Der von ihm abgelöste Steuermann kommt und erklärt die Wolke abgelöst vom Mythos: Das warme Wasser aus dem Pontos euxenios fließt hier aus dem Hellespont in das kältere Wasser der Thalatta. Der davon aufsteigende Nevele kommt uns für die Einfahrt gerade sehr ungelegen.
Marpesia staunt, daß das Schwarze Meer sogar bis ins Mittelmeer wirkt und
antwortet dem Steuermann: Hab Dank für die Erklärung. Für mich ist Nevele an
Land schon ein großes Problem, wie müßt ihr ihn hier auf dem Meer mit seinen
Küsten und Untiefen erst empfinden.
Die Schwaden der Nebelbank beginnen sich aufzulösen. Immer wieder taucht durch
die Wolkenfetzen der Einfahrttrichter in den Hellespont auf. Vielleicht bewegt
sich allen physikalischen Erklärung zum Trotz Helles undurchsichtige Mutter
Nephele durch die Wolke und versucht die Eindringlinge zu verschrecken.
Jedenfalls verliert im allerletzten Augenblick eines der Seile die Übersicht
und überschlägt sich. Der zusätzlichen Behinderung zum Trotz schaffen es die
Phönizier, ihr Schiff heile durch den Nebel zu lenken und anzulegen.
Kaum ist festgemacht, kommt der Kapitän an seinem Fahrgast vorrüber: Unser
Segel läßt sich nicht einholen. Eines der Seile hat sich auf der Rah verklemmt.
Sieh dir den an!
Um das Segel frei zubekommen, klettert der Steuermann affengleich der
Mastspitze entgegen. In dem Moment, als er beginnt an den übereinanderliegenden
Seilen zu arbeiten, sieht Adonis auf dem Wasser die Spur einer Böe auf das
Schiff zupflügen: Hanno, der Wind …
Noch bevor er die Warnung zu Ende bringen kann, reißt der Windstoß mit einem
Ruck das Segel herum. Die mitschwingende Rahe wird von den anderen, bereits
festgelegten Seilen abrupt gebremst und schleudert den Steuermann in hohem
Bogen ins Wasser.
Ein Schrei gellt auf: Er kann nicht schwimmen!
Adonis wirft seine Kleider ab und springt ins Meer. Mit weiten Zügen schwimmt er auf den hin und wieder prustend auftauchenden Kopf zu. Obwohl der Steuermann inzwischen nicht mehr über der Wasseroberfläche sichtbar wird, bekommt Adonis den inzwischen reglosen Körper tauchend an seiner Kleidung zu packen. In der Zwischenzeit hat die Mannschaft das Beiboot zu Wasser gebracht und rudert eilig auf Adonis und ihren Steuermann zu. Als die Bordwand des Bootes und der Atemlose sich begegnen, erlöst die Mannschaft den Retter von seiner Last. Auch dem schwer atmenden Kapitän helfen sie an Bord.
Kaum hat er Boden unter den Füßen, sorgt Adonis dafür, daß das reglos liegende Bündel so angehoben wird, daß ihm das Wasser aus dem Munde laufen kann. Als er sich zum offenen Mund seines Steuermannes hinunterbeugt, hört er kein Atmen mehr. Hilflos mit den Schultern zuckend richtet er sich wieder auf. Da legt das Boot auch schon am Schiff an. Gemeinsam hieven sie den Leblosen an Bord.
Durch die erregt und lautstark um ihren leblosen Steuermann herum Drängenden zwängt sich Marpesia. Als die Heilerin sich über den leblos Liegenden beugt, verschwindet er unter ihrem weiten Gewand. Immer wieder hebt sich ihre Kapuze und das Geräusch tiefen Einatmens durchbricht die Stille. Der inzwischen vor Furcht wortlosen Mannschaft scheint sich die Kapuze eine Ewigkeit lang immer wieder zu heben und zu senken. Völlig unerwartet richtet sich Marpesia dann mit einem Ruck auf.
Alle Blicke der hilflos Zusehenden richten sich auf die Heilerin. Bevor sie zu Worte kommt, hört man den für tot Gehaltenen husten. Die sich sofort wieder ihm Zuwendenden sehen erste, sichtbar selbständige Atemzüge folgen. Die Begeisterung kennt keine Grenzen mehr. Als der wieder zum Leben Erwachende seine Augen öffnet, wird er von der Mannschaft mit Hallo begrüßt. Nach und nach kehrt sein Bewußtsein zurück.
Der bisherige Abstand zwischen Mannschaft und Fahrgast wächst und schrumpft zugleich. Begegnete die Mannschaft der Frau in der Kutte bisher lieber mit Abstand, so umgibt die Wiederbelebung der Steuermannes sie mit Unantastbarkeit. Gleichzeitig wird sie als ”eine von uns” empfunden. Nur Marpesia fühlt sich nicht zwiegespalten. Die gemeinsame Not hatte eintreten lassen, was sie sich gewünscht hatte. Noch vor dem Abendessen wird das Problem am Segel beseitigt. Alle drängen sich, um das begonnene Werk ihres Steuermanns zu vollenden. Zwei von ihnen schaffen es, das verklemmte Seil wieder gleiten zu lassen. Damit kann das aus dem Wind gedrehte Segel gerefft werden.
Nach dem verdienten Abendmahl mit vielen heimlichen und offenen Blicken auf die Retterin kehrt Ruhe auf dem Schiff ein. Mit der Behauptung, ihren Patienten noch beobachten zu müssen, schlägt Marpesia ihr Lager für die Nacht neben dem vor Erschöpfung bereits schlafenden Steuermann auf. Auf der anderen Seite des Geretteten geht Adonis zur Ruhe. Marpesia empfängt ihn mit einem Gruß für die Nacht und fügt hinzu: Ich bewundere deinen Mut. Hattest du keine Bedenken, als du ins Meer gesprungen bist.
Von dem sich in seine Decke Einmummelnden kommt leise die Antwort: Hättest du Zweifel gehabt, wenn Hanno dein Bruder gewesen wäre?
Beim Hinweis auf Bruderliebe platzt es aus der Heilerin heraus: Ihr seid Brüder! Darum seht ihr euch so ähnlich.
