Jede Nacht wechselt die Wachfolge. Dieses Mal übernimmt Hanno die erste Wache. Adonis treibt es, wie immer, wenn er nicht gefordert ist, zu Marpesia. Vom gewohnten Platz aus betrachtet sie die Sterne: Ist der Aither anders als an Land? 

Marpesia beschreibt das Himmelsgewölbe: An Land scheinen die Astroi wie glitzernde ferne Punkte, als wäre die Skene der Unendlichkeit löchrig.
Adonis findet den Vergleich der Sterne mit Löcher in einem Zelt typisch: Dagegen sind hier die Astroi zum Greifen nah?
Marpesia wendet sich ihm zu: Beim Ritt durch die Nacht, bemerkt man, sie wandern! Wird euch nicht schwindelig, wenn sie sich so nah um euch drehen?
Der Mann, den das Bild der Sterne lenkt, lacht: Nein, je nachdem in welchem Meer wir gerade segeln, wandeln sich sogar die Astra.
Die unterschiedlichen Sternbilder sind Marpesia auch aufgefallen: Stimmt, in Fer gha na gibt es andere Astra als bei den Esperides. Und dort erzählt man, daß Selene sogar die Thalatta bewegt.

Die Hesperiden verbindet auch Adonis mit Mond und Meer: Meine Onkel, die durch die Porthos des Herkules fahren, berichten, daß Selene bei den Zinninseln mit Palippoia das Meer ändert. Vom Wasser bedeckte Flächen sind plötzlich Land.
Marpesia hat an der Meerenge von Gibralta von Gezeiten gehört: Daß Selene das Meer leert und füllt kann ich mir vorstellen. Sie tut es ja auch bei den Gynes.
Der Kapitän hätte nie daran gedacht, daß der Mond nicht nur Ebbe und Flut beeinflußte, sondern auch die Blutung der Frauen. Dazu fehlen ihm die Worte: Ich glaube, es wird Zeit für mich.
Voll Fürsorge bekräftigt Marpesia: Du hast nur noch knapp vier Stunden Schlaf vor dir.

Am Morgen, als sich alle zum Frühstück versammeln, steht Adonis am Ruder. Er zieht es vor, sein Essen nicht im Stehen herunterzuschlingen. Als Hanno ihn ablöst, kommt er an den Tisch, wo Marpesia ihn erwartet: Du bist so abwesend. Steuerst du noch?
Adonis lächelt müde: Nein, es war Routine, eine ruhige und klare Nacht. Ich lege mich hin, wenn ich mit Hanno den Ablauf des Tages besprochen habe.
Marpesia bemerkt, wie sein Blick bedauernd zu ihrem Hals wandert und murmelt: Du kannst deine Gedanken nicht verbergen. 

Adonis hat im Aufstehen ihr Murmeln überhört.  Für die Mannschaft bedeutet ein Gespräch zwischen Steuermann und Kapitän immer Arbeit. So liegen alle lauernd auf Deck. Als Marpesia bemerkt, wie die Mannschaft jeden Schritt zum Steuer zählt, geht ihr durch den Kopf: Meine Mitreise und das erste Treffen mit Adonis haben alle ganz normal aufgenommen. Doch schon die nächste Begegnung fiel ihnen auf. Als sie dann jeden Tag das Gleiche erlebten, ebbte ihre Neugier ab. Sie hätten ihren Kapitän besser beobachten müssen, dann wüßten sie, daß heute nicht viel Arbeit drohen kann. Adonis sehnt, mein Halstuch zu fühlen.
Hanno schickt seinen Bruder auch gleich zum Schlafen. Als Adonis sich umdreht, versucht er kurz, in ihren Augen zu ankern.

Hanno bemerkt die Begegnung. Sie zaubert ein Lächeln in sein Gesicht: Wie findest du die Reise?
Der Ruhe der Nacht wirkt in Marpesia nach: Mir scheint, die Theous der Ellenes haben auf dem Pontos Euxeinos nichts zu sagen.
Hanno schmunzelt über die griechischen Götter im Schwarzen Meer: Du meinst, sie verhalten sich nicht, wie die, deren Theous sie sind?
Marpesia wird ernst: Glaubst du nicht, wenn ein Volk sich feindlich verhält, tun es seine Theoi auch? 
Dieses Mal zwinkert Hanno ihr zu: Für dich und mich gibt es die Theous der Ellenes nicht. Aber nach Anemos und Kymai, muß an deinem Gedanken etwas sein.

Wind und Kimm geben Marpesia ein: Wenn es unterschiedliche Götter für Anemos und Thalatta gibt, fände ich es nicht erstaunlich, wenn sie um ihr Vorrecht stritten.
Hanno lacht belustigt: So wie Athenaios und Spartiate gerade? Nach meiner Erfahrung wühlen meistens die Winde das Meer auf.
Marpesia mit einem Seitenblick: Gerade tun sie das nicht!
Hannos Blick schweift über das Meer: Nein, wir nähern uns auch schon dem Akroterion von Sinope. Unsere Reise geht bald zu Ende.
Marpesia sucht nach den Kap: Woher weißt du das? Sagen dir das die Sterne?
Dieses Mal staunt Hanno: Ja, die Sterne und unsere Tachos.

Marpesia erinnert sich, wie Adonis die Geschwindigkeit gemessen hat. Als er wieder an ihrem Treffpunkt auftaucht, bestätigt er ihre Erwartung. Sein erster Blick gilt ihrem Hals: Du möchtest mein Tuch zu gern näher betrachten. Fall ja nicht mit der Tür ins Haus!
Adonis fühlt sich erkannt: Für dich bin ich wie ein offenes Buch!
Marpesia schlägt ihre Kapuze zurück, zieht ihr Halstuch aus dem Ausschnitt und läßt es durch ihre Finger gleiten: Daß du den Geranos genießen kannst.

Adonis betrachtet das Tuch ausführlich. Marpesia durchbricht die ehrfürchtige Stille: Es kann nur die Farbe sein, denn ihr handelt mit Porphyra.
Die Erinnerung an Purpur macht Adonis Blick noch sehnsüchtiger: Das Färben fordert Kenntnis des Gewebes. Wie dieses über deine Hand fließt, erinnert es an Byssos.
Beim Vergleich mit Baumwolle streckt Marpesia ihm das Tuch entgegen: Dann prüf, ob dein Eindruck stimmt.

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