Der Ruf zum Abendessen bringt ihn um eine Antwort. Den sich Versammelnden stellt Marpesia ihren neuen Mitbewohner vor. Alle begegnen ihm wie am Morgen in Amisos. Auch der Beschluß des Rates, Adonis für seine Reise nach Ferghana vorzubereiten, wird kommentarlos hingenommen. Selbst der Bitte, ihn zu begleiten und behilflich zu sein, folgt nur wages Nicken. Die Begleiter von Amisos betrachten ihren Gast inzwischen ein wenig beteiligter. Mit der Entscheidung tritt für Marpesia, Melanippe und Perithymone ihre Bekanntschaft in ein neues Stadium. Schon beim Essen beginnen sie mit Adonis Reisevorbereitungen zu planen: Auf deiner Reise liegen Gebirge und Wüsten. Im Winter sind die Gebirge unpassierbar und im Sommer sind die Wüsten zu heiß. 

 Voller Vorahnung stellt Adonis fest: Das schränkt die Reisezeiten beträchtlich ein. Doch das größte Hindernis bin ich. Ich bin für mein Unterfangen überhaupt nicht geübt. 
Melanippe kämpft mit der Zuversicht: Allein auf dem Weg nach Fer gha na begegnet man vielen verschiedenen Völkern. Du wirst dich mit allen verständigen müssen. In der kurzen Zeit wirst du gerade eine Sprache lernen können. 
Marpesia: Was hältst du von der Sprache der Ferghaniais? Auf deren Sprache antworten sogar Pferde. Auch sonst wird sie vielerorts verstanden. 
Melanippe erläutert den Vorschlag für Adonis: Die Fer gha na-Sprache lernten wir, als wir die ersten Erfahrungen mit Pferden machten. Wenn du Leute triffst, die mit Pferden zu tun haben, begegnest du auch immer wem, der die Sprache der Ferghaniais versteht. 
Marpesia ergänzt: Für uns sind Pferde so wichtig, daß wir außer der Sprache der Ellenes und der Perses noch die der Ferghaniais lernen. 

 Adonis kann das Erlernen der griechischen und persischen Sprache verstehen. Nur von Ferghana hat er noch nie gehört, geschweige denn von ihrer Sprache. Marpesia fühlt sich an die Fremden erinnert, die sie einst in Ferghana traf. Sie kamen aus dem Reich Sina, in dem man vom Tal der Himmlischen Pferde sprach. In Ferghana wachsen die Pferde im Gebirge auf. Der felsige Boden macht ihre Hufe fester, als bei Pferderassen der Steppe. Das notwendige Klettern macht sie ausdauernder. Als sie das Kranichtuch bewunderte, schenkten die Fremden es ihr. Adonis kann verstehen, daß Leute, die solche Geschenke machen, sich auch mit den Züchtern solcher Pferde verständigen wollen. Spräche er diese Sprache, würde er bis zu seinem Ziel überall als Pferdefreund eingestuft. Die Sprachen der Völker, die sich im Westen um die Vorherrschaft rangeln, hülfen ihm hinter Kolchis sicher nicht weiter. 

 Melanippe lacht erheitert: Es gibt Länder, da sind die hier so Bedeutungsvollen nicht einmal vom Hören bekannt. Doch im Moment verbrauchen Ellas und Persis ihre überschüssige Energie im Bruderkrieg und lassen uns in Ruhe. 
Sie bringt Marpesia zum Nachdenken: Selbst, wenn ich den Eindruck mache, ich habe nichts gegen Ellenes. Ich bewundere sie sogar, besonders ihre Poetes, Philosophes, Grapheus und Andriantopoios. Nur Kriegstreiber und Machtgelüste, egal welcher Nation, kann ich nicht ausstehen. 
Die hellenischen Dichter, Maler, Philosophen und Bildhauer beeindrucken auch Adonis: Von den Ellenes habe ich die Idee, du könntest eine Amazon sein. Sie sind die Einzigen, von denen ich Grammata über Amazones kenne. Sie verbreiten Merkwürdiges von euch, doch mich haben sie ein anderes Bild gewinnen lassen! 

 Die Schriften sind auch Marpesia bekannt: Wir haben nie etwas aufgeschrieben. Schrift wird zwar für objektiv gehalten. Das wäre sie, wenn man sich auf die Begriffe verlassen könnte. Wir behalten unsere Geschichte lieber im Gedächtnis. 
Adonis nickt verständnisvoll: Bei uns und bei unseren Nachbarn, den Aigyptes, wird von Amazones erzählt. Außer bei den Ellenes sind sogar bei den Aigyptes Grammata über euch zu finden. Wenn so viele Völker mit einer bedeutenden Kultur sich mit euch befassen, dann muß an euch etwas sein, was Andere gern hätten. Dann mußte es euch geben, was viele bezweifeln. 

 Melanippes Anwort geht in der Meldung unter, der Schwarm Kraniche, der sich am Nachmittag durch seine Rufe angekündigt hatte, sei gelandet. Jeder außer Adonis ahnt, was kommt: Marpesia reagiert spontan. Sie will am Morgen in aller Frühe mit den Kindern losziehen, die Kraniche beobachten. Nach dieser Ankündigung verabschiedet sich Perithymone. Sie weiß, diese Nacht wird sehr kurz. Beim Morgengrauen müssen sie am Thermodon sein. Marpesia einigt sich mit Melanippe, daß die Adonis sein Nachtlager zeigt. Zunächst wird Adonis im Han von Themiskyra die Nächte verbringen. Melanippe verabschiedet sich von Adonis mit den Worten: Du hast gesagt, wir sind alle Menschen. Doch fürchte ich, Einiges wird dir bei uns fremd erscheinen. Deshalb empfehle ich dir, mit Marpesia zu Geranes zu gehen. 

Vorsichtshalber bittet Adonis, ihn wecken zu lassen. Er blickt ihr nach und erkennt am Mond, daß es wieder einmal viel später geworden ist, als er angenommen hatte. 
Das Ungewohnte weckt ihn früh. Gerade ist er aus den Decken gekrochen, hat sich gewaschen und angezogen, als auch schon Perithymone bei ihm auftaucht, um ihn abzuholen. Sie verspricht, ihn bei Gelegenheit durch den Han zu führen. Dann eilen sie durch die Morgendämmerung zum Treffpunkt, wo ihr Auftauchen das Signal zu Aufbruch gibt. 

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