Für Adonis gerinnt eine alte Ahnung zum deutlichen Bild: Wenn ich am frühen Morgen Geranes tanzen sehe, habe ich den Eindruck, schwebt Aphrodite im Frühnebel vorüber. 
Hanno läßt sich anstecken: Manche ihrer Sprünge erinnern mich an Jungen, die um die Gunst von Mädchen gockeln. 
Adonis formt lachend Hannos Worte zu Gesten: Sie richten den Oberkörper auf, winkeln die Arme wie Flügel ab und gurren.

Marpesia lacht über Adonis Faxen: Kein Wunder, bei den Geranes wählen die Weibchen öffentlich ihren Partner. Allen sichtbar bieten sie sich dem Erwählten zur Vereinigung.
Adonis kommt in Fahrt: Kaum haben sie sich getrennt, rufen sie sich wieder. Sie plaudern miteinanderm sie putzen sich gegenseitig liebevoll.
Hanno sinniert: Stimmt, Geranes wiederholen das Ritual zur Paarung immer wieder.
Marpesia nickt: Sie zeigen sich auch später ihre Zuneigung und trompeten sie laut hinaus.  Du scheinst mir auch ein verkappter Geranos.
Adonis lächelt und versucht sich genauer zu erinnern: Antwortet der Partner, drängen sie sich eng an einander, breiten Schwingen aus, schmiegen die zurückgeworfenen Köpfe an einander und tanzen gemeinsam um einander her. Ich muß mich um unsere Fahrt kümmern.

Hanno sieht seinem Bruder hinterher: Obwohl sie nicht genug von einander bekommen können, strecken sie plötzlich, als könnten sie sehen, was auf sie zukommt, ihren Kopf in Flugrichtung und fliegen los. Benimmt sich Adonis nicht auch wie ein Geranos?
Er liefert Marpesia ein gutes Argument: Laß uns von den Geranes lernen. Wie sie, gehen wir immer wieder auf Reisen, trotz aller Gefahren!
Hanno verdrängt den Gedanken, seinen Bruder zum letzten Mal zum Ruder gehen zu sehen:  Wenn sie den Abflug besprochen haben, stoßen sie sich mit ein paar schnellen Schritten vom Boden ab und fliegen mit gestrecktem Hals schätzend davon. Die Kraniche führten die Amazonen zur eigenen Taktik: Schon bevor man sie sieht, hört man ihre Dialogoi. Sie rufen immer den Kräftigsten an die Spitze. Weil sie ihr Kommen so früh ankündigen, erinnern sie uns immer wieder daran, das Gegenteil anzustreben.

Die Gespräche der Kraniche lassen Hanno seine Sorgen ganz vergessen: Sie sind am Himmel unerreichbar. Sie können sich ihre Offenheit leisten. Seeleute lernten von ihnen im Geschwader zu segeln.
Erstaunt blickt Marpesia Hanno an: Das leuchtet ein. Phoinikes und Amazones haben von den Geranes so viel gelernt.
Während Marpesias Augen zu den manövrierenden Seeleuten und ihrem Kommandanten wandern, bemerkt sie die ungewohnte Wärme der Sonne an ihrem Platz. Doch bevor sie etwas sagen kann, schlägt Hanno vor: Laß uns zum Ruder gehen, dort ist jetzt Schatten.

Mit Adonis Begrüßung wird der Frau vom Festland der Grund für die Veränderung klar: Ich habe den Kurs auf das Kap von Sinope genommen. 
Hanno blickt über das Meer und zupft Marpesia am Ärmel: Sieh mal dort am Himmel. Siehst du die Möwen?
Adonis freut sich über die kindliche Geste: Morgen früh kann man das Akroterion erkennen, von dem sie kommen.
Marpesia folgt Hannos Finger: Ich sehe ihre Umrisse. Wie dunkle Fetzen irrlichtern sie am Himmel.
Die Möwen vom Kap beschäftigen Hanno immer noch: Geranes reisen geplanter als Möwen. Sie hätten längst begonnen, eine schräge Reihe und schließlich einen Keil zu bilden. 

Hanno stutzt: Sind eigentlich alle Amazonen so wie du?
Marpesias Reaktion erstaunt Adonis nicht: Kein Mensch ist wie ein anderer. Doch ich ahne, was du meinst. Ich glaube schon, daß alle Amazones sich ähneln.
Hanno platzt empört heraus: Dann ist alles, was die Ellenes von euch behaupten, Propaganda!
Sein Eifer läßt Marpesia lächeln: Teils erzählen sie “Kriegserinnerungen”, teils verdrängen sie das eigene Verhalten. Alles Strategia, sogar in der Familie. Sie müssen unbedingt ihre Frauen beherrschen. Ich möchte mich nie wie Ellenes verhalten müssen.

Adonis schmunzelt über die Feldherrnkunst und das Geschwätz der Veteranen: Handelt ihr nicht auch strategisch? Nur in anderer Weise? Vielleicht seid ihr gerechter.
Marpesia blickt ihn forschend an: Ich weiß nicht. Wir bewundern die Techne und die Philosophia der Ellenes. Doch im Gegensatz zu ihnen ist für uns Ehre ein leeres Wort. 
Adonis findet die Kunst und Philosophie der Griechen ebenfalls interessant. Ihn trieb die Ehrsüchtelei im eigenen Land aufs Meer: Deshalb habt ihr auch keine Angst, euch durch Flucht zu verteidigen.

Zum ersten Mal begegnet Marpesia einem Mann, dem Ehre unwichtig scheint: Flucht überrascht Männer der Ehre. Sie fordert sie zu besinnungloser Verfolgungswut heraus.
Hanno erinnert sich an Geschichten, die er gehört hat: Und wenn sie alle Vorsicht vergessen haben, kehrt ihr leise und unerwartet zurück. Blind vor Siegessicherheit richtet sich die eigene Wut gegen sie selbst.

Adonis staunt über seinen Bruder: Wirken Geranes auf euch dann nicht abschreckend?
Marpesia wird nachdenklich: Das stimmt, man könnte meinen, Geranes benehmen sich auf ihrem Flug wie ein Heer, das  schon mit seinem Getöse Furcht verbreiten möchte.
Hanno winkt ab: Soldaten machen Krach, um die eigene Angst zu verscheuchen.
Adonis blickt zum immer deutlicher erkennbaren Gekreise der Möwen hinüber: Wie es den unerreichbar krähenden Geranes ums Abstimmen, ums Kraftsparen geht, sollten wir unsere Landung morgen im Auge behalten.

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