Die großen griechischen Dichter haben von den Amazonen geschrieben. Nun soll erstmals eine Amazone über ihre Erfahrungen mit Griechen zu Wort kommen, Perithymone. Immer wieder erfuhren die Amazonen, Fremde und Fremdes werden bedrohlich empfunden. Nur wenn man in keinem Falle auffiel, konnte dieser Eindruck nicht aufkommen. Völker würden erst dann nicht mehr vertrieben werden, wenn Eigentum seinen Rang verlor.

Die Anschauung der Welt wird von Umweltbedingungen geprägt. Sprache ermöglicht es, sich zu verständigen. Das Gefühl von Zusammengehörigkeit führt zu Nationen. Religionen bilden eigene, von natürlichen Grenzen völlig unabhängige, umkämpfte Grenzen. Gier sorgt schließlich für Überfälle. Ein solcher Überfall machte die Amazonen zu Flüchtlingen. Die Umstände ihrer entbehrungsreichen Flucht machten sie zu dem, was sie bei Griechen und allen Völkern bis heute sind.

Zufällig führte ihre Flucht die Amazonen nach Ferghana, das die Chinesen das “Tal der himmlischen Pferde” nannten. Sie lernten den Umgang mit den berühmten Tiere und ihre Zucht. Einige Pferde, die sie geschenkt bekamen, ließen die Amazonen zu den berühmten reitenden Bogenschützen werden. Wegen ihrer geringeren Körpergröße durften die zierlichen Amazonen es bei Angriffen nicht zu direktem Körperkontakt kommen lassen. Kam es dazu, halfen ihnen die Kampftechniken ihrer ostasiatischen Vorfahren. Die lenkten Angriffe gegen die Angreifer selbst um.

Als neue Heimat wählten die Amazonen Themiskyra. Sie vergaßen nie, daß sie an einem Platz wohnten, an dem zuvor andere gelebt hatten. Trotz abweichender Gebräuche lebten Amazonen und ihre Nachbarn, Meder, Hethiter und Perser friedlich zusammen. Der Frieden war vorüber, als sie mit Königen zusammenstießen, die daran gemessen wurden, wie sehr sie “Mehrer ihres Reiches” waren.

Jason mit seiner Argo raubte das goldene Vlies aus dem benachbarten Kolchis. Die Kolcher verfolgten die Argonauten, die Medea, die Tochter ihres Königs, entführt hatten. Auf Jason folgte Achilles, der einen Krieg mit den gastfreundlichen Amazonen anzettelte. Mit der Entführung ihrer Königin provozierte Theseus ihre Verfolgung. Nach ihrem Auftauchen vor Athen wurden Amazonen in der griechischen Propaganda immer erschreckender. Die sich für auserwählt haltenden Athener hatten doch gerade noch mit Not einer Belagerung durch ein Heer mit Frauen standhalten können.

Die Amazonen als Gegner wurden eines der Gesprächsthemen der Griechen. Schon Homer schrieb, daß griechische Heroen die Frauen besiegter Völker als ihnen zustehende Belohnung betrachteten. Weil Amazonen sich wehrten, als Belohnung zu dienen, wurden sie mehr als Frauen, denn als Volk gehaßt. Bellerophon aus Korinth bombardierte die Amazonen sogar aus der Luft. Dem von den Griechen bedrohten Troia kam Penthesileia zur Hilfe. Sie fiel im Kampf gegen Achilleus. Danach wurden in der Nähe der Amazonen siedelnde Griechen als Bedrohung empfunden.

Um zu lernen, sich durchzuschlagen, mußte jede Amazone allein nach Ephesos reiten. Dabei lernte sie vor allem, auf Tabus zu achten, besonders beim Glauben an fremde Göttern. Jeder Amazone, der das ungeschoren gelang, galt als erwachsen. Auf ihrem Ritt begegnete Peri dem phoinikischen Kapitän Adonis und Hippodamos, dem größten Baumeister der Zeit. In Ephesos lernte sie das Leben der “Feinde” kennen. Kriege unter den Griechen vertrieben Händler, Künstler und Philosophen nach Kleinasien. Lange bevor die Türken Kleinasien beherrschten, machten sie Ephesos zur Handels-, Finanz- und Kulturhauptstadt.

Der Sage nach gründete eine Amazone die Stadt. Die Erinnerung daran wurde im Tempel vom “Baum der Amazone” bewahrt. Griechen und Amazonen teilten sich Ephesos. Die Griechen nahmen die Stadt nicht als geteilt wahr. Perithymone wollte in Ephesos gern einen Ausgleich zwischen beiden Völkern bewirken. Dazu mußten die ehemaligen Gegnern sich doch nur kennen lernen.

Peri lernte stufenweise die fremde Kultur kennen, stand den berühmten Malern Zeuxis und Parrhasios Modell, begegnete einem Philosophen dessen Tochter im fernen Afrika eine Akademie leitete. Aristippos tauschte mit Peri Gedanken und sie machte Bekanntschaft mit dem Dissidenten Pandareos, der von fremdenfeindlichen Ephesern angeklagt und von Behörden als Gefährder eingestuft wurde.

Welche Erfahrungen Peri außer mit ihren berühmten Zeitgenossen mit ihrer Integration machte und welche Rolle Aphrodite und Zeus dabei spielten, verät diese Geschichte.