mit dem Fächer dort der eingefangene Strahl der Sonne unterbochen. So entsteht aus Lichtzeichen eine Nachricht.   
Der Herr über die Spiegel kann Perithymones Ausführungen nur ergänzen: Die Idee lieferte Pythagoras’ Gesetz über die Armonia und Hippokrates Überlegungen zum Kyklos.   
Die Worte Harmonie und Kreis wundern Adonis: Pythagoras und Hippokrates kenne ich. Aber auf die Idee, ihre Gedanken mit Nachrichten zu verbinden, muß man erst kommen.   
Auch Perithymone stolpert über die Philosophen: Das wußte ich auch nicht. Ich dachte, die Sonne, die ihr auf dem Wasser aufblitzen gesehen habt, hat euch darauf gebracht. 

 Ihr Lehrer ist stolz auf seine Musterschülerin: Ja, ein Verwandter aus Skytia war hier bei mir auf dem Turm, als uns ein Lichtblitz auffiel. Die Sonne spiegelte sich im trägen Thermodon.   
Perithymone rechtfertigt seinen Stolz: Dein Cousin meinte, so etwas könnte einer seiner Nachbarn ohne Wasser. Der hätte ihm gezeigt, wie man Metall mit Gold überziehen kann.   
Der Fernschreiber läßt sie in die Schüssel sehen: Seht ihr, man kann sich darin spiegeln.   
Staunend entfährt es Adonis: Eine so blank polierte Fläche habe ich noch nie gesehen.   
Der erfinderische Mann glaubt beim Phönizier Skepsis zu bemerken: Fragst du dich, was wir machen, wenn keine Sonne scheint, wie heute? Dann verwenden wir Feuer oder Rauch.  Von euch haben wir gelernt, Istiae zu benutzen. 

 Die phönizischen Segelsignale hat Adonis noch bei der Fahrt durch den Bosporos benutzt: Jetzt weiß ich, warum Marpesia den Hafenkapitän von Amisos am Han getroffen hat.   
Der Fernschreiber nickt: Er gab sicher Nachrichten an die Zielhäfen der auslaufenden Schiffe ab und bekam Meldungen über zu erwartende Schiffe aus anderen Häfen.   
Adonis staunt über das Netz, über daß Amazonen sich verständigen. Perithymones Begeisterung kann er nur teilen. Da macht sich bei allen der Magen bemerkbar. 

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