Beim Aufbrechen zeigt Perithymone Adonis, wie er auf das Pferd kommt und richtig darauf sitzt. Ein Pferd kniet sich ja nicht wie ein Kamel, das ihm bekannt ist. Sie reiten durch das benachbarte Stadttor und kommen an Orten vorüber, die um diese Tageszeit noch geschäftig sind. Das Treiben macht die Ruhe der frisch bestellten Felder, die die Orte trennen, noch deutlicher. Sie dehnen sich scheinbar unendlich aus, bis an die Kulisse eines Gebirges in der Ferne. 

Mit den Tips des Mädchens gewinnt Adonis immer mehr Vertrauen in sein Pferd. Als er seiner Lehrerin sicher genug erscheint, fordert sie ihn zu einem übermütigen Galopp heraus. Sie müssen die Zeit, die das Gespräch am Morgen länger gedauert hatte, ja wieder hereinholen. Dann ist die Strecke aber doch zu lang, um sich zurückhalten zu können. Schon ist sie weit voraus. Die anderen Mitreitenden geben es schließlich auf, sie zu begleiten. Während sie vorprescht, blickt sie sich ab und an um. Wenn sie merkt, daß der Abstand ein bißchen groß wird, kommt sie sofort zurück. Aber nur, um die Strecke ein weiteres Mal hinter sich zu bringen. Dreimal macht sie den ganzen Weg. Als sie sich ihrem Ziel nähern, fliegt sie ein letztes Mal auf Adonis zu. Geordnet reiten sie in Themiskyra ein, so, wie es eigentlich von ihr erwartet wird. 

 Gleich bei der Ankunft nimmt man Marpesia und Melanippe die Pferde ab und versorgt sie. Der Rat von Themiskyra erwartet die Beiden. Sie haben ihn bereits von Amisos aus einberufen. Adonis die Zeit bis zur Entscheidung zu verkürzen, übernimmt Perithymone. Sie  zeigt ihm die Ställe und hilft, sein Pferd zu versorgen. Selten hatte ihn so viel Ungewohntes in Anspruch genommen. Der Phönizier fühlt sich immer mehr zur Familie von Marpesia hingezogen.  

Er braucht sich nicht mehr ausschließlich auf Marpesia als Bezugsperson zu stützen. Zunehmend teilt ihre Tochter diese Rolle. Nun, wo ihn die Großtochter begleitet, beginnt er die genauer wahrzunehmen. Solch eine Tochter hätte er gern auch einmal, ein Mädchen, dem die Welt zu eng war. Wie sie mit weitausholenden, gleitenden Schritten vor ihm hersaust, scheint sie sich ihre Bewegungen und sicheren Sprünge im Wettlauf und Spiel mit graziösen Wildkatzen angeeignet zu haben. Dann aber wieder stakst sie wie ein frischgeborenes Fohlen neben ihm her. Schon im Hafen war das Mädchen seiner selbst bewußt mit ihm mitgegangen. Wenn er an die eigene Kindheit zurückdenkt, erweist sie sich erstaunlich umsichtig für ihr Alter. Während die beiden die Pferde versorgen, drängen sich Perithymones Freunde heran. Sie möchten im Geschwätz mit ihrer Freundin Blicke auf den Fremden werfen. Doch außer, daß man mit ihm in hellenischer Sprache sprechen muß, scheint er sonst nicht besonders aufregend. 

 Bald sitzt Adonis allein da und sieht den Kindern beim Spielen und Toben zu. Sie lenken ihn von seiner Kehrseite ab, die das Reiten genau so wenig gewohnt ist, wie seine Schenkel. Sein Eindruck von Perithymone bekommt Farbe. Jedes Mal, wenn sie auf ihn zu läuft, fällt ihm auf, daß ihre Haut dunkler getönt ist, als die ihrer Spielkameraden. Große, wache, schwarze Augen spiegeln das Gegenüber. Das Blitzen dieser Augen beim Lachen mußte jede Schranke überwinden. Unter den pechschwarzen Haaren erscheint ihm der Kopf für ein Kind sehr schmal. Überhaupt wirkt sie für ihr Alter erstaunlich lang und schlank mit ungewöhnlich zarten Gliedern.  

Schließlich fragt er die hin und wieder sich bei ihm einfindenden Kinder nach ihrer Freundin. Damit löst er ein Durcheinander von Antworten aus. Danach möchten Erwachsene Peri lieber gebändigter. Aber Tiere und Kinder scheinen die Liebe des Wildfangs ungebremst zu erwidern: 
Peri liebt Tiere! 
Jeder verletzte Vogel und jeder lahme Hund landet immer in ihren Händen!  
Unter ihren Fingern vergeht das Leid der Tiere! Sie werden gesund! 
Man braucht es gar nicht erst zu versuchen, darin kann kaum jemand mithalten!  
Selbst Ratten und Schlangen werden bei ihr zahm! 
Sie schwimmt und taucht wie ein Fisch! Ich glaube, sie kann sogar mit ihnen sprechen! 
Als Perithymone dazu kommt, hört sie die letzten Worte. Ihre Antwort erinnert den Phönizier an ihre Großmutter: Hast du schon mal beim Tauchen den Mund aufgemacht? Aber, wenn ich mal vergeblich helfe, ertrinke ich in einem tiefen Loch. 

 Wie bei einem mißlungenen Rettungsversuch stürmen alle Freundinnen voller Trost auf sie ein. Perithymone nimmt eine nach der anderen in die Arme: Laßt das doch! Ich tröste euch auch nicht bei jeder Gelegenheit. Du bist beim Bogenschießen und du im Anschleichen besser!  
Du kennst mehr Heilpflanzen und kannst Pflanzen wachsen lassen! 
Und du kommst auf deine Mutter und kannst jetzt schon Käse machen! Alle Ziegen drängeln sich zu dir, um von dir gemolken zu werden! 
Jeder, den sie so vor dem Fremden anspricht, platzt fast vor Stolz wegen des Lobs. 
Schließlich wendet sich Perithymone an Adonis: Hast du schon mal versucht, mit den Vögeln zu fliegen? Ich schaffe doch einfach nicht abzuheben! 

 Adonis erinnert sich an die eigene Kindheit. Gleichaltrige tauchen auf, Wettbewerbe und Versteckspiele. An Flugversuche kann er sich nicht erinnern. Er bleibt eine sofortige Antwort schuldig und ist wieder Zuschauer. Die Zeit fliegt dabei nur so dahin. Er ist ganz überrascht, als Melanippe ihm mit dem gleichen Augenzwinkern, das sie am Morgen bei ihrer Mutter beobachtet hatte, die Entscheidung verkündet: Der letzte entscheidende Schritt ist getan. Alle haben sich von Marpesia überzeugen lassen. Hat dir Perithymone geholfen? 
Adonis lächelt sie unter dem Eindruck des Nachmittags an: Sie hat mir so viel gezeigt, daß ich erst jetzt langsam begreife, was alles an Neuem auf mich einstürmt. Aber sicher hat die Königin auch zu der Entscheidung beigetragen. 

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